Auflösungsvertrag – Stellvertretung und das Schriftformerfordernis

Nach § 623 BGB bedarf die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses durch Kündigung oder durch Auflösungsvertrag zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform.

Auflösungsvertrag – Stellvertretung und das Schriftformerfordernis

Ist durch Gesetz schriftliche Form vorgeschrieben, muss die Urkunde nach § 126 Abs. 1 BGB von dem Aussteller eigenhändig durch Namensunterschrift oder mittels notariell beglaubigten Handzeichens unterzeichnet sein.

Zudem muss, wenn ein Vertrag für eine Vertragspartei von einem Vertreter iSv. § 164 Abs. 1 BGB unterzeichnet wird, das Vertretungsverhältnis in der Vertragsurkunde deutlich zum Ausdruck gebracht werden, wobei dies insbesondere durch einen entsprechenden Zusatz bei der Unterschrift erfolgen kann.

Für die Frage, ob jemand eine Erklärung in fremdem Namen abgibt, kommt es auf deren objektiven Erklärungswert an, also darauf, wie der Erklärungsempfänger die Erklärung nach Treu und Glauben unter Berücksichtigung der Verkehrssitte verstehen darf. Der rechtsgeschäftliche Vertretungswille muss in der Urkunde, wenn auch nur unvollkommen, Ausdruck gefunden haben1.

Dabei kann eine Unterschrift Willenserklärungen mehrerer Personen abdecken, wenn nur das Vertretungsverhältnis deutlich gemacht wird2. Ob die entsprechende Vertretungsmacht besteht, ist hingegen keine Frage der Schriftform, sondern des Vertragsschlusses3.

Der Arbeitnehmer kann dabei nicht mit Erfolg einwenden, der Zusatz „V GmbH & Co. KG, zugleich handelnd namens und mit Vollmacht für die D AG“ sei wegen Intransparenz nach § 307 Abs. 1 Satz 1 iVm. Satz 2 BGB unwirksam.

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Dies folgt bereits daraus, dass die in den §§ 305 ff. BGB über Allgemeine Geschäftsbedingungen getroffenen Bestimmungen nach § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB nur auf „Vertrags“bedingungen Anwendung finden und damit grundsätzlich eine Erklärung des Verwenders voraussetzen, die den Vertragsinhalt regeln soll4. Zwar können neben Regelungen des Vertragsinhalts in Ausnahmefällen auch einseitige rechtsgeschäftliche Erklärungen des Verwenders – so auch eine Vollmachtserteilung – Vertragsbedingungen iSv. § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB sein5. Eine Vertragsbedingung iSv. § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB liegt indes nicht vor, wenn die Erteilung einer Innenvollmacht lediglich kundgetan wird6 oder – wie hier – durch einen entsprechenden Zusatz in der Vertragsurkunde das Vertretungsverhältnis zum Ausdruck gebracht wird. Im Übrigen wurde durch den Zusatz „zugleich handelnd namens und mit Vollmacht für die D AG“ das Vertretungsverhältnis hinreichend klar und verständlich iSv. § 307 Abs. 1 Satz 1 iVm. Satz 2 BGB bezeichnet.

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15. Dezember 2016 – 8 AZR 612/15

  1. vgl. etwa BAG 9.09.2015 – 7 AZR 190/14, Rn. 29; 24.10.2013 – 2 AZR 1078/12, Rn. 26; 28.11.2007 – 6 AZR 1108/06, Rn. 18 ff., BAGE 125, 70; 13.07.2006 – 8 AZR 382/05, Rn. 28; 21.04.2005 – 2 AZR 162/04, zu II 1 und 2 der Gründe; BGH 7.05.2008 – XII ZR 69/06, Rn. 25, BGHZ 176, 301[]
  2. vgl. etwa BGH 22.02.1994 – LwZR 4/93, zu II 3 der Gründe, BGHZ 125, 175[]
  3. BAG 9.09.2015 – 7 AZR 190/14, Rn. 30 mwN; BGH 7.05.2008 – XII ZR 69/06, Rn. 29, aaO[]
  4. BGH 8.03.2005 – XI ZR 154/04, zu II 1 a der Gründe mwN, BGHZ 162, 294[]
  5. vgl. etwa BGH 23.09.2010 – III ZR 246/09, Rn. 24, BGHZ 187, 86; 10.02.1999 – IV ZR 324/97, zu II 3 a der Gründe; 9.04.1987 – III ZR 84/86, zu I 1 a der Gründe[]
  6. BAG 14.04.2011 – 6 AZR 727/09, Rn. 29, BAGE 137, 347[]
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