Über­fall auf dem Weg zur Arbeit

Wird ein Ver­si­cher­ter auf dem Weg zur Arbeit Opfer einer Gewalt­tat, ist dies als Arbeits­un­fall zu ent­schä­di­gen. Nur wenn alle mög­li­chen Tat­mo­ti­ve aus­schließ­lich im per­sön­li­chen Bereich des Betrof­fe­nen zu suchen sind, kann der Ver­si­che­rungs­schutz ver­sagt wer­den. Dies ent­schied in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt in Darm­stadt.

Über­fall auf dem Weg zur Arbeit

Ein Bau­in­ge­nieur aus dem Land­kreis Offen­bach war auf dem Weg zur Arbeit von einem ihm unbe­kann­ten Täter mit einer Waf­fe mit gro­ßer Klin­ge über­fal­len wor­den. Dabei erlitt er schwers­te Ver­let­zun­gen ins­be­son­de­re an Gesicht und Hän­den. Die poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen konn­ten das Tat­mo­tiv des unbe­kannt geblie­be­nen Täters nicht klä­ren. Die Berufs­ge­nos­sen­schaft lehn­te die Aner­ken­nung als Arbeits­un­fall ab, da kei­ne Anhalts­punk­te für ein betriebs­be­zo­ge­nes Tat­mo­tiv sprä­chen. Die Tat­um­stän­de deu­te­ten auf eine geziel­te und geplan­te Tat auf­grund pri­va­ter Moti­ve aus dem fami­liä­ren Umfeld des Ver­letz­ten. Nach den eige­nen Anga­ben des Opfers sei sei­ne frü­he­re Ehe­frau krank­haft eifer­süch­tig. Fer­ner habe der Ehe­mann sei­ner Cou­si­ne Dro­hun­gen aus­ge­spro­chen, soll­te jemand sie bei einer Tren­nung von ihm unter­stüt­zen. Der Ver­letz­te hin­ge­gen beton­te, dass ange­sichts sei­ner Stel­lung als Ober­bau­lei­ter einer Groß­bau­stel­le er eben­so von einem Mit­ar­bei­ter sei­ner zahl­rei­chen Sub­un­ter­neh­men über­fal­len wor­den sein kön­ne. Auch eine Ver­wechs­lungs­tat sei mög­lich.

Die Rich­ter bei­der Instan­zen gaben ihm Recht. Nach den Ermitt­lun­gen kön­ne nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass das Tat­mo­tiv für die offen­sicht­lich geplan­te Tat aus­schließ­lich aus sei­nem pri­va­ten Bereich kom­me.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Hes­sen, Urteil vom 15. Febru­ar 2008 – L 3 U 82/​06