Befris­tungs­kon­troll­kla­ge – und der Kla­ge­an­trag

Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss der Streit­ge­gen­stand so kon­kret umschrie­ben wer­den, dass der Umfang der Rechts­kraft­wir­kung für die Par­tei­en nicht zwei­fel­haft ist 1.

Befris­tungs­kon­troll­kla­ge – und der Kla­ge­an­trag

Zwar soll­te das Datum der Befris­tungs­ab­re­de neben dem streit­be­fan­ge­nen Been­di­gungs­ter­min im Kla­ge­an­trag bezeich­net wer­den, um die not­wen­di­ge Bestimmt­heit ein­deu­tig zu gewähr­leis­ten. Es genügt aber, wenn sich der Ver­trag, der die ange­grif­fe­ne Befris­tung ent­hält, im Wege der Aus­le­gung aus dem wei­te­ren Kla­ge­vor­brin­gen ergibt 2.

So ver­hielt es sich auch in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall: Zwar hat die Arbeit­neh­me­rin den Arbeits­ver­trag, des­sen Befris­tung ange­grif­fen wur­de, im Antrag nicht aus­drück­lich genannt. Sie hat jedoch bereits in der Kla­ge­schrift sowohl den Arbeits­ver­trag vom 17./19.12 2013 als auch die Ände­rungs­ver­trä­ge vom 16./17.12 2014; vom 15./20.01.2015; und vom 21./29.10.2015 benannt, in Kopie zur Akte gereicht und dazu gel­tend gemacht, dass "spä­tes­tens die letz­te, in der Ver­trags­ver­län­ge­rung vom 21.10.2015 vor­ge­nom­me­ne Befris­tung … nicht (mehr) gerecht­fer­tigt" sei. Damit hat sie hin­rei­chend deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass sie sich mit ihrer Kla­ge gegen die in dem Ände­rungs­ver­trag vom 21./29.10.2015 ver­ein­bar­te Befris­tung des Arbeits­ver­hält­nis­ses zum 31.12 2015 wen­det.

Das Thü­rin­ger Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im hier ent­schie­de­nen Fall auch zutref­fend ange­nom­men, dass allein der letz­te am 21./29.10.2015 abge­schlos­se­ne Arbeits­ver­trag der Befris­tungs­kon­trol­le unter­liegt 3.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts unter­liegt bei meh­re­ren auf­ein­an­der­fol­gen­den befris­te­ten Arbeits­ver­trä­gen grund­sätz­lich nur der letz­te Arbeits­ver­trag der Befris­tungs­kon­trol­le. Aus­nahms­wei­se ist der vor­letz­te Arbeits­ver­trag der Befris­tungs­kon­trol­le zu unter­zie­hen, wenn es sich bei dem nach­fol­gen­den – letz­ten – Arbeits­ver­trag um einen unselb­stän­di­gen Annex zum vor­he­ri­gen Ver­trag han­delt. Von einem Annex ist aller­dings nicht schon dann aus­zu­ge­hen, wenn der letz­te und der vor­letz­te Ver­trag in den Ver­trags­be­din­gun­gen über­ein­stim­men und auch die zu erfül­len­de Arbeits­auf­ga­be die glei­che bleibt. Es müs­sen viel­mehr beson­de­re Umstän­de hin­zu­kom­men. Die­se lie­gen vor, wenn der Anschluss­ver­trag ledig­lich eine ver­hält­nis­mä­ßig gering­fü­gi­ge Kor­rek­tur des im frü­he­ren Ver­trag ver­ein­bar­ten End­zeit­punkts betrifft, die­se Kor­rek­tur sich am Sach­grund für die Befris­tung des frü­he­ren Ver­trags ori­en­tiert und allein in der Anpas­sung der ursprüng­lich ver­ein­bar­ten Ver­trags­zeit an spä­ter ein­tre­ten­de, zum Zeit­punkt des vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­trags­ab­schlus­ses nicht vor­her­seh­ba­re Umstän­de besteht. Alles in allem darf es den Par­tei­en nur dar­um gegan­gen sein, die Lauf­zeit des alten Ver­trags mit dem Sach­grund der Befris­tung in Ein­klang zu brin­gen 4.

Danach unter­lag auch im vor­lie­gen­den Fall nur der letz­te Arbeits­ver­trag der Par­tei­en der Befris­tungs­kon­trol­le. Bei dem letz­ten Arbeits­ver­trag han­delt es sich nicht um einen unselb­stän­di­gen Annex zu den frü­he­ren Arbeits­ver­trä­gen. Den Par­tei­en ging es mit der Ver­trags­ver­län­ge­rung nicht um eine am Sach­grund für die Befris­tung des frü­he­ren Ver­trags ori­en­tier­te Anpas­sung des Ver­trags­en­des an erst spä­ter ein­ge­tre­te­ne, zum Zeit­punkt des vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­trags­schlus­ses nicht vor­her­seh­ba­re Umstän­de. Viel­mehr beruht die Befris­tung auf einer neu­en Pro­gno­se­ent­schei­dung des Arbeit­ge­bers.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 21. August 2019 – 7 AZR 572/​17

  1. BAG 27.07.2016 – 7 ABR 16/​14, Rn. 13 mwN[]
  2. vgl. BAG 23.01.2019 – 7 AZR 733/​16, Rn. 9; 15.05.2012 – 7 AZR 6/​11, Rn. 9; 20.01.2010 – 7 AZR 542/​08, Rn. 9[]
  3. Thür.LAG 18.10.2017 – 6 Sa 287/​16[]
  4. vgl. BAG 23.05.2018 – 7 AZR 875/​16, Rn. 15, BAGE 163, 16; 24.02.2016 – 7 AZR 182/​14, Rn. 21; 6.10.2010 – 7 AZR 397/​09, Rn. 13, BAGE 136, 17; 25.03.2009 – 7 AZR 34/​08, Rn. 9 mwN[]