Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung trotz ander­wei­tig frei­em Arbeits­platz

Nach § 1 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 Buchst. b KSchG ist die Kün­di­gung dann sozi­al unge­recht­fer­tigt, wenn der Arbeit­neh­mer an einem ande­ren Arbeits­platz in dem­sel­ben Betrieb oder in einem ande­ren Betrieb des Unter­neh­mens wei­ter­be­schäf­tigt wer­den kann. Auf die­se Wei­se wird der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz im Kün­di­gungs­recht nor­ma­tiv kon­kre­ti­siert 1. Die Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit ist des­halb auch ohne Wider­spruch des Betriebs­rats im Rah­men der Gene­ral­klau­sel des § 1 Abs. 2 Satz 2 KSchG zu berück­sich­ti­gen 2. Ent­spre­chen­des gilt, wenn die Wei­ter­be­schäf­ti­gung des Arbeit­neh­mers nach zumut­ba­ren Umschu­lungs- oder Fort­bil­dungs­maß­nah­men oder zu geän­der­ten Arbeits­be­din­gun­gen mög­lich ist (§ 1 Abs. 2 Satz 3 KSchG).

Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung trotz ander­wei­tig frei­em Arbeits­platz

Die Wei­ter­be­schäf­ti­gung muss sowohl dem Arbeit­neh­mer als auch dem Arbeit­ge­ber objek­tiv mög­lich sein.

Dies setzt zunächst vor­aus, dass ein frei­er Arbeits­platz zu ver­gleich­ba­ren (gleich­wer­ti­gen) oder zu geän­der­ten (schlech­te­ren) Arbeits­be­din­gun­gen vor­han­den ist. Als "frei" sind grund­sätz­lich nur sol­che Arbeits­plät­ze anzu­se­hen, die zum Zeit­punkt des Zugangs der Kün­di­gung unbe­setzt sind 3. Dem steht es gleich, wenn ein Arbeits­platz bis zum Ablauf der Kün­di­gungs­frist frei wird 4.

Der ander­wei­ti­ge – freie – Arbeits­platz muss für den Arbeit­neh­mer geeig­net sein. Das setzt vor­aus, dass der Arbeit­neh­mer – ggf. unter Berück­sich­ti­gung ange­mes­se­ner Ein­ar­bei­tungs, Fort­bil­dungs- oder Umschu­lungs­zei­ten – den Anfor­de­run­gen des neu­en Arbeits­plat­zes ent­spre­chen kann. Dabei unter­liegt die Gestal­tung des Anfor­de­rungs­pro­fils grund­sätz­lich der nur auf offen­ba­re Unsach­lich­keit zu über­prü­fen­den unter­neh­me­ri­schen Dis­po­si­ti­on des Arbeit­ge­bers 5.

Für das Feh­len einer ander­wei­ti­gen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit ist gem. § 1 Abs. 2 Satz 4 KSchG der Arbeit­ge­ber dar­le­gungs- und beweis­pflich­tig. Dabei gilt eine abge­stuf­te Dar­le­gungs­last. Bestrei­tet der Arbeit­neh­mer ledig­lich den Weg­fall sei­nes bis­he­ri­gen Arbeits­plat­zes, genügt der Vor­trag des Arbeit­ge­bers, wegen der betrieb­li­chen Not­wen­dig­kei­ten sei eine Wei­ter­be­schäf­ti­gung zu den glei­chen Bedin­gun­gen nicht mög­lich. Macht der Arbeit­neh­mer gel­tend, es sei eine Beschäf­ti­gung an ande­rer Stel­le mög­lich, obliegt es ihm dar­zu­le­gen, wie er sich sei­ne ander­wei­ti­ge Beschäf­ti­gung vor­stellt. Erst dar­auf­hin muss der Arbeit­ge­ber ein­ge­hend erläu­tern, aus wel­chen Grün­den eine sol­che Beschäf­ti­gung nicht mög­lich war 6.

Bun­des­ar­beits­ge­richt – Urteil vom 29. August 2013 – 2 AZR 721/​12

  1. BAG 25.10.2012 – 2 AZR 552/​11, Rn. 29; 12.08.2010 – 2 AZR 558/​09, Rn.20[]
  2. BAG 21.09.2000 – 2 AZR 385/​99, zu B IV 2 a der Grün­de; 17.05.1984 – 2 AZR 109/​83, zu C III 3 der Grün­de, BAGE 46, 191[]
  3. BAG 25.10.2012 – 2 AZR 552/​11, Rn. 29; 15.12 2011 – 2 AZR 42/​10, Rn. 24, BAGE 140, 169[]
  4. BAG 25.10.2012 – 2 AZR 552/​11 – aaO; 1.03.2007 – 2 AZR 650/​05, Rn. 24[]
  5. BAG 24.05.2012 – 2 AZR 124/​11, Rn. 24; 5.06.2008 – 2 AZR 107/​07, Rn. 17[]
  6. BAG 25.10.2012 – 2 AZR 552/​11, Rn. 30; 24.05.2012 – 2 AZR 62/​11, Rn. 28[]