Arbeits­zeug­nis – und die Beur­tei­lung des Sozi­al­ver­hal­tens

Das nach § 109 Abs. 1 Satz 3 GewO zu beur­tei­len­de Ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers im Arbeits­ver­hält­nis erfor­dert ein zusam­men­fas­sen­des Urteil über die Eigen­schaf­ten und das gesam­te Ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers.

Arbeits­zeug­nis – und die Beur­tei­lung des Sozi­al­ver­hal­tens

Es geht um das betrieb­li­che Zusam­men­wir­ken, näm­lich das Ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers zu Vor­ge­setz­ten, Arbeits­kol­le­gen, nach­ge­ord­ne­ten Mit­ar­bei­tern, aber auch gegen­über Kun­den 1.

So heißt es auch in der amt­li­chen Begrün­dung zur Neu­fas­sung des § 109 GewO: "Bei den Anga­ben über das Ver­hal­ten von Beschäf­tig­ten ist ins­be­son­de­re ihr Ver­hält­nis gegen­über Mit­ar­bei­tern und Vor­ge­setz­ten sowie ihr Ein­fü­gen in den betrieb­li­chen Arbeits­ab­lauf zu beur­tei­len" 2.

Die­sen Anfor­de­run­gen genü­gen die For­mu­lie­run­gen im hier vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein beur­teil­ten Zeug­nis­ses nicht. Es fin­den sich kei­ne Aus­füh­run­gen zum Ver­hal­ten gegen­über Vor­ge­setz­ten, Kol­le­gen und Mit­ar­bei­tern. Die For­mu­lie­rung, der Arbeit­neh­mer über­zeu­ge durch "koope­ra­ti­ves Auf­tre­ten", ist nichts­sa­gend, weil sie nicht in Bezug zu den genann­ten Per­so­nen­grup­pen gesetzt wird. Außer­dem feh­len Anga­ben zum Ver­hal­ten gegen­über den Kun­den der Arbeit­ge­be­rin.

Da die Arbeit­ge­be­rin dem Arbeit­neh­mer im Zeug­nis aber beschei­nigt hat, er sei "jeder­zeit koope­ra­tiv" gewe­sen und damit für die­sen Bereich eine über­durch­schnitt­li­che Beur­tei­lung gewählt hat, ist dies auch im aus­ge­ur­teil­ten Zeug­nis­text berück­sich­tigt. Für eine Abschwä­chung die­ser Beur­tei­lung im Hin­blick auf die Geschäfts­part­ner, die nur "ein­wand­frei" gewe­sen sein soll, trägt die Arbeit­ge­be­rin nichts vor. Auch das Ver­hal­ten gegen­über den Kun­den und Geschäfts­part­nern ist daher im Zeug­nis als "stets" vor­bild­lich zu beur­tei­len. Das Wort "vor­bild­lich" ist hier an die Stel­le des von der Arbeit­ge­be­rin benutz­ten Wor­tes "ein­wand­frei" gesetzt wor­den, um eine Dop­pe­lung in den auf­ein-ander­fol­gen­den Sät­zen zu ver­mei­den.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Urteil vom 7. Novem­ber 2017 – 1 Sa 29/​17

  1. Schleß­mann, Das Arbeits­zeug­nis, 21. Aufl., Rn. 328[]
  2. BT-Drs. 14/​8796, S. 25[]