Befris­tung ohne Sach­grund – und der Man­tel­rah­men­ta­rif­ver­trag für das Bewa­chungs­ge­wer­be

Die Befris­tung ist zwar nicht nach § 14 Abs. 2 Satz 1 TzB­fG gerecht­fer­tigt. Nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 1 TzB­fG ist die kalen­der­mä­ßi­ge Befris­tung eines Arbeits­ver­trags ohne Vor­lie­gen eines Sach­grun­des bis zur Dau­er von zwei Jah­ren zuläs­sig. Bis zu die­ser Gesamt­dau­er ist nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 TzB­fG die höchs­tens drei­ma­li­ge Ver­län­ge­rung des sach­grund­los befris­te­ten Arbeits­ver­trags zuläs­sig.

Befris­tung ohne Sach­grund – und der Man­tel­rah­men­ta­rif­ver­trag für das Bewa­chungs­ge­wer­be

Nach § 14 Abs. 2 Satz 3 TzB­fG kann die Anzahl der Ver­län­ge­run­gen oder die Höchst­dau­er der Befris­tung durch Tarif­ver­trag abwei­chend von § 14 Abs. 2 Satz 1 TzB­fG fest­ge­legt wer­den.

Dies ist durch Buchst. A) der Pro­to­koll­no­tiz 1 zum Man­tel­rah­men­ta­rif­ver­trag für Sicher­heits­dienst­leis­tun­gen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (MRTV Bund 2011) gesche­hen. Danach ist bei vor dem 1.04.2012 begrün­de­ten Arbeits­ver­hält­nis­sen die kalen­der­mä­ßi­ge Befris­tung des Arbeits­ver­trags ohne Vor­lie­gen eines sach­li­chen Grun­des bis zur Dau­er von 42 Mona­ten und bis zu die­ser Gesamt­dau­er die höchs­tens vier­ma­li­ge Ver­län­ge­rung eines kalen­der­mä­ßig befris­te­ten Arbeits­ver­trags zuläs­sig. Die­se tarif­li­che Rege­lung ist wirk­sam. Die Arbeit­ge­be­rin kann die Befris­tung auch auf die­se Tarif­be­stim­mung stüt­zen, wenn die Par­tei­en die Gel­tung von Buchst. A) der Pro­to­koll­no­tiz 1 zum MRTV Bund 2011 wirk­sam ver­ein­bart haben (§ 14 Abs. 2 Satz 4 TzB­fG) und die Vor­aus­set­zun­gen der Tarif­be­stim­mun­gen vor­lie­gen.

Wirk­sam­keit der Tarif­be­stim­mung[↑]

Die tarif­li­che Rege­lung in Buchst. A) der Pro­to­koll­no­tiz 1 zum MRTV Bund 2011 ist wirk­sam. Sie ist von der den Tarif­ver­trags­par­tei­en durch § 14 Abs. 2 Satz 3 TzB­fG eröff­ne­ten Rege­lungs­be­fug­nis gedeckt.

Der Wirk­sam­keit der Tarif­be­stim­mung steht nicht ent­ge­gen, dass sowohl die Höchst­dau­er der Befris­tung als auch die Anzahl der Ver­län­ge­run­gen abwei­chend von § 14 Abs. 2 Satz 1 TzB­fG gere­gelt sind. Nach § 14 Abs. 2 Satz 3 TzB­fG kön­nen durch Tarif­ver­trag nicht nur ent­we­der die Höchst­dau­er der Befris­tung oder die Anzahl der Ver­län­ge­run­gen sach­grund­los befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge, son­dern kumu­la­tiv bei­de Vor­ga­ben abwei­chend von § 14 Abs. 2 Satz 1 TzB­fG gere­gelt wer­den 1.

Die Fest­le­gung einer Höchst­be­fris­tungs­dau­er von 42 Mona­ten bei vier­ma­li­ger Ver­län­ge­rungs­mög­lich­keit für sach­grund­lo­se Befris­tun­gen in Buchst. A) der Pro­to­koll­no­tiz 1 zum MRTV Bund 2011 hält sich im Rah­men der Rege­lungs­be­fug­nis der Tarif­ver­trags­par­tei­en 2. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann durch Tarif­ver­trag gere­gelt wer­den, dass die sach­grund­lo­se Befris­tung eines Arbeits­ver­trags bis zur Dau­er von sechs Jah­ren und bis zu die­ser Gesamt­dau­er die bis zu neun­ma­li­ge Ver­län­ge­rung eines sach­grund­los befris­te­ten Arbeits­ver­trags zuläs­sig ist. Inner­halb die­ses Gestal­tungs­rah­mens kön­nen die Tarif­ver­trags­par­tei­en die Höchst­dau­er und die Anzahl der Ver­trags­ver­län­ge­run­gen abwei­chend von § 14 Abs. 2 Satz 1 TzB­fG fest­le­gen, ohne dass es inso­weit einer beson­de­ren Prü­fung der bran­chen­ty­pi­schen Beson­der­hei­ten bedarf 3.

Wirk­sa­me Ein­be­zie­hung in den Arbeits­ver­trag[↑]

Die Arbeit­ge­be­rin kann die Befris­tung des Arbeits­ver­trags zum 26.07.2014 auf Buchst. A) der Pro­to­koll­no­tiz 1 zum MRTV Bund 2011 stüt­zen. Die­se Tarif­re­ge­lung fin­det auf das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en Anwen­dung.

Die Par­tei­en haben die Anwen­dung des MRTV Bund 2011 und damit auch der Pro­to­koll­no­tiz 1 nach § 14 Abs. 2 Satz 4 TzB­fG ein­zel­ver­trag­lich wirk­sam ver­ein­bart.

Die Par­tei­en haben bei Abschluss der streit­be­fan­ge­nen Befris­tungs­ab­re­de vom 23.06.2013 – wie bereits bei Abschluss des ers­ten Ver­län­ge­rungs­ver­trags vom 18./19.06.2012 – ver­ein­bart, dass die wei­te­ren Ver­trags­in­hal­te im Arbeits­ver­trag vom 25.07.2011 Gül­tig­keit behal­ten. Dazu gehört die Ver­trags­be­stim­mung in Nr. 3, wonach die Ein­stel­lung – vor­be­halt­lich arbeits­ver­trag­li­cher Abspra­chen – auf der Grund­la­ge der jeweils gül­ti­gen Man­tel- und Man­tel­rah­men­ta­rif­ver­trä­ge für das Wach- und Sicher­heits­ge­wer­be erfolgt.

Die­se dyna­mi­sche Bezug­nah­me­klau­sel erfasst den MRTV Bund 2011 ein­schließ­lich der Pro­to­koll­no­tiz 1, die am 1.04.2012 in Kraft getre­ten ist und bei Abschluss der letz­ten Ver­län­ge­rungs­ab­re­de am 23.06.2013 galt. Die Aus­le­gung der Ver­trags­be­stim­mung in Nr. 3 des Arbeits­ver­trags vom 25.07.2011 ergibt, dass die Par­tei­en die Anwen­dung sowohl des jeweils gül­ti­gen (bun­des­weit gel­ten­den) Man­tel­rah­men­ta­rif­ver­trags als auch des jeweils gül­ti­gen auf Lan­des­ebe­ne abge­schlos­se­nen Man­tel­ta­rif­ver­trags für das Wach- und Sicher­heits­ge­wer­be ver­ein­bart haben. Damit ist auch die Anwen­dung von Buchst. A) der Pro­to­koll­no­tiz 1 zum MRTV Bund 2011 auf das Arbeits­ver­hält­nis ver­trag­lich ver­ein­bart. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ver­blei­ben kei­ne "erheb­li­chen Zwei­fel" an die­ser Aus­le­gung iSv. § 305c Abs. 2 BGB.

In dem hier ent­schie­de­nen Fall ent­hält der Arbeits­ver­trag All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen. Die­se sind nach ihrem objek­ti­ven Inhalt und typi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von ver­stän­di­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern unter Abwä­gung der Inter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wobei nicht die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zugrun­de zu legen sind 4. Ansatz­punkt für die nicht am Wil­len der jewei­li­gen Ver­trags­part­ner zu ori­en­tie­ren­de Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Linie der Ver­trags­wort­laut. Ist die­ser nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver­trags­text aus Sicht der typi­scher­wei­se an Geschäf­ten die­ser Art betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen ist, wobei der Ver­trags­wil­le ver­stän­di­ger und red­li­cher Ver­trags­part­ner beach­tet wer­den muss 5. Die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen durch das Beru­fungs­ge­richt unter­liegt einer unein­ge­schränk­ten revi­si­ons­recht­li­chen Nach­prü­fung 6.

Danach haben die Par­tei­en mit der Rege­lung in Nr. 3 des Arbeits­ver­trags vom 25.07.2011 ver­ein­bart, dass die jeweils gül­ti­gen Man­tel- und Man­tel­rah­men­ta­rif­ver­trä­ge für das Wach- und Sicher­heits­ge­wer­be neben­ein­an­der auf das Arbeits­ver­hält­nis Anwen­dung fin­den.

Die­sem Ver­ständ­nis steht nicht ent­ge­gen, dass es in Nr. 3 Satz 1 des Arbeits­ver­trags heißt, "die Ein­stel­lung" erfol­ge "auf der Grund­la­ge der jeweils gül­ti­gen Man­tel- und Man­tel­rah­men­ta­rif­ver­trä­ge". Bereits die Über­schrift der Ver­trags­be­stim­mung "Ein­be­zie­hung von Tarif­ver­trä­gen" macht deut­lich, dass die genann­ten Tarif­ver­trä­ge in Bezug genom­men sind und auf das Arbeits­ver­hält­nis Anwen­dung fin­den sol­len. Auch die wei­te­ren Pas­sa­gen der Ver­trags­be­stim­mung zu nach­wir­ken­den Tarif­ver­trä­gen und Tarif­ver­trä­gen "ent­spre­chen­den Inhalts" spre­chen für die­ses Ver­ständ­nis. Inso­weit ist aus­drück­lich ange­ord­net, dass die­se Tarif­ver­trä­ge "gel­ten".

Die Rege­lung in Nr. 3 des Arbeits­ver­trags ist so zu ver­ste­hen, dass die jeweils gül­ti­gen Man­tel- und Man­tel­rah­men­ta­rif­ver­trä­ge für das Wach- und Sicher­heits­ge­wer­be neben­ein­an­der auf das Arbeits­ver­hält­nis anwend­bar sind.

Bereits der Wort­laut von Nr. 3 Satz 1 des Arbeits­ver­trags spricht für die­ses Ver­ständ­nis. Die Tarif­ver­trags­par­tei­en des Wach- und Sicher­heits­ge­wer­bes ver­wen­den für die Tarif­ver­trä­ge auf den ver­schie­de­nen "Ebe­nen" unter­schied­li­che Bezeich­nun­gen – "Man­tel­rah­men­ta­rif­ver­trag" auf Bun­des­ebe­ne, "Man­tel­ta­rif­ver­trag" auf Lan­des­ebe­ne. Die Bestim­mung in Nr. 3 Satz 1 des Arbeits­ver­trags ver­wen­det den Plu­ral die­ser Bezeich­nun­gen und bestimmt durch das Wort "und", dass bei­de neben­ein­an­der gel­ten sol­len.

Die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis ent­spricht dem Ver­hält­nis von Man­tel­rah­men­ta­rif­ver­trag und Man­tel­ta­rif­ver­trag. Bei­de Tarif­ver­trä­ge sind von den­sel­ben Tarif­ver­trags­par­tei­en abge­schlos­sen. Die Vor­schrif­ten des bun­des­weit gel­ten­den Man­tel­rah­men­ta­rif­ver­trags bil­den in Bezug auf die in ihm ent­hal­te­nen Rege­lungs­ge­gen­stän­de den Rah­men, der durch geson­der­te Rege­lun­gen im Man­tel­ta­rif­ver­trag auf Lan­des­ebe­ne ergänzt und näher aus­ge­stal­tet wird. So regelt der MTV NRW 2006 inner­halb des durch den MRTV Bund vor­ge­ge­be­nen Rah­mens wei­te­re Ein­zel­hei­ten der Arbeits­be­din­gun­gen, für die der MRTV Bund Raum lässt. Der MRTV Bund 2011 ver­weist zB in § 2 Nr. 3.2, § 5 Abs. 2 für Rege­lungs­ge­gen­stän­de, die in ihm nicht abschlie­ßend gere­gelt sind, auf die Bestim­mun­gen des jewei­li­gen län­der­spe­zi­fi­schen Man­tel­ta­rif­ver­trags; § 6 Nr. 2 MRTV Bund 2011 lässt im Hin­blick auf die Regel­ar­beits­zei­ten in § 6 Nr. 1.1 bis 1.8 abwei­chen­de län­der­spe­zi­fi­sche Rege­lun­gen zu. Die Tarif­ver­trä­ge haben damit einen sich ergän­zen­den Rege­lungs­in­halt. Dies gilt auch für die sowohl im MRTV Bund als auch im MTV NRW 2006 gere­gel­ten Kün­di­gungs­fris­ten. § 7 Nr. 1 MTV NRW 2006 ver­weist für die Kün­di­gungs­fris­ten auf den MRTV Bund 2005; § 7 Nr. 2 MTV NRW 2006 ent­hält eigen­stän­di­ge Bestim­mun­gen für "nach Ablauf von fünf Jah­ren des Arbeits­ver­hält­nis­ses" gel­ten­de Kün­di­gungs­fris­ten. Im MRTV Bund 2005 waren in § 2 Nr. 4 und 5 Kün­di­gungs­fris­ten nur für die ers­ten fünf Jah­re des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses gere­gelt, dar­über hin­aus war auf die län­der­spe­zi­fi­schen Rege­lun­gen ver­wie­sen. Auch im MRTV Bund 2011 fin­den sich Bestim­mun­gen hier­zu in § 2 Nr. 3; nach § 2 Nr. 3.2 gel­ten ab dem sechs­ten Jahr des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses die Kün­di­gungs­fris­ten gemäß den "län­der­spe­zi­fi­schen Tarif­ver­trä­gen". Danach trifft der MTV NRW 2006 im Bereich der Kün­di­gungs­fris­ten ledig­lich ergän­zen­de Rege­lun­gen für den Bereich, den der MRTV Bund nicht regelt oder für den der MRTV Bund auf Rege­lun­gen in "län­der­spe­zi­fi­schen Tarif­ver­trä­gen" ver­weist. Dem­zu­fol­ge ist die Bezug­nah­me­klau­sel in Nr. 3 des Arbeits­ver­trags dar­auf gerich­tet, bei­de Tarif­ver­trä­ge neben­ein­an­der auf das Arbeits­ver­hält­nis zur Anwen­dung zu brin­gen.

Vor die­sem Hin­ter­grund hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu Unrecht ange­nom­men, die ver­trag­li­che Bezug­nah­me­klau­sel las­se sich auch so aus­le­gen, dass die im MRTV Bund 2011 und im MTV NRW 2006 ent­hal­te­nen Rege­lun­gen man­gels einer Kol­li­si­ons­re­gel nur dann auf das Arbeits­ver­hält­nis zwi­schen den Par­tei­en Anwen­dung fin­den sol­len, wenn sie deckungs­gleich sind oder jeden­falls kei­nen sich wider­spre­chen­den Inhalt haben. Die­ses Ver­ständ­nis fin­det schon im Wort­laut der Bezug­nah­me­klau­sel kei­ne Stüt­ze. Die Ver­trags­be­stim­mung sieht eine sol­che Ein­schrän­kung der Bezug­nah­me auf die genann­ten Tarif­ver­trä­ge nicht vor. Zudem hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht berück­sich­tigt, dass der MRTV Bund 2011 und der MTV NRW 2006 ein­an­der ergän­zen sol­len und des­halb Nor­men­kol­li­sio­nen von vorn­her­ein ver­mie­den wer­den.

Die Bezug­nah­me­klau­sel in Nr. 3 des Arbeits­ver­trags ist nicht über­ra­schend iSd. § 305c Abs. 1 BGB, so dass sie Ver­trags­be­stand­teil gewor­den ist. Dyna­mi­sche Ver­wei­sun­gen auf ein­schlä­gi­ge Tarif­ver­trä­ge sind im Arbeits­le­ben als Gestal­tungs­in­stru­ment so ver­brei­tet, dass ihre Auf­nah­me in For­mu­lar­ver­trä­ge nicht iSd. § 305c Abs. 1 BGB über­ra­schend ist 7.

Die Bezug­nah­me­klau­sel in Nr. 3 des Arbeits­ver­trags ver­letzt nicht das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB.

Eine Ver­wei­sung auf Vor­schrif­ten eines ande­ren Rege­lungs­werks führt für sich genom­men nicht zur Intrans­pa­renz. Das Bestimmt­heits­ge­bot als maß­geb­li­che Aus­prä­gung des Trans­pa­renz­ge­bots ver­langt ledig­lich, dass die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen so genau beschrie­ben wer­den, dass für den Ver­wen­der der Klau­sel kei­ne unge­recht­fer­tig­ten Beur­tei­lungs­spiel­räu­me ent­ste­hen und der Gefahr vor­ge­beugt wird, dass der Ver­trags­part­ner von der Durch­set­zung bestehen­der Rech­te abge­hal­ten wird 8. Im Zeit­punkt der jewei­li­gen Anwen­dung müs­sen die gel­ten­den, in Bezug genom­me­nen Rege­lun­gen bestimm­bar sein 9. Das ist zur Wah­rung des Trans­pa­renz­ge­bots für Klau­seln, die auf einen bestimm­ten bzw. bestimm­ba­ren Tarif­ver­trag oder ein bestimm­tes bzw. bestimm­ba­res tarif­li­ches Regel­werk im Sin­ne einer Ein­heit aus Man­tel, Ent­gelt- und sons­ti­gen Ein­zel­ta­rif­ver­trä­gen ver­wei­sen, aus­rei­chend 10.

Eine Rege­lung, die auf einen Tarif­ver­trag ver­weist, ist weder unver­ständ­lich noch unklar. Dies gilt auch dann, wenn die Ver­wei­sung dyna­misch aus­ge­stal­tet ist. Bezug­nah­me­klau­seln auf das jeweils gül­ti­ge Tarif­recht ent­spre­chen einer übli­chen Rege­lungs­tech­nik und die­nen den Inter­es­sen bei­der Par­tei­en. Dies ergibt sich aus der Zukunfts­ge­richt­etheit des Arbeits­ver­hält­nis­ses. Nach § 2 Abs. 1 Satz 2 Nr. 10 NachwG genügt des­halb der blo­ße all­ge­mei­ne Hin­weis auf Tarif­ver­trä­ge 11. Wel­che kon­kre­ten tarif­li­chen Rege­lun­gen jeweils das Arbeits­ver­hält­nis aus­fül­len sol­len, ist von den Arbeit­neh­mern durch Ein­sicht in die Tarif­ver­trä­ge fest­stell­bar 12.

Die Bezug­nah­me­klau­sel in Nr. 3 des Arbeits­ver­trags ist danach für den Arbeit­neh­mer weder unver­ständ­lich noch unklar. Wel­che kon­kre­ten tarif­li­chen Rege­lun­gen jeweils das Arbeits­ver­hält­nis aus­fül­len sol­len, ist für ihn fest­stell­bar. Die in Bezug genom­me­nen Tarif­ver­trä­ge bestehen neben­ein­an­der und tref­fen kei­ne mit­ein­an­der unver­ein­ba­ren Bestim­mun­gen. Daher ist auch ein arbeits­ver­trag­li­cher Ver­weis auf ihre Gel­tung nicht unklar.

Die Bezug­nah­me­klau­sel ist auch nicht des­halb intrans­pa­rent, weil sie kei­ne Kol­li­si­ons­re­gel ent­hält. Zwar bedarf eine Bezug­nah­me­klau­sel, mit der meh­re­re eigen­stän­di­ge tarif­li­che Regel­wer­ke gleich­zei­tig auf das Arbeits­ver­hält­nis zur Anwen­dung gebracht wer­den sol­len, zur Gewähr­leis­tung ihrer hin­rei­chen­den Bestimmt­heit einer Kol­li­si­ons­re­gel, der sich ent­neh­men lässt, wel­ches der meh­re­ren in Bezug genom­me­nen tarif­li­chen Regel­wer­ke bei sich wider­spre­chen­den Rege­lun­gen den Vor­rang haben soll 10. Im Streit­fall ver­weist die ver­trag­li­che Bezug­nah­me­klau­sel aller­dings nicht auf Tarif­ver­trä­ge unter­schied­li­cher Koali­tio­nen. Viel­mehr han­delt es sich bei den Tarif­ver­trä­gen, die die Ver­wei­sungs­klau­sel in Bezug nimmt, um ein auf­ein­an­der abge­stimm­tes Regel­werk aus Man­tel­rah­men­ta­rif­ver­trag und Man­tel­ta­rif­ver­trag der­sel­ben Tarif­ver­trags­par­tei­en. Einer Kol­li­si­ons­re­gel bedarf es daher nicht.

Da ledig­lich der MRTV Bund, nicht jedoch der MTV NRW 2006 Rege­lun­gen zur sach­grund­lo­sen Befris­tung nach § 14 Abs. 2 Satz 3 TzB­fG ent­hält, besteht kei­ne Tarif­kon­kur­renz, die nach dem Spe­zia­li­täts­prin­zip auf­zu­lö­sen wäre 13. Eben­so wenig ergibt sich aus dem Güns­tig­keits­prin­zip, dass aus­schließ­lich die Rege­lun­gen des MTV NRW 2006 für das Arbeits­ver­hält­nis gel­ten, die eine Erwei­te­rung der sach­grund­lo­sen Befris­tungs­mög­lich­keit nach § 14 Abs. 2 Satz 3 TzB­fG nicht vor­se­hen. Es liegt kei­ne Kol­li­si­on zwi­schen kraft bei­der­sei­ti­ger Tarif­ge­bun­den­heit für das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en nor­ma­tiv gel­ten­den Tarif­be­stim­mun­gen und arbeits­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen vor, die nach dem Güns­tig­keits­prin­zip (§ 4 Abs. 3 TVG) auf­zu­lö­sen sein könn­te.

Die Par­tei­en haben die Anwen­dung des MRTV Bund 2011 in des­sen Gel­tungs­be­reich iSv. § 14 Abs. 2 Satz 4 TzB­fG ver­ein­bart 14. Nach § 1 MRTV Bund 2011 gilt die­ser für alle Betrie­be und selb­stän­di­gen Betriebs­ab­tei­lun­gen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die Sicher­heits­dienst­leis­tun­gen für Drit­te durch­füh­ren (mit Aus­nah­me von Geld- und Wert­trans­por­ten und Sicher­heits­dienst­leis­tun­gen an Ver­kehrs­flug­hä­fen), und die in die­sen Berei­chen beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer. Die Par­tei­en unter­fie­len daher bei ange­nom­me­ner beid­sei­ti­ger Tarif­ge­bun­den­heit dem räum­li­chen, fach­li­chen und per­sön­li­chen Gel­tungs­be­reich des MRTV Bund 2011.

Vor­aus­set­zun­gen der Befris­tung[↑]

Die Vor­aus­set­zun­gen für die Zuläs­sig­keit der Befris­tung nach Buchst. A) der Pro­to­koll­no­tiz 1 zum MRTV Bund 2011 sind erfüllt. Danach konn­ten befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se, die vor dem 1.04.2012 begrün­det wur­den, ohne Vor­lie­gen eines sach­li­chen Grun­des bis zur Dau­er von 42 Mona­ten befris­tet wer­den, wobei bis zu die­ser Gesamt­dau­er die höchs­tens vier­ma­li­ge Ver­län­ge­rung zuläs­sig war. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen vor. Das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en bestand vom 27.07.2011 bis zum 26.07.2014. Die Gesamt­dau­er des Arbeits­ver­hält­nis­ses von 36 Mona­ten über­schrei­tet die nach der tarif­li­chen Rege­lung zuläs­si­ge Höchst­dau­er von 42 Mona­ten nicht. Das zunächst zum 26.07.2012 befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis wur­de zwei­mal ver­län­gert.

Wirk­sa­me Befris­tung bei Alt­ver­trä­gen[↑]

Der Befris­tung steht nicht ent­ge­gen, dass die Pro­to­koll­no­tiz 1 zum MRTV Bund 2011 bei Abschluss des Aus­gangs­ver­trags am 25.07.2011 noch nicht galt, son­dern erst wäh­rend des Arbeits­ver­hält­nis­ses am 1.04.2012 in Kraft trat. Die Wirk­sam­keit einer Befris­tung rich­tet sich nach der im Zeit­punkt ihrer Ver­ein­ba­rung bestehen­den Rechts­la­ge. Das gilt auch für die in einem Ver­län­ge­rungs­ver­trag ver­ein­bar­te Befris­tung 15. Bei Abschluss der Ver­län­ge­rungs­ver­ein­ba­rung am 23.06.2013 fand Buchst. A) der Pro­to­koll­no­tiz 1 zum MRTV Bund 2011 auf das vor dem 1.04.2012 begrün­de­te, befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en Anwen­dung.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 14. Juni 2017 – 7 AZR 627/​15

  1. st. Rspr. des BAG, vgl. BAG 26.10.2016 – 7 AZR 140/​15, Rn. 16; 18.03.2015 – 7 AZR 272/​13, Rn 20 ff.; 15.08.2012 – 7 AZR 184/​11, Rn. 17 ff., BAGE 143, 10[]
  2. so bereits zur inhalts­glei­chen Rege­lung in § 2 Nr. 6 MRTV Bund 2005 BAG 15.08.2012 – 7 AZR 184/​11, Rn. 15 ff., 32, BAGE 143, 10[]
  3. vgl. hier­zu aus­führ­lich BAG 26.10.2016 – 7 AZR 140/​15, Rn. 17, 31 ff.[]
  4. BAG 9.12 2015 – 7 AZR 68/​14, Rn. 13 mwN[]
  5. BAG 14.12 2016 – 7 AZR 797/​14, Rn. 16 mwN[]
  6. vgl. BAG 14.12 2016 – 7 AZR 797/​14, Rn. 17 mwN; 20.08.2014 – 7 AZR 924/​12, Rn. 43[]
  7. BAG 26.10.2016 – 7 AZR 140/​15, Rn. 39; 23.07.2014 – 7 AZR 771/​12, Rn. 24, BAGE 148, 357; 24.09.2008 – 6 AZR 76/​07, Rn.20 mwN, BAGE 128, 73[]
  8. vgl. BAG 24.09.2008 – 6 AZR 76/​07, Rn. 30 mwN, BAGE 128, 73[]
  9. vgl. BAG 26.10.2016 – 7 AZR 140/​15, Rn. 39; 18.03.2015 – 7 AZR 272/​13, Rn. 39[]
  10. vgl. BAG 13.03.2013 – 5 AZR 954/​11, Rn. 30, BAGE 144, 306[][]
  11. vgl. BAG 18.03.2015 – 7 AZR 272/​13, Rn. 38; 24.09.2008 – 6 AZR 76/​07, Rn. 31 mwN, BAGE 128, 73[]
  12. BAG 26.10.2016 – 7 AZR 140/​15, Rn. 39[]
  13. vgl. dazu etwa BAG 19.11.2014 – 4 AZR 761/​12, Rn. 33, BAGE 150, 97[]
  14. vgl. dazu BAG 18.03.2015 – 7 AZR 272/​13, Rn. 36[]
  15. BAG 18.03.2015 – 7 AZR 272/​13, Rn. 47 mwN[]