Aus­le­gung eines Sozi­al­plans

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sind Sozi­al­plä­ne als Betriebs­ver­ein­ba­run­gen eige­ner Art wegen ihrer nor­ma­ti­ven Wir­kun­gen (§ 77 Abs. 4 Satz 1, § 112 Abs. 1 Satz 3 BetrVG) wie Tarif­ver­trä­ge aus­zu­le­gen.

Aus­le­gung eines Sozi­al­plans

Aus­ge­hend vom Wort­laut und dem durch ihn ver­mit­tel­ten Wort­sinn kommt es auf den Gesamt­zu­sam­men­hang und die Sys­te­ma­tik der Bestim­mung an. Dar­über hin­aus sind Sinn und Zweck der Rege­lung von beson­de­rer Bedeu­tung.

Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Aus­le­gung der Vor­zug, die zu einem sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten, prak­tisch brauch­ba­ren und geset­zes­kon­for­men Ver­ständ­nis der Rege­lung führt 1.

Die­ser Aus­le­gungs­grund­satz gilt auch, wenn die Betriebs­par­tei­en tarif­li­che Rege­lun­gen in eine Betriebs­ver­ein­ba­rung ein­be­zie­hen. Des­halb kommt es nicht auf die Aus­le­gung des Sozi­al­ta­rif­ver­trags unter Her­an­zie­hung des Sprach­ge­brauchs in davon unab­hän­gi­gen Man­tel- und Ent­gelt­ta­rif­ver­trä­gen an, die auf Arbeit­ge­ber­sei­te von ande­ren Ver­trags­par­tei­en geschlos­sen wur­den. Andern­falls wür­de zum einen rechts­feh­ler­haft eine tarif­ver­trags­über­grei­fen­de Aus­le­gung vor­ge­nom­men 2 und zum ande­ren nicht auf den Wil­len der Betriebs­par­tei­en abge­stellt.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts haben Sozi­al­plä­ne eine zukunfts­be­zo­ge­ne Aus­gleichs- und Über­brü­ckungs­funk­ti­on. Geld­leis­tun­gen in Form einer Abfin­dung sind kein zusätz­li­ches Ent­gelt für die in der Ver­gan­gen­heit erbrach­ten Diens­te. Viel­mehr sol­len sie die vor­aus­sicht­lich ent­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le eines Arbeits­platz­ver­lus­tes infol­ge einer Betriebs­än­de­rung aus­glei­chen oder zumin­dest abmil­dern 3. Die­ser wirt­schaft­li­che Nach­teil wird maß­geb­lich bestimmt durch die in dem bis­he­ri­gen Arbeits­ver­hält­nis bezo­ge­ne Ver­gü­tung. Das recht­fer­tigt es, die­se zur Bezugs­grö­ße für die in dem Sozi­al­plan vor­ge­se­he­nen Über­brü­ckungs­leis­tun­gen zu machen 4. Dabei haben die Betriebs­par­tei­en einen erheb­li­chen Gestal­tungs­spiel­raum, ob und inwie­weit sie bei der Höhe von Sozi­al­pla­n­ab­fin­dun­gen in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­de Schwan­kun­gen der monat­li­chen Ver­gü­tung berück­sich­ti­gen. Sie kön­nen bei­spiels­wei­se bestim­men, dass sich die Abfin­dungs­hö­he nach einer zuletzt bezo­ge­nen Brut­to­mo­nats­ver­gü­tung rich­tet und hier­von bestimm­te Ent­gelt­be­stand­tei­le aus­neh­men oder, dass der Durch­schnitt des in einem Refe­renz­zeit­raum erziel­ten monat­li­chen Arbeits­ein­kom­mens maß­ge­bend sein soll. Sol­che Berech­nungs­va­ri­an­ten bezwe­cken, den Aus­gleich oder die Abmil­de­rung der zu erwar­ten­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le eines Arbeits­platz­ver­lus­tes nicht an den Zufäl­lig­kei­ten des jewei­li­gen Ent­gelt­be­zugs aus­zu­rich­ten.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2017 – 1 AZR 137/​15

  1. BAG 17.11.2015 – 1 AZR 881/​13, Rn. 13 mwN[]
  2. vgl. BAG 28.01.2009 – 4 ABR 92/​07, Rn. 41 mwN, BAGE 129, 238[]
  3. BAG 8.12 2015 – 1 AZR 595/​14, Rn. 17, BAGE 153, 333[]
  4. BAG 22.09.2009 – 1 AZR 316/​08, Rn. 16, BAGE 132, 132[]