Arbeits­ver­trag oder Prak­ti­kums­ver­trag?

Kenn­zeich­nend für Prak­ti­kan­ten ist, dass sie sich ohne Absol­vie­rung einer sys­te­ma­ti­schen Berufs­aus­bil­dung zeit­wei­lig einer betrieb­li­chen Tätig­keit im Rah­men einer Gesamt­aus­bil­dung unter­zie­hen. Sie wer­den vor­ran­gig des­we­gen tätig, um sich not­wen­di­ge prak­ti­sche Erfah­run­gen und Kennt­nis­se anzu­eig­nen, die zur Vor­be­rei­tung auf einen Beruf erfor­der­lich sind.

Arbeits­ver­trag oder Prak­ti­kums­ver­trag?

Kenn­zeich­nend für ein Prak­ti­kums­ver­hält­nis ist ins­be­son­de­re auch sei­ne zeit­li­che Begrenzt­heit, was nun­mehr auch expli­zit sei­nen gesetz­li­chen Nie­der­schlag im MiLoG, dort in § 22, gefun­den hat. Letzt­lich ent­schei­dend ist dabei, wie das Ver­trags­ver­hält­nis tat­säch­lich gelebt wur­de, nicht aber die dafür gewähl­ten Bezeich­nun­gen.

Ver­trag­li­chen Rege­lun­gen wie Pro­be­zeit­ver­ein­ba­rung, Neben­tä­tig­keits­ge­neh­mi­gung und Urlaubs­pla­nung sind typi­scher­wei­se sol­che eines Arbeits­ver­tra­ges. Zudem ist eine rund 5 1/​4 Jah­re dau­ern­de Tätig­keit in ein und dem­sel­ben Betrieb, wel­che schließ­lich von der "Prak­ti­kan­tin" been­det wur­de, nur schwer­lich mit dem Grund­ver­ständ­nis, dass ein Prak­ti­kum eine zeit­wei­li­ge und zugleich zeit­lich begrenz­te Tätig­keit dar­stellt, in Ein­klang zu brin­gen. Es ist nicht nach­zu­voll­zie­hen, wel­che prak­ti­schen Erfah­run­gen und Kennt­nis­se auch noch nach Ablauf eines Zeit­rau­mes, in dem der Groß­teil aller klas­si­schen Aus­bil­dungs­be­ru­fe abge­schlos­sen wird, ver­mit­telt wor­den sein sol­len.

Arbeits­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 11. Dezem­ber 2015 – 36 Ca 4986/​15

  1. Fit­ting, BetrVG 27. Aufl., § 19 Rz. 36[]