Beru­fung in Arbeits­ge­richts­ver­fah­ren – und die Anfor­de­run­gen an die Beru­fungs­be­grün­dung

Eine Beru­fungs­be­grün­dung muss gemäß § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO die Umstän­de bezeich­nen, aus denen sich die Rechts­ver­let­zung durch das ange­foch­te­ne Urteil und deren Erheb­lich­keit für das Ergeb­nis der Ent­schei­dung erge­ben. Die Beru­fungs­be­grün­dung muss auf den zur Ent­schei­dung ste­hen­den Fall zuge­schnit­ten sein und sich mit den recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Argu­men­ten des ange­foch­te­nen Urteils befas­sen, wenn sie die­se bekämp­fen will.

Beru­fung in Arbeits­ge­richts­ver­fah­ren – und die Anfor­de­run­gen an die Beru­fungs­be­grün­dung

Eine schlüs­si­ge, recht­lich halt­ba­re Begrün­dung kann zwar nicht ver­langt wer­den. Für die erfor­der­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit den Urteils­grün­den der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung reicht es aber nicht aus, die tat­säch­li­che oder recht­li­che Wür­di­gung durch das Arbeits­ge­richt mit for­mel­haf­ten Wen­dun­gen zu rügen und ledig­lich auf das erst­in­stanz­li­che Vor­brin­gen zu ver­wei­sen oder die­ses zu wie­der­ho­len 1.

Hat das erst­in­stanz­li­che Gericht sei­ne Ent­schei­dung hin­sicht­lich eines Streit­ge­gen­stands auf meh­re­re selb­stän­dig tra­gen­de Begrün­dun­gen gestützt, muss die Beru­fungs­be­grün­dung das Urteil in allen die­sen Punk­ten angrei­fen. Es ist des­halb für jede der recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Erwä­gun­gen dar­zu­le­gen, war­um sie nach Auf­fas­sung des Beru­fungs­füh­rers die Ent­schei­dung nicht recht­fer­tigt. Andern­falls ist das Rechts­mit­tel ins­ge­samt unzu­läs­sig, da der Angriff gegen eine der Begrün­dun­gen nicht aus­reicht, um die Ent­schei­dung ins­ge­samt in Fra­ge zu stel­len 2.

Die Zuläs­sig­keit der Beru­fung ist Pro­zess­vor­aus­set­zung für das gesam­te wei­te­re Ver­fah­ren nach der Beru­fungs­ein­le­gung und des­halb vom Revi­si­ons­ge­richt von Amts wegen zu prü­fen. Das gilt auch dann, wenn das Beru­fungs­ge­richt das Rechts­mit­tel für zuläs­sig gehal­ten hat 3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 14. Mai 2019 – 3 AZR 274/​18

  1. BAG 20.03.2018 – 3 AZR 861/​16, Rn. 38; 26.04.2017 – 10 AZR 275/​16, Rn. 12 f. mwN[]
  2. BAG 26.04.2017 – 10 AZR 275/​16, Rn. 14 mwN[]
  3. BAG 20.03.2018 – 3 AZR 861/​16, Rn. 37; 26.04.2017 – 10 AZR 275/​16, Rn. 11 mwN[]