Bestimmt­heit einer Fest­stel­lungs­kla­ge

Nach § 256 Abs. 1 ZPO kann Kla­ge auf Fest­stel­lung des Bestehens oder Nicht­be­stehens eines Rechts­ver­hält­nis­ses erho­ben wer­den, wenn der Klä­ger ein recht­li­ches Inter­es­se dar­an hat, dass das Rechts­ver­hält­nis durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung als­bald fest­ge­stellt wer­de. Die Fest­stel­lungs­kla­ge kann sich auf ein­zel­ne Bezie­hun­gen oder Fol­gen aus einem Rechts­ver­hält­nis, auf bestimm­te Ansprü­che oder Ver­pflich­tun­gen oder auf den Umfang einer Leis­tungs­pflicht beschrän­ken – sog. Ele­men­ten­fest­stel­lungs­kla­ge -. Auch die Anwend­bar­keit eines bestimm­ten Tarif­ver­tra­ges oder Tarif­wer­kes auf ein Arbeits­ver­hält­nis kann Gegen­stand einer Fest­stel­lungs­kla­ge sein 1.

Bestimmt­heit einer Fest­stel­lungs­kla­ge

Gleich­wohl muss nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO die Kla­ge­schrift die bestimm­te Anga­be des Gegen­stands und des Grun­des des erho­be­nen Anspruchs sowie einen bestimm­ten Antrag ent­hal­ten. Der Streit­ge­gen­stand und der Umfang der gericht­li­chen Prü­fungs- und Ent­schei­dungs­be­fug­nis müs­sen klar umris­sen sein 2, so dass die eigent­li­che Streit­fra­ge mit Rechts­kraft­wir­kung zwi­schen den Par­tei­en ent­schie­den wer­den kann (§ 322 ZPO). Bei einer statt­ge­ben­den Ent­schei­dung darf kei­ne Unklar­heit über den Umfang der Rechts­kraft bestehen 3. Bei einer Fest­stel­lungs­kla­ge sind grund­sätz­lich kei­ne gerin­ge­ren Anfor­de­run­gen an die Bestimmt­heit zu stel­len als bei einer Leis­tungs­kla­ge 4.

Dabei ist für das Ver­ständ­nis eines Kla­ge­an­tra­ges nicht am buch­stäb­li­chen Wort­laut der Antrags­fas­sung zu haf­ten und das Gericht ist gehal­ten, Kla­ge­an­trä­ge nach Mög­lich­keit dahin aus­zu­le­gen, dass eine Sach­ent­schei­dung über sie erge­hen kann 5. Das gilt auch im Revi­si­ons­ver­fah­ren 6.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 26. Janu­ar 2011 – 4 AZR 333/​09

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, sie­he nur BAG 22.10.2008 – 4 AZR 784/​07, Rn. 11 mwN, BAGE 128, 165[]
  2. BAG 11.11.2009 – 7 AZR 387/​08, Rn. 11, AP ZPO § 253 Nr. 50 = EzA ZPO 2002 § 253 Nr. 3; 19.02.2008 – 9 AZR 70/​07 – Rn. 16, BAGE 126, 26[]
  3. BAG 23.01.2002 – 4 AZR 461/​99[]
  4. BAG 22.10.2008 – 4 AZR 735/​07, Rn. 53, AP TVG § 1 Tarif­ver­trä­ge: Che­mie Nr. 20[]
  5. BAG 11.11.2009 – 7 AZR 387/​08, Rn. 11, aaO; 12.08.2009 – 7 ABR 15/​08, Rn. 12, AP BetrVG 1972 § 34 Nr. 2 = EzA BetrVG 2001 § 34 Nr. 1[]
  6. BAG 19.02.2008 – 9 AZR 70/​07, Rn. 16, aaO; 23.01.2007 – 9 AZR 557/​06, Rn. 20, AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 4[]