Bei­trags­pflich­ten zu den Sozi­al­kas­sen der Bau­wirt­schaft – und die Anfor­de­run­gen an die Klageschrift

Der pro­zes­sua­le Anspruch einer Bei­trags­kla­ge der Sozi­al­kas­se ist jeweils der auf der Grund­la­ge eines Ver­fah­rens­ta­rif­ver­trags in einem Kalen­der­mo­nat für die gewerb­li­chen Arbeit­neh­mer anfal­len­de Sozialkassenbeitrag.

Bei­trags­pflich­ten zu den Sozi­al­kas­sen der Bau­wirt­schaft – und die Anfor­de­run­gen an die Klageschrift

Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss die Kla­ge­schrift neben einem bestimm­ten Antrag auch eine bestimm­te Anga­be des Gegen­stands und des Grun­des des erho­be­nen Anspruchs ent­hal­ten. Der Klä­ger muss ein­deu­tig fest­le­gen, wel­che Ent­schei­dung er begehrt. Dazu hat er den Streit­ge­gen­stand so genau zu bezeich­nen, dass der Rah­men der gericht­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis (§ 308 ZPO) kei­nem Zwei­fel unter­liegt und die eigent­li­che Streit­fra­ge mit Rechts­kraft­wir­kung zwi­schen den Par­tei­en ent­schie­den wer­den kann (§ 322 ZPO). Sowohl bei einer der Kla­ge statt­ge­ben­den als auch bei einer sie abwei­sen­den Sach­ent­schei­dung muss zuver­läs­sig fest­stell­bar sein, wor­über das Gericht ent­schie­den hat.

Bei meh­re­ren im Weg einer objek­ti­ven Kla­ge­häu­fung nach § 260 ZPO in einer Kla­ge ver­folg­ten Ansprü­chen muss erkenn­bar sein, aus wel­chen Ein­zel­for­de­run­gen sich die „Gesamt­kla­ge“ zusam­men­setzt1. Der pro­zes­sua­le Anspruch einer Bei­trags­kla­ge der Sozi­al­kas­se ist jeweils der auf der Grund­la­ge eines Ver­fah­rens­ta­rif­ver­trags in einem Kalen­der­mo­nat für die gewerb­li­chen Arbeit­neh­mer anfal­len­de Sozi­al­kas­sen­bei­trag. Ver­langt der Klä­ger Bei­trä­ge für einen län­ge­ren Zeit­raum als einen Kalen­der­mo­nat, han­delt es sich um eine „Gesamt­kla­ge“. Der Klä­ger hat dann dar­zu­le­gen, wie sich die Ansprü­che auf die ein­zel­nen Mona­te ver­tei­len2.

Die­sen Anfor­de­run­gen wur­de die Kla­ge im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall gerecht:

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Soweit der Klä­ger – eine gemein­sa­me Ein­rich­tung der Tarif­ver­trags­par­tei­en in der Rechts­form eines Ver­eins mit eige­ner Rechts­per­sön­lich­keit kraft staat­li­cher Ver­lei­hung, die tarif­ver­trag­lich zum Ein­zug der Bei­trä­ge zu den Sozi­al­kas­sen der Bau­wirt­schaft ver­pflich­tet ist – einen Bei­trag in bezif­fer­ter Höhe für gewerb­li­che Arbeit­neh­mer als „Rest Dezem­ber 2011“ for­dert, ist der Antrag hin­rei­chend bestimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der Klä­ger für Dezem­ber 2011 bereits eine Bei­trags­zah­lung erhal­ten hat. Es genügt, dass er von den bereits gezahl­ten Bei­trä­gen zu unter­schei­den­de – dar­über hin­aus­ge­hen­de – Bei­trä­ge in bestimm­ter Höhe ver­langt3.

Für die Mona­te Janu­ar 2012 bis Okto­ber 2014 hat der Klä­ger die gefor­der­ten Bei­trä­ge in einer im Kam­mer­ter­min am 24.01.2018 über­ge­be­nen Lis­te monats­ge­nau auf­ge­schlüs­selt. Damit ist die Kla­ge inso­weit hin­rei­chend bestimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Die erfor­der­li­che Indi­vi­dua­li­sie­rung muss nicht zwin­gend in einem Schrift­satz vor­ge­nom­men wer­den, son­dern kann auch durch kon­kret in Bezug genom­me­ne Schrift­stü­cke erfol­gen4. Für die Zuläs­sig­keit der Kla­ge kann dahin­ste­hen, ob die Kla­ge bereits vor dem Kam­mer­ter­min hin­rei­chend bestimmt war. Die nach­träg­li­che, den Anfor­de­run­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ent­spre­chen­de Begrün­dung der Kla­ge besei­tigt den Man­gel der Kla­ge­schrift5.

Für die Mona­te Novem­ber 2014 bis Mai 2017 hat der Klä­ger einer­seits mit ver­schie­de­nen Mahn­an­trä­gen Durch­schnitts­bei­trä­ge gel­tend gemacht. In den Mahn­an­trä­gen sind die Zahl der gewerb­li­chen Arbeit­neh­mer und die Mona­te genannt, für die Bei­trä­ge ver­langt wer­den. Mit­hil­fe der auf der Rück­sei­te der Mahn­an­trä­ge genann­ten „Min­dest­bei­trä­ge“, die auf der Grund­la­ge der vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt ermit­tel­ten Durch­schnitts­löh­ne errech­net wur­den, erschließt sich, wie sich die Bei­trä­ge auf die ein­zel­nen Mona­te ver­tei­len. Damit sind die Bei­trags­for­de­run­gen hin­rei­chend iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO indi­vi­dua­li­siert6. Soweit der Klä­ger ande­rer­seits Bei­trags­for­de­run­gen auf der Grund­la­ge von Mel­dun­gen des beklag­ten Arbeit­ge­bers gel­tend macht, hat er die bezif­fer­ten Bei­trags­for­de­run­gen schrift­sätz­lich für die ein­zel­nen Kalen­der­mo­na­te aufgeschlüsselt.

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Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Febru­ar 2021 – 10 AZR 43/​19

  1. BAG 15.07.2020 – 10 AZR 337/​18, Rn. 16; 29.08.2018 – 7 AZR 206/​17, Rn.20[]
  2. BAG 15.07.2020 – 10 AZR 337/​18 – aaO; 30.10.2019 – 10 AZR 177/​18, Rn. 16 f., BAGE 168, 290[]
  3. vgl. BAG 30.10.2019 – 10 AZR 177/​18, Rn. 24, BAGE 168, 290[]
  4. vgl. BAG 30.10.2019 – 10 AZR 371/​18, Rn. 9; BGH 17.03.2016 – III ZR 200/​15, Rn.19[]
  5. vgl. BGH 17.03.2016 – III ZR 200/​15, Rn. 27[]
  6. vgl. BAG 27.01.2021 – 10 AZR 138/​19, Rn. 14; 27.11.2019 – 10 AZR 476/​18, Rn. 28, BAGE 168, 374[]

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