Arbeits­zeit der Beam­ten im Feu­er­wehr­dienst

Mit dem Umfang des Frei­zeit­aus­gleichs, der einen Beam­ten im Feu­er­wehr­dienst für eine über die zuläs­si­ge Höchst­ar­beits­zeit hin­aus­ge­hen­de Her­an­zie­hung zum Dienst zu gewäh­ren ist, hat­te sich jetzt das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg zu befas­sen – und nahm dies zum Anlass für eine Ände­rung sei­ner Recht­spre­chung:

Arbeits­zeit der Beam­ten im Feu­er­wehr­dienst

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat bereits in sei­nem Urteil vom 28. Mai 2003 1 ent­schie­den, dass dem Beam­ten – wenn er vom Dienst­herrn über die regel­mä­ßi­ge Dienst­zeit hin­aus zum Dienst her­an­ge­zo­gen wird, ohne dass die Vor­aus­set­zun­gen für die Anord­nung oder Geneh­mi­gung von Mehr­ar­beit erfüllt sind (rechts­wid­ri­ge Inan­spruch­nah­me) – aus Treu und Glau­ben ein Anspruch auf Dienst­be­frei­ung zusteht. Zum zeit­li­chen Umfang des Anspruchs auf Dienst­be­frei­ung hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem Beschluss vom 10. Juni 2009 2 prä­zi­siert, dass zwei all­ge­mei­ne Bemes­sungs­kri­te­ri­en vor­ge­ge­ben sei­en: zum einen sol­le der zeit­li­che Umfang der Dienst­be­frei­ung dem zeit­li­chen Umfang der rechts­wid­rig geleis­te­ten Zuviel­ar­beit ent­spre­chen, wobei inak­ti­ve Dienst­zei­ten arbeits­zeit­recht­lich in vol­lem Umfang als Arbeits­zeit zu gel­ten hät­ten und des­halb nicht nur antei­lig zu berück­sich­ti­gen sei­en, und zum ande­ren müss­ten Zei­ten in Abzug gebracht wer­den, die nach den gesetz­li­chen Rege­lun­gen ohne Aus­gleich als Mehr­ar­beit geleis­tet wer­den müss­ten.

Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat zwar in sei­ner (vor dem genann­ten Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 10. Juni 2009 ergan­ge­nen) bis­he­ri­gen Recht­spre­chung zur Gewäh­rung von Frei­zeit­aus­gleich für rechts­wid­rig geleis­te­ten Dienst im Hin­blick auf die unter­schied­li­che Inten­si­tät des akti­ven Arbeits­ein­sat­zes und der Zei­ten des Bereit­schafts­diens­tes die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass es gerecht­fer­tigt sei, Bereit­schafts­zei­ten nicht im Ver­hält­nis 1:1, son­dern nur antei­lig auf die regel­mä­ßi­ge Arbeits­zeit anzu­rech­nen 3. Die­ser Auf­fas­sung ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt indes unlängst noch ein­mal aus­drück­lich ent­ge­gen­ge­tre­ten. In sei­nem Urteil vom 29. Sep­tem­ber 2011 4 – wie im Streit­fall lag die­sem das Begeh­ren eines Beam­ten im Feu­er­wehr­dienst auf Gewäh­rung von Frei­zeit­aus­gleich für die über die uni­ons­recht­lich zuläs­si­ge wöchent­li­che Arbeits­zeit hin­aus geleis­te­te Arbeits­zeit zugrun­de – hat es her­aus­ge­stellt, dass die in Form von Bereit­schafts­zeit geleis­te­te Zuviel­ar­beit mit dem­sel­ben Gewicht zu bewer­ten sei wie zuviel geleis­te­te Voll­ar­beits­zeit, eine antei­li­ge Berück­sich­ti­gung also nicht in Betracht kommt. Außer­dem hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt – inso­weit in Abkehr von dem bis­her auf­ge­stell­ten zwei­ten Bemes­sungs­kri­te­ri­um 5 – ent­schie­den, dass der Anspruch auf vol­len Aus­gleich für Zuviel­ar­beit über die wöchent­li­che Arbeits­zeit hin­aus nicht um 5 Stun­den monat­lich redu­ziert wer­den kön­ne, weil dies dem Sinn und Zweck der Arbeits­zeit­re­ge­lung wider­sprä­che. Zwar sei­en Beam­te grund­sätz­lich ver­pflich­tet, in gewis­sem Umfang aus­gleichs­lo­se Mehr­ar­beit zu leis­ten. Dies gel­te jedoch nicht, wenn die uni­ons­recht­lich ver­bind­li­che Höchst­gren­ze der wöchent­li­chen Arbeits­zeit bereits erreicht sei, da die­se durch Mehr­ar­beits­stun­den grund­sätz­lich nicht mehr über­schrit­ten wer­den dürf­ten 6. Damit ist die Fra­ge, in wel­chem Umfang rechts­wid­rig ver­lang­te Zuviel­ar­beit aus­zu­glei­chen ist, einer abschlie­ßen­den höchst­rich­ter­li­chen Klä­rung zuge­führt wor­den.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Janu­ar 2012 – 5 LA 85/​10

  1. BVerwG, Urteil vom 28.05.2003 – 2 C 28.02[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 10.06.20009 – 2 B 26.09[]
  3. Nds. OVG, Urteil vom 18.06.2007 – 5 LC 225/​04; eben­so Saarl. OVG, Urteil vom 19.07.2006 – 1 R 20/​05; OVG Bre­men, Beschluss vom 29.05.2008 – 2 B 182/​08; Urteil vom 24.09.2008 – 2 A 432/​07, 2 A 433/​07; OVG NRW, Urteil vom 07.05.2009 – 1 A 2652/​07[]
  4. BVerwG, Urteil vom 29.09.2011 – 2 C 32.10[]
  5. BVerwG, Urteil vom 28.05.2003, a. a. O.; Beschluss vom 10.06.2009, a. a. O.[]
  6. BVerwG, Urteil vom 29.09.2011, a. a. O.[]