Außer­or­dent­li­che betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen nach Kün­di­gungs­ver­zicht

Die vom Arbeit­ge­ber aus­ge­spro­che­nen außer­or­dent­li­chen betriebs­be­ding­ten Kün­di­gun­gen sind auch bei dro­hen­der Insol­venz des Arbeit­ge­bers rechts­un­wirk­sam, wenn zu einem frü­he­ren Zeit­punkt ein Kün­di­gungs­ver­zicht ver­ein­bart wur­de.

Außer­or­dent­li­che betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen nach Kün­di­gungs­ver­zicht

In dem hier vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Fall eines Kran­ken­hau­ses in kirch­li­cher Trä­ger­schaft sah eine Dienst­ver­ein­ba­rung als Gegen­leis­tung für den Ver­zicht auf das Weih­nachts­geld den Ver­zicht auf ordent­li­che betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen bis zum 31.12.2011 vor. Die Arbeit­ge­be­rin hat­te vor­ge­tra­gen, auf­grund einer uner­war­tet hohen Tarif­stei­ge­rung ab dem Jahr 2011 habe sie im Janu­ar 2011 zur Abwen­dung einer dro­hen­den Insol­venz 121 außer­or­dent­li­che betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen aus­spre­chen müs­sen. Der Aus­spruch der Kün­di­gun­gen erfolg­te nach Abschluss einer Aus­wahl­richt­li­nie und eines Sozi­al­plans mit der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung.

Eben­so wie in der Vor­in­stanz das Arbeits­ge­richt Duis­burg hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf den Kün­di­gungs­schutz­kla­gen statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist davon aus­ge­gan­gen, dass die Rech­te der Beschäf­tig­ten aus der Dienst­ver­ein­ba­rung, d.h. der Kün­di­gungs­ver­zicht, jeden­falls als Gesamt­zu­sa­ge indi­vi­du­al­ver­trag­lich wei­ter wirk­sam waren. Die­se Rech­te wur­den durch den Abschluss der nach­fol­gen­den Aus­wahl­richt­li­nie und des Sozi­al­plans nicht auf­ge­ho­ben. Auch einen Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf nicht ange­nom­men. Den Anfor­de­run­gen an eine außer­or­dent­li­che betriebs­be­ding­te Kün­di­gung genüg­te der Sach­vor­trag der Arbeit­ge­be­rin nicht. Hier­bei hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt u.a. berück­sich­tigt, dass der Kün­di­gungs­ver­zicht bereits in Kennt­nis einer schwie­ri­gen wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on ver­ein­bart wor­den war. Es reich­te eben­so nicht aus, dass die Bank des Bis­tums nur bei Aus­spruch der Kün­di­gun­gen bereit gewe­sen sei, die Kre­dit­li­nie zu erhö­hen.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Urtei­le vom 23.11.2011 – 12 Sa 926/​11, 12 Sa 928/​11, 12 Sa 946/​11, 12 Sa 982/​11, 12 Sa 1079/​11 und 12 Sa 1164/​11