Außer­or­dent­li­che Kün­di­gung eines Betriebs­rats­mit­glieds

Nach § 15 Abs. 1 KSchG ist die Kün­di­gung eines Mit­glieds des Betriebs­rats unzu­läs­sig, wenn nicht Tat­sa­chen vor­lie­gen, die den Arbeit­ge­ber zur Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund ohne Ein­hal­tung einer Kün­di­gungs­frist berech­ti­gen, und die nach § 103 BetrVG erfor­der­li­che Zustim­mung des Betriebs­rats vor­liegt oder durch gericht­li­che Ent­schei­dung ersetzt ist.

Außer­or­dent­li­che Kün­di­gung eines Betriebs­rats­mit­glieds

Liegt der wich­ti­ge Grund, der dem Arbeit­ge­ber im Sin­ne von § 15 Abs. 1 KSchG, § 626 Abs. 1 BGB die Fort­set­zung des Arbeits­ver­hält­nis­ses unzu­mut­bar macht, in einem Ver­hal­ten des Betriebs­rats­mit­glieds, muss die­ses sich als Ver­let­zung von Pflich­ten aus dem Arbeits­ver­hält­nis dar­stel­len. Ist dem Betriebs­rats­mit­glied aus­schließ­lich eine Amts­pflicht­ver­let­zung vor­zu­wer­fen, ist nur ein Aus­schluss­ver­fah­ren nach § 23 Abs. 1 BetrVG mög­lich. Eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung kommt dage­gen in Betracht, wenn in dem frag­li­chen Ver­hal­ten zugleich eine Ver­trags­pflicht­ver­let­zung zu sehen ist. In sol­chen Fäl­len ist an die Berech­ti­gung der frist­lo­sen Ent­las­sung aller­dings ein „stren­ge­rer“ Maß­stab anzu­le­gen als bei einem Arbeit­neh­mer, der dem Betriebs­rat nicht ange­hört 1.

Ein bestimm­tes Ver­hal­ten ist aus­schließ­lich eine Amts­pflicht­ver­let­zung, wenn das Betriebs­rats­mit­glied ledig­lich kol­lek­tiv­recht­li­che Pflich­ten ver­letzt hat. Ver­stößt das Betriebs­rats­mit­glied statt­des­sen gegen eine für alle Arbeit­neh­mer glei­cher­ma­ßen gel­ten­de ver­trag­li­che Pflicht, liegt – zumin­dest auch – eine Ver­trags­pflicht­ver­let­zung vor 2.

Kommt danach eine Ver­trags­pflicht­ver­let­zung in Betracht, ist für die Beur­tei­lung, ob Tat­sa­chen vor­lie­gen, die den Arbeit­ge­ber iSv. § 15 Abs. 1 KSchG aus wich­ti­gem Grund zur Kün­di­gung berech­ti­gen, auf die Unzu­mut­bar­keit einer Wei­ter­be­schäf­ti­gung bis zum Ablauf der fik­ti­ven ordent­li­chen Kün­di­gungs­frist abzu­stel­len. Ist eine Wei­ter­be­schäf­ti­gung bis dahin zumut­bar, ist die Kün­di­gung unwirk­sam. Eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung mit not­wen­di­ger Aus­lauf­frist ist gegen­über dem durch § 15 KSchG beson­ders geschütz­ten Per­so­nen­kreis aus­ge­schlos­sen 3.

  1. BAG 05.11.2009 – 2 AZR 487/​08 – Rn. 30, AP KSchG 1969 § 15 Nr. 65 = EzA KSchG § 15 nF Nr. 64; 23.10.2008 – 2 ABR 59/​07, Rn. 19, AP BetrVG 1972 § 103 Nr. 58 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 25; jeweils mwN[]
  2. BAG 05.11.2009 – 2 AZR 487/​08, Rn. 31, AP KSchG 1969 § 15 Nr. 65 = EzA KSchG § 15 nF Nr. 64[]
  3. BAG 17.01.2008 – 2 AZR 821/​06, Rn. 25 ff., BAGE 125, 267[]