Befris­te­tes Arbeits­ver­hält­nis eines Leh­rers

Der Per­so­nal­rat hat nach den Bestim­mun­gen des Geset­zes über die Mit­be­stim­mung der Per­so­nal­rä­te – Mit­be­stim­mungs­ge­setz Schles­wig-Hol­stein – kein Mit­be­stim­mungs­recht bei der Befris­tung von Arbeits­ver­trä­gen.

Befris­te­tes Arbeits­ver­hält­nis eines Leh­rers

Die Befris­tun­gen sind nicht wegen feh­len­der Zustim­mun­gen der Per­so­nal­rä­te unwirk­sam. Die ohne Zustim­mung des Per­so­nal­rats ver­ein­bar­te Befris­tung eines Arbeits­ver­trags ist aller­dings nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Senats unwirk­sam, wenn sie nach dem maß­geb­li­chen Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz der zwin­gen­den Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats unter­fällt 1. Dies ist jedoch hier nicht der Fall. Der Per­so­nal­rat hat nach den Bestim­mun­gen des Geset­zes über die Mit­be­stim­mung der Per­so­nal­rä­te – Mit­be­stim­mungs­ge­setz Schles­wig-Hol­stein (MBG SH) – kein Mit­be­stim­mungs­recht bei der Befris­tung von Arbeits­ver­trä­gen.

Gemäß § 51 Abs. 1 Satz 1 MBG SH bestimmt der Per­so­nal­rat mit bei allen per­so­nel­len, sozia­len, orga­ni­sa­to­ri­schen und sons­ti­gen inner­dienst­li­chen Maß­nah­men, die die Beschäf­tig­ten der Dienst­stel­le ins­ge­samt, Grup­pen von ihnen oder ein­zel­ne Beschäf­tig­te betref­fen oder sich auf sie aus­wir­ken. Im Gegen­satz zum Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz und den Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zen der ande­ren Bun­des­län­der ent­hält das MBG SH kei­nen – und sei es im Sin­ne bei­spiel­haf­ter Auf­zäh­lun­gen – Kata­log mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ger Maß­nah­men. Die Vor­schrift des § 51 Abs. 1 MBG SH kon­kre­ti­siert viel­mehr den bereits in § 2 Abs. 1 MBG SH ent­hal­te­nen Grund­satz der „All­zu­stän­dig­keit“ des Per­so­nal­rats, die in Form der Mit­be­stim­mung wahr­ge­nom­men wird. Damit ist zum Aus­druck gebracht, dass die Mit­be­stim­mungs­fäl­le nicht – wie in ande­ren Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zen, die einen ent­spre­chen­den Kata­log ent­hal­ten – posi­tiv fest­zu­stel­len sind, son­dern viel­mehr im Sin­ne einer Nega­tiv­ab­gren­zung geklärt wer­den muss, ob ein bestimm­ter Sach­ver­halt (aus­nahms­wei­se) nicht der Mit­be­stim­mung unter­liegt. Ent­spre­chend dem in der Begrün­dung zum Ent­wurf des MBG SH wie­der­ge­ge­be­nen Ansatz des Lan­des­ge­setz­ge­bers erge­ben sich Ein­schrän­kun­gen der All­zu­stän­dig­keit aus den Ein­zel­vor­schrif­ten des Geset­zes selbst, aus dem Vor­rang ande­rer Rechts­vor­schrif­ten, aus den im Gesetz ver­wen­de­ten Tat­be­stands­merk­ma­len, deren Defi­ni­ti­on durch eine Viel­zahl von höchst­rich­ter­li­chen Ent­schei­dun­gen geklärt ist, und aus dem gesetz­li­chen Auf­trag des Per­so­nal­rats 2.

Befris­tungs­ab­re­den fal­len nicht unter die mit­be­stim­mungs­recht­li­che All­zu­stän­dig­keit des Per­so­nal­rats nach § 2 Abs. 1, § 51 Abs. 1 Satz 1 MBG SH 3.

Hier­für spricht zunächst der Wort­laut von § 2 Abs. 1, § 51 Abs. 1 Satz 1 MBG SH, in wel­chen als Bezug der Mit­be­stim­mung „Maß­nah­men“ genannt sind. „Maß­nah­me“ meint umgangs­sprach­lich kei­ne Ver­ein­ba­rung oder Abre­de, son­dern eine „Hand­lung, Rege­lung o.Ä., die etw. Bestimm­tes bewir­ken soll“. Sinn­ver­wand­te Wör­ter sind „Akti­on, Hand­lung, Mit­tel, Schritt, Tat“ und deu­ten auf einen ein­sei­ti­gen Gestal­tungs­akt. Aller­dings ist der sprach­li­che Gebrauch bei der Rege­lung der Mit­be­stim­mungs­tat­be­stän­de in ande­ren Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zen und ins­be­son­de­re in den lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen, die eine Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats bei Befris­tun­gen aus­drück­lich regeln bzw. gere­gelt haben, nicht ein­heit­lich: So ist die Befris­tung auf­ge­führt beim Kata­log der „Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten“ (§ 72 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 LPVG Nord­rhein-West­fa­len 4), der „per­so­nel­len Ein­zel­maß­nah­men“ (§ 78 Abs. 2 Nr. 2 LPVG Rhein­land-Pfalz) oder der „per­so­nel­len Ange­le­gen­hei­ten“ (§ 63 Abs. 1 Nr. 4 LPVG Bran­den­burg 5).

Sinn und Zweck der kol­lek­ti­ven Betei­li­gung des Per­so­nal­rats an Maß­nah­men der Dienst­stel­le schlie­ßen zwar – wie § 72 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 LPVG Nord­rhein-West­fa­len 4, § 78 Abs. 2 Nr. 2 LPVG Rhein­land-Pfalz und § 63 Abs. 1 Nr. 4 LPVG Bran­den­burg bele­gen – ein Mit­be­stim­mungs­recht bei Befris­tungs­ab­re­den nicht von vorn­her­ein aus. Ohne eine ein­deu­ti­ge aus­drück­li­che Rege­lung spre­chen sie aber nicht für ein sol­ches Mit­be­stim­mungs­recht. Die Mit­be­stim­mungs­rech­te der Per­so­nal­ver­tre­tun­gen die­nen vor allem der Begren­zung sowie Kon­trol­le von ein­sei­tig-gestal­ten­den Ent­schei­dun­gen des Arbeit­ge­bers im Sin­ne eines Rechts auf Teil­ha­be am ver­wal­tungs­in­ter­nen Ent­schei­dungs­ver­fah­ren 6. Auch bei per­so­nel­len Ein­zel­maß­nah­men hat die Mit­be­stim­mung regel­mä­ßig einen kol­lek­ti­ven Bezug und ist typi­scher­wei­se kein Instru­ment zur umfas­sen­den Ver­trags­kon­trol­le 7. Der Arbeits­ver­trag unter­liegt, soweit nicht Rechts­vor­schrif­ten oder tarif­li­che Rege­lun­gen sei­nen Inhalt unmit­tel­bar fest­le­gen, der Ver­ein­ba­rung der Ver­trags­par­tei­en. Deren Gestal­tungs­frei­heit soll durch Mit­be­stim­mung nicht ein­ge­engt wer­den 8.

Ent­ste­hungs­ge­schich­te und Geset­zes­be­grün­dung des MBG SH geben kei­ne Anhalts­punk­te für eine ent­ge­gen­ste­hen­de Sicht­wei­se.

Im Gegen­satz zu der mit dem MBG SH vom 11. Dezem­ber 1990 9 ein­ge­führ­ten All­zu­stän­dig­keit ent­hielt das am 1. Febru­ar 1974 in Kraft getre­te­ne und vor­mals gel­ten­de Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz für das Land Schles­wig-Hol­stein 10 einen Betei­li­gungs­ka­ta­log für den Per­so­nal­rat. Hin­ter die­sem woll­te der Lan­des­ge­setz­ge­ber offen­sicht­lich nicht zurück­blei­ben. Nach die­sem Kata­log war eine Mit­be­stim­mung oder Mit­wir­kung bei Befris­tungs­ab­re­den aber nicht gere­gelt.

In Anleh­nung an die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts 11 bezeich­net die Geset­zes­ent­wurfs­be­grün­dung zu § 51 MBG SH als Maß­nah­me „eine Rege­lung …, die sich auf die Beschäf­tig­ten aus­wirkt oder sie betrifft. Die Maß­nah­me muß auf eine Ver­än­de­rung des bestehen­den Zustan­des abzie­len. Nach der Durch­füh­rung der Maß­nah­me müs­sen das Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis oder die Arbeits­be­din­gun­gen eine Ände­rung erfah­ren haben“ 12. Von einer Maß­nah­me im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Sinn ist also dann aus­zu­ge­hen, wenn es sich um eine den Rechts­stand des oder der Bediens­te­ten betref­fen­de, gestal­ten­de Hand­lung oder Ent­schei­dung han­delt. Die Befris­tung eines Arbeits­ver­hält­nis­ses beruht auf kei­nem gestal­ten­den oder, wie bei der Ein­grup­pie­rung, norm­voll­zie­hen­den Akt, son­dern auf einer – und sei es unwirk­sa­men – Ver­ein­ba­rung.

In der Geset­zes­ent­wurfs­be­grün­dung ist fer­ner ange­führt, dass es in den Fäl­len, in denen durch Rechts­vor­schrif­ten unmit­tel­ba­re Rechts­wir­kun­gen ein­trä­ten, kei­ne Mit­be­stim­mung gebe. Hier habe die Dienst­stel­le kei­nen Ent­schei­dungs­spiel­raum und dür­fe auf ein abwei­chen­des Votum des Per­so­nal­rats ohne­hin nicht ein­ge­hen. Das auf „Teil­ha­be an einer Ent­schei­dung“ aus­ge­rich­te­te Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren wäre sinn­los 13. Eine Befris­tungs­ab­re­de betrifft kei­ne Ent­schei­dung der Dienst­stel­le, son­dern eine ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung zwi­schen Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer. Ihre (Un-)Wirksamkeit folgt unmit­tel­bar aus den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten des TzB­fG. Auch dies spricht dage­gen, eine Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats nach § 2 Abs. 1, § 51 Abs. 1 Satz 1 MBG SH bei Befris­tungs­ab­re­den anzu­neh­men.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 6. Okto­ber 2010 – 7 AZR 397/​09

  1. vgl. BAG 13.06.2007 – 7 AZR 287/​06, Rn. 19 mwN, AP TzB­fG § 17 Nr. 7 = EzA TzB­fG § 14 Nr. 39[]
  2. Schles­wig-Hol­stei­ni­scher Land­tag Drucks. 12/​996 S. 71 [zu § 2 Abs. 1 MBG SH][]
  3. eben­so für die in § 52 Abs. 1, § 63 Abs. 2, § 65 Abs. 3, § 66 Abs. 3 LPVG Bre­men aus­ge­drück­te All­zu­stän­dig­keit des Per­so­nal­rats [kein Mit­be­stim­mungs­recht bei Befris­tung und Teil­zeit­be­schäf­ti­gung]: BVerwG 17.08.1989 – 6 P 11.87, BVerw­GE 82, 288; aA Kai­ser in: Richardi/​Dörner/​Weber Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht 3. Aufl. § 75 Rn. 29; Plan­der PersR 2006, 54, 56; ders. Anm. zu AP LPVG NW § 72 Nr. 9; wohl auch Raedel PersR 2000, 5, 6[]
  4. in der bis zum 16.10.2007 gel­ten­den Fas­sung[][]
  5. dort in der Über­schrift aber auch „per­so­nel­le Maß­nah­men[]
  6. vgl. zB BVerwG 15.03.1995 – 6 P 31.93, BVerw­GE 98, 77[]
  7. vgl. zum Mit­be­stim­mungs­recht des Betriebs­rats bei Ein­stel­lun­gen BAG 21.07.2009 – 1 ABR 35/​08, Rn. 21 mwN, AP AÜG § 3 Nr. 4 = EzA BetrVG 2001 § 99 Ein­stel­lung Nr. 12; für den Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand der Ein­stel­lung nach § 67 Abs. 1 Nr. 1 LPVG Sach­sen-Anhalt: BVerwG 22.10.2007 – 6 P 1.07 – Rn. 24 mwN, NZA-RR 2008, 223[]
  8. für den Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand der Ein­stel­lung nach § 87 Nr. 1 LPVG Ber­lin: BVerwG 15.11.1995 – 6 P 53.93, AP LPVG Ber­lin § 87 Nr. 4[]
  9. GVOBl. Schl.-H. S. 577[]
  10. Neu­fas­sung vom 22. Febru­ar 1982 GVOBl. Schl.-H. S. 41[]
  11. vgl. z.B. BVerwG 29.01.2003 – 6 P 16.01, mwN, AP Mit­bestG Schles­wig-Hol­stein § 51 Nr. 3[]
  12. Schles­wig-Hol­stei­ni­scher Land­tag Drucks. 12/​996 S. 107; vgl. auch Dona­lies/Hüb­ner-Ber­ger MBG Schl.-H. Stand Dezem­ber 2009 § 51 Erl. 1.3[]
  13. vgl. Schles­wig-Hol­stei­ni­scher Land­tag Drucks. 12/​996 S. 108[]