Aus­le­gung pro­zes­sua­ler Wil­lens­er­klä­run­gen

Maß­ge­bend für die Aus­le­gung pro­zes­sua­ler Wil­lens­er­klä­run­gen sind die für Wil­lens­er­klä­run­gen des Bür­ger­li­chen Rechts ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze.

Aus­le­gung pro­zes­sua­ler Wil­lens­er­klä­run­gen

Ent­spre­chend § 133 BGB ist nicht am buch­stäb­li­chen Sinn des in der Pro­zess­erklä­rung gewähl­ten Aus­drucks zu haf­ten, viel­mehr ist der in der Erklä­rung ver­kör­per­te Wil­le zu ermit­teln. Im Zwei­fel sind pro­zes­sua­le Wil­lens­er­klä­run­gen so aus­zu­le­gen, dass das gewollt ist, was aus Sicht der Pro­zess­par­tei nach den Maß­stä­ben der Rechts­ord­nung ver­nünf­tig ist und der wohl­ver­stan­de­nen Inter­es­sen­la­ge ent­spricht.

Dabei sind die schutz­wür­di­gen Belan­ge des Pro­zess­geg­ners zu berück­sich­ti­gen 1.

Das Revi­si­ons­ge­richt hat pro­zes­sua­le Wil­lens­er­klä­run­gen selb­stän­dig aus­zu­le­gen.

Danach war der Kla­ge­an­trag in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall dahin aus­zu­le­gen, dass der Klä­ger die Fest­stel­lung des Fort­be­stands sei­nes Arbeits­ver­hält­nis­ses mit der Beklag­ten zu unver­än­der­ten ver­trag­li­chen Bedin­gun­gen über den 31.03.2011 hin­aus begehrt und nicht etwa die Fest­stel­lung, dass sein Arbeits­ver­hält­nis zum 1.04.2011 nicht nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB von der Beklag­ten auf die F über­ge­gan­gen ist. Hier­für spricht schon der unmiss­ver­ständ­li­che Wort­laut des Antrags. Eine Aus­le­gung des Kla­ge­an­trags als nega­ti­ve "Betriebs­über­gangs-Fest­stel­lungs­kla­ge" wür­de auch nicht der wohl­ver­stan­de­nen Inter­es­sen­la­ge des Klä­gers ent­spre­chen. Ein Kla­ge­an­trag, mit dem ledig­lich das Ziel ver­folgt wür­de fest­zu­stel­len, dass kein Über­gang des Arbeits­ver­hält­nis­ses infol­ge eines Betriebs­über­gangs von der beklag­ten (alten) Arbeit­ge­be­rin auf die Betriebs­über­neh­me­rin statt­ge­fun­den hat, wäre unzu­läs­sig. Er wäre nicht auf die Fest­stel­lung eines fest­stel­lungs­fä­hi­gen Rechts­ver­hält­nis­ses iSv. § 256 Abs. 1 ZPO gerich­tet 2. Zwar muss sich ein Fest­stel­lungs­an­trag nicht not­wen­dig auf ein Rechts­ver­hält­nis als Gan­zes bezie­hen, son­dern kann sich auch auf Teil­rechts­ver­hält­nis­se, etwa auf ein­zel­ne Bezie­hun­gen oder Fol­gen aus einem Rechts­ver­hält­nis, auf bestimm­te Ansprü­che oder Ver­pflich­tun­gen beschrän­ken. Blo­ße Ele­men­te oder Vor­fra­gen eines Rechts­ver­hält­nis­ses, wozu auch die Fra­ge gehört, ob es zu einem Über­gang des Arbeits­ver­hält­nis­ses infol­ge eines Betriebs­über­gangs gekom­men ist oder nicht, kön­nen jedoch nicht zum Gegen­stand eines Fest­stel­lungs­an­trags gemacht wer­den 3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 25. Janu­ar 2018 – 8 AZR 309/​16

  1. vgl. etwa BAG 15.09.2016 – 8 AZR 351/​15, Rn.20; 7.07.2015 – 10 AZR 416/​14, Rn. 18, BAGE 152, 108; 2.09.2014 – 3 AZR 951/​12, Rn. 34[]
  2. vgl. BAG 22.07.2003 – 1 AZR 575/​02, zu III 1 b bb der Grün­de; 16.05.2002 – 8 AZR 320/​01, zu B II 1 der Grün­de[]
  3. zum fest­stel­lungs­fä­hi­gen Rechts­ver­hält­nis iSv. § 256 Abs. 1 ZPO vgl. BAG 28.03.2017 – 1 ABR 40/​15, Rn. 16 mwN; 21.03.2017 – 7 AZR 222/​15, Rn. 15[]