Arbeits­ver­trag ab dem 1. Juli – und der Jah­res­ur­laub

Wird ein Arbeits­ver­hält­nis mit Wir­kung zum 1.07.eines Jah­res begrün­det, kann der Arbeit­neh­mer in die­sem Jahr nach § 4 BUr­lG kei­nen Vol­l­ur­laubs­an­spruch erwer­ben.

Arbeits­ver­trag ab dem 1. Juli – und der Jah­res­ur­laub

Nach § 4 BUr­lG wird der vol­le Urlaubs­an­spruch erst­ma­lig nach sechs­mo­na­ti­gem Bestehen des Arbeits­ver­hält­nis­ses erwor­ben. Die For­mu­lie­rung "nach sechs­mo­na­ti­gem Bestehen" zeigt, dass der vol­le Urlaubs­an­spruch nicht bereits "mit dem sechs­mo­na­ti­gen Bestehen" erwor­ben wird und der Ablauf der War­te­zeit und das Ent­ste­hen des Vol­l­ur­laubs­an­spruchs damit nicht zusam­men­fal­len 1. § 5 Abs. 1 Buchst. a BUr­lG nimmt auf die War­te­zeit des § 4 BUr­lG Bezug und regelt, dass ein Teil­ur­laubs­an­spruch dann ent­steht, wenn wegen deren Nicht­er­fül­lung kein Vol­l­ur­laubs­an­spruch erwor­ben wird.

Nach § 5 Abs. 1 Buchst. c BUr­lG ent­steht nur ein Teil­ur­laubs­an­spruch, wenn der Arbeit­neh­mer nach erfüll­ter War­te­zeit in der ers­ten Hälf­te eines Kalen­der­jah­res aus dem Arbeits­ver­hält­nis aus­schei­det. Dies umfasst auch ein Aus­schei­den mit Ablauf des 30.06.eines Kalen­der­jah­res 2. Dies sieht auch der Arbeit­neh­mer so. Vor dem Hin­ter­grund des Gebots, glei­che Sach­ver­hal­te gleich zu behan­deln (Art. 3 Abs. 1 GG), über­zeugt sei­ne Ansicht nicht, dass in einem Arbeits­ver­hält­nis, das am 1.07.begonnen hat, bereits mit Ablauf des 31.12 ein Vol­l­ur­laubs­an­spruch ent­ste­hen soll.

§ 1 BUr­lG ord­net iVm. § 3 Abs. 1 BUr­lG an, dass jeder Arbeit­neh­mer in jedem Kalen­der­jahr Anspruch auf 24 Werk­ta­ge bezahl­ten Erho­lungs­ur­laub hat. Die gesetz­li­che Rege­lung geht damit nicht davon aus, dass ein Arbeit­neh­mer, der bei einem Arbeit­ge­ber vom 01.01.bis zum 30.06.und bei einem ande­ren Arbeit­ge­ber vom 01.07.bis zum 31.12 des­sel­ben Jah­res beschäf­tigt war, zwei­mal einen vol­len Urlaubs­an­spruch im Umfang von jeweils 24 Werk­ta­gen erwirbt 3.

Soweit dem Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 26.01.1967 4 zu ent­neh­men sein soll­te, dass der vol­le Urlaubs­an­spruch bereits mit Ablauf der sechs­mo­na­ti­gen War­te­zeit ent­steht, hält das Bun­des­ar­beits­ge­richt dar­an nicht fest.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 17. Novem­ber 2015 – 9 AZR 179/​15

  1. so die hM im Schrift­tum, vgl. MüArbR/​Düwell 3. Aufl. Bd. 1 § 78 Rn. 21; Frie­se Urlaubs­recht Rn. 57, 72; ErfK/​Gallner 16. Aufl. § 5 BUr­lG Rn. 9; AR/​Gutzeit 7. Aufl. § 4 BUr­lG Rn. 7; HK-ArbR/Holt­haus 3. Aufl. § 4 BUr­lG Rn. 4; Leinemann/​Linck Urlaubs­recht 2. Aufl. § 4 Rn.19; Schaub/​Linck ArbR-HdB 16. Aufl. § 104 Rn. 26; Arnold/​Tillmanns/​Tillmanns BUr­lG 3. Aufl. § 4 Rn. 28; HWK/​Schinz 6. Aufl. § 4 BUr­lG Rn. 12; aA Bach­mann in GK-BUr­lG 5. Aufl. § 5 Rn. 9; Hk-BUr­l­G/Hoh­meis­ter 3. Aufl. § 5 Rn. 28; Neumann/​Fenski BUr­lG 10. Aufl. § 5 Rn. 6[]
  2. BAG 16.06.1966 – 5 AZR 521/​65, zu 1 d der Grün­de, BAGE 18, 345; ErfK/​Gallner § 5 BUr­lG Rn. 16; Neumann/​Fenski § 5 Rn. 26; aA Hk-BUr­l­G/Hoh­meis­ter § 5 Rn. 70 ff.[]
  3. vgl. BAG 21.02.2012 – 9 AZR 487/​10, Rn. 23, BAGE 141, 27[]
  4. BAG 26.01.1967 – 5 AZR 395/​66[]