Bei­trags­pflicht zu den Sozi­al­kas­sen des Bau­ge­wer­bes – Ver­fall und Verjährung

Ver­fall und Ver­jäh­rung der Bei­trags­an­sprü­che der Sozi­al­kas­sen des Bau­ge­wer­bes rich­ten sich nach § 24 Abs. 1 und 4 VTV 2009 und VTV 2011. Die Ver­fall- und die Ver­jäh­rungs­frist betra­gen danach vier Jah­re; § 199 BGB ist anzuwenden.

Bei­trags­pflicht zu den Sozi­al­kas­sen des Bau­ge­wer­bes – Ver­fall und Verjährung

Die Ver­län­ge­rung der Ver­jäh­rungs­frist gegen­über § 195 BGB ist nach § 202 BGB wirk­sam. Für den Frist­be­ginn ist auf den Zeit­punkt der Fäl­lig­keit abzu­stel­len, weil ein Anspruch iSv. § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB regel­mä­ßig ent­steht, wenn er nach § 271 BGB fäl­lig ist1.

Die Hem­mungs­wir­kung nach § 204 Abs. 1 Nr. 1 Fall 1 BGB tritt ein, wenn der mit der Kla­ge der Sozi­al­kas­se gel­tend gemach­te pro­zes­sua­le Anspruch – unter­halb der Stu­fe der Sub­stan­ti­ie­rung – iden­ti­fi­zier­bar ist. Der Anspruch muss in der Kla­ge­schrift zwar nicht voll­stän­dig beschrie­ben oder schlüs­sig und sub­stan­ti­iert dar­ge­legt wor­den sein2. Er muss durch sei­ne Kenn­zeich­nung von ande­ren Ansprü­chen jedoch in einer Wei­se unter­schie­den und abge­grenzt wer­den kön­nen, dass er Grund­la­ge eines der mate­ri­el­len Rechts­kraft fähi­gen Voll­stre­ckungs­ti­tels sein kann3. Der Anspruchs­geg­ner muss erken­nen kön­nen, „wor­um es geht„4.

Der pro­zes­sua­le Anspruch einer Kla­ge der Urlaubs- und Lohn­aus­gleichs­kas­se der Bau­wirt­schaft auf Bei­trä­ge für gewerb­li­che Arbeit­neh­mer ist der auf der Grund­la­ge des jeweils gel­ten­den Ver­fah­rens­ta­rif­ver­trags in einem Kalen­der­mo­nat anfal­len­de Sozi­al­kas­sen­bei­trag. Macht die Sozi­al­kas­se – wie im Streit­fall – für meh­re­re Mona­te sog. Durch­schnitts­bei­trä­ge auf der Grund­la­ge der vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt ermit­tel­ten durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­löh­ne gel­tend, sind die pro­zes­sua­len Ansprü­che grund­sätz­lich nur dann hin­rei­chend indi­vi­dua­li­siert, wenn erkenn­bar ist, wel­che Bei­trä­ge auf die ein­zel­nen Kalen­der­mo­na­te ent­fal­len5.

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Die­sen Anfor­de­run­gen genüg­te die Kla­ge­schrift im hier ent­schie­de­nen Fall nicht. Die Sozi­al­kas­se hat dar­in ledig­lich ange­ge­ben, die Arbeit­ge­be­rin unter­hal­te einen dem Gel­tungs­be­reich des VTV 2009 und des VTV 2011 unter­fal­len­den Bau­ten- und Eisen­schutz­be­trieb und die Kla­ge umfas­se „Beitragsforderung(en) für gewerb­li­che Arbeit­neh­mer: Dezem­ber 2011 bis Novem­ber 2012“. Erst die Auf­schlüs­se­lung der gefor­der­ten Bei­trä­ge nach ein­zel­nen Kalen­der­mo­na­ten im Schrift­satz vom 14.07.2017 ermög­lich­te es der Arbeit­ge­be­rin zu beur­tei­len, ob sie sich dage­gen weh­ren woll­te, in Anspruch genom­men zu wer­den. Die erfor­der­li­che Indi­vi­dua­li­sie­rung der Bei­trags­an­sprü­che konn­te durch die­sen Schrift­satz nicht mehr ver­jäh­rungs­hem­mend nach­ge­holt wer­den6.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 27. Janu­ar 2021 – 10 AZR 384/​18

  1. BAG 16.09.2020 – 10 AZR 9/​19, Rn. 23 mwN[]
  2. vgl. BGH 17.11.2020 – II ZR 68/​20, Rn. 12[]
  3. vgl. BAG 17.06.2020 – 10 AZR 464/​18, Rn. 21[]
  4. BGH 19.11.2019 – II ZR 233/​18, Rn. 34 mwN[]
  5. vgl. BAG 16.09.2020 – 10 AZR 56/​19, Rn. 66 mwN[]
  6. vgl. BGH 19.11.2019 – II ZR 233/​18, Rn. 34 mwN[]

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