Aus­le­gung von Pro­zess­er­klä­run­gen

Pro­zess­er­klä­run­gen sind nach den für Wil­lens­er­klä­run­gen des Bür­ger­li­chen Rechts ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen aus­zu­le­gen. Die Pro­zess­par­tei darf nicht am buch­stäb­li­chen Sinn ihrer Wort­wahl fest­ge­hal­ten wer­den.

Aus­le­gung von Pro­zess­er­klä­run­gen

Für die Aus­le­gung von Pro­zess­er­klä­run­gen sind die für Wil­lens­er­klä­run­gen des bür­ger­li­chen Rechts ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze her­an­zu­zie­hen. Daher ist ana­log § 133 BGB nicht am buch­stäb­li­chen Sinn des in der Pro­zess­er­klä­rung gewähl­ten Aus­drucks zu haf­ten, son­dern der in der Erklä­rung ver­kör­per­te Wil­le anhand der erkenn­ba­ren Umstän­de – gege­be­nen­falls in einer Gesamt­be­trach­tung meh­re­rer gleich­zei­ti­ger Erklä­run­gen – zu ermit­teln [1]. Die Pro­zess­par­tei darf nicht am buch­stäb­li­chen Sinn ihrer Wort­wahl fest­ge­hal­ten wer­den [2] . Pro­zess­er­klä­run­gen sind im Zwei­fel so aus­zu­le­gen, dass Das­je­ni­ge gewollt ist, was aus der Sicht der Pro­zess­par­tei nach den Maß­stä­ben der Rechts­ord­nung ver­nünf­tig ist und der recht ver­stan­de­nen Inter­es­sen­la­ge ent­spricht [3]. Zudem sind auch die schutz­wür­di­gen Belan­ge des Erklä­rungs­adres­sa­ten zu berück­sich­ti­gen [4]. Das ver­bie­tet es, ein­deu­ti­gen Erklä­run­gen nach­träg­lich einen Sinn zu geben, der dem Inter­es­se des Erklä­ren­den am bes­ten dient [5].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 22. Dezem­ber 2009 – 3 AZN 753/​09

  1. BGH, 14.02.2001 – XII ZB 192/​99, FamRZ 2001, 1703 – zu II 1 der Grün­de[]
  2. BGH, 02.07.2004 – V ZR 290/​03, NJW-RR 2005, 371 – zu II a der Grün­de mwN[]
  3. BAG, 12.12.2006 – 3 AZR 716/​05, AP BetrAVG § 1 Berech­nung Nr. 32 = EzA BetrAVG § 1 Nr. 88 – Rn. 17[]
  4. vgl. BGH, 11.07.2003 – V ZR 233/​01, NJW 2003, 3203 – zu II der Grün­de[]
  5. vgl. Zöller/​Greger ZPO 27. Aufl. vor § 128 Rn. 25[]