Betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung – und die Ansprü­che des hin­ter­blie­be­nen Ehe­gat­ten

Die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ist ein Teil des Ver­sor­gungs­ver­spre­chens an den Arbeit­neh­mer und stellt einen Ver­trag zuguns­ten Drit­ter iSv. § 328 Abs. 1 BGB dar.

Betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung – und die Ansprü­che des hin­ter­blie­be­nen Ehe­gat­ten

Das Ver­spre­chen an den Drit­ten erfolgt dabei nach § 331 Abs. 1 BGB grund­sätz­lich in der Wei­se, dass der Drit­te das Recht auf die Leis­tung im Zwei­fel erst mit dem Tod des Ver­spre­chens­emp­fän­gers erwirbt1. Der Anspruch auf Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach dem Ein­tritt des Nach­ver­sor­gungs­falls bestimmt sich nach den Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen dem ursprüng­lich Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten, dem – ehe­ma­li­gen – Arbeit­neh­mer, und dem die Ver­sor­gung schul­den­den Arbeit­ge­ber.

Die­se Rechts­be­zie­hun­gen kön­nen mit inter­pro­zes­sua­ler Wir­kung, die sich aus mate­ri­ell-recht­li­chen Grün­den auch auf die Hin­ter­blie­be­nen erstreckt, zwi­schen dem ursprüng­lich Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten und dem Ver­sor­gungs­schuld­ner ver­bind­lich geklärt wer­den. Die gericht­li­che Ent­schei­dung ent­fal­tet damit prä­ju­di­zi­el­le Wir­kung auch für nach­fol­gen­de Pro­zes­se zwi­schen dem Hin­ter­blie­be­nen und dem vor­ma­li­gen Arbeit­ge­ber2, da der Ver­sor­gungs­an­spruch der Hin­ter­blie­be­nen stets auf dem Ren­ten­stamm­recht des Arbeit­neh­mers beruht und hier­von abhän­gig ist3.

Im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit hat die Arbeit­ge­be­rin zwar einen neu­er­li­chen Wider­ruf erklärt, indem sie ent­spre­chen­de Erklä­run­gen gegen­über der Wit­we des unmit­tel­bar Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten abge­ge­ben hat. Aller­dings bezieht sich der Wider­ruf jeweils auf das Ren­ten­stamm­recht des ver­stor­be­nen Ehe­manns. Da die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung vom Ren­ten­stamm­recht abhängt, kann ein Wider­ruf, der in einem mit einem rechts­kräf­ti­gen Urteil abge­schlos­se­nen Vor­pro­zess zwi­schen dem unmit­tel­bar Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten und dem Ver­sor­gungs­schuld­ner für unwirk­sam erklärt wor­den ist, in einem nach­fol­gen­den Pro­zess zwi­schen dem Hin­ter­blie­be­nen und dem Ver­sor­gungs­schuld­ner nicht auf die­sel­ben Grün­de gestützt wer­den. Es wider­sprä­che dem Sinn und Zweck eines vom unmit­tel­bar Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten geführ­ten rechts­kräf­tig abge­schlos­se­nen Ver­fah­rens, wenn in einem nach­fol­gen­den Pro­zess, an dem der Hin­ter­blie­be­ne betei­ligt ist, die Prü­fung eines aus den­sel­ben Grün­den erfolg­ten Wider­rufs vor­zu­neh­men wäre. Das vor­he­ri­ge Ver­fah­ren soll Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit auch für den Hin­ter­blie­be­nen im Nach­ver­sor­gungs­fall schaf­fen4. Die in dem Vor­pro­zess bereits vor­ge­brach­ten Wider­rufs­grün­de sind damit ver­bind­lich geklärt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 19. Febru­ar 2019 – 3 AZR 150/​18

  1. BAG 31.07.2018 – 3 AZR 731/​16, Rn. 26 mwN []
  2. vgl. BAG 31.07.2018 – 3 AZR 731/​16, Rn. 23 []
  3. vgl. BAG 12.06.1990 – 3 AZR 524/​88, zu II 2 der Grün­de, BAGE 65, 194 []
  4. vgl. BAG 31.07.2018 – 3 AZR 731/​16, Rn. 23 []