Arbeits­zeit und Arbeits­ent­gelt – Tarif­ver­trag oder Arbeits­ver­trag?

Die Kol­li­si­on zwi­schen den kraft bei­der­sei­ti­ger Tarif­ge­bun­den­heit für das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en nor­ma­tiv gel­ten­den Tarif­be­stim­mun­gen und arbeits­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen ist nach dem Güns­tig­keits­prin­zip (§ 4 Abs. 3 TVG) auf­zu­lö­sen.

Arbeits­zeit und Arbeits­ent­gelt – Tarif­ver­trag oder Arbeits­ver­trag?

Unmit­tel­bar und zwin­gend gel­ten­de Tarif­be­stim­mun­gen tre­ten dar­um hin­ter ein­zel­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen zurück, soweit letz­te­re für den Arbeit­neh­mer güns­ti­ger sind. Ob dies der Fall ist, ist durch einen Güns­tig­keits­ver­gleich zwi­schen der tarif­ver­trag­li­chen und der arbeits­ver­trag­li­chen Rege­lung zu ermit­teln, wobei es nicht dar­auf ankommt, ob die Par­tei­en des Arbeits­ver­trags ihre Rege­lung vor oder nach Inkraft­tre­ten des Tarif­ver­trags geschlos­sen haben.

Zu ver­glei­chen sind die in einem inne­ren sach­li­chen Zusam­men­hang ste­hen­den Teil­kom­ple­xe der unter­schied­li­chen Rege­lun­gen (sog. Sach­grup­pen­ver­gleich) 1.

Nach die­sen Maß­stä­ben bil­den die Dau­er der vom Arbeit­neh­mer zu erbrin­gen­den Arbeits­leis­tung und das ihm dafür zuste­hen­de Arbeits­ent­gelt als Teil der arbeits­ver­trag­li­chen Haupt­leis­tungs­pflicht die Sach­grup­pe "Arbeits­zeit und Arbeits­ent­gelt", weil sie in einem untrenn­ba­ren engen, inne­ren sach­li­chen Zusam­men­hang ste­hen. Zu ver­glei­chen sind dar­um grund­sätz­lich die Rege­lun­gen von Arbeits­zeit und Arbeits­ent­gelt im Arbeits­ver­trag auf der einen Sei­te und in der tarif­li­chen Rege­lung auf der ande­ren Sei­te 2.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 12. Mai 2016 – 6 AZR 259/​15

  1. BAG 20.10.2015 – 9 AZR 655/​14, Rn.20 f.[]
  2. vgl. BAG 15.04.2015 – 4 AZR 587/​13, Rn. 35 ff., BAGE 151, 221[]