Betriebs­er­wer­ber mit Haus­ta­rif­ver­trag – und die Ver­gü­tungs­ord­nung des über­nom­me­nen Betriebs

Ein Betriebs­er­wer­ber, der durch Rechts­ge­schäft einen Betrieb unter Wah­rung des­sen Iden­ti­tät erwirbt, tritt zwar betriebs­ver­fas­sungs­recht­lich an die Stel­le des frü­he­ren Betriebs­in­ha­bers. Er ist daher grund­sätz­lich zur Fort­füh­rung der im Betrieb bestehen­den Ver­gü­tungs­ord­nung ver­pflich­tet [1].

Betriebs­er­wer­ber mit Haus­ta­rif­ver­trag – und die Ver­gü­tungs­ord­nung des über­nom­me­nen Betriebs

Ist der Arbeit­ge­ber aber an einen von ihm geschlos­se­nen Haus­ta­rif­ver­trag unmit­tel­bar und zwin­gend gebun­den, der nach sei­nem Gel­tungs­be­reich auch den erwor­be­nen Betrieb erfasst, bil­den kol­lek­tiv­recht­lich gese­hen die­se haus­ta­rif­li­chen Rege­lun­gen die maß­ge­ben­de mit­be­stim­mungs­ge­mäß ein­ge­führ­te Ver­gü­tungs­ord­nung iSd. § 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG.

Grund­sätz­lich wer­den Haus­ta­rif­ver­trä­ge, soweit nichts ande­res bestimmt ist, in der Regel für alle Arbeits­ver­hält­nis­se des tarif­schlie­ßen­den Unter­neh­mens ver­ein­bart. Soweit der Gel­tungs­be­reich sich aus­drück­lich und ohne Ein­schrän­kung auf die Arbeit­neh­mer die­ses Arbeit­ge­bers erstreckt, erfasst er nicht nur die aktu­el­len – tarif­ge­bun­de­nen – Arbeits­ver­hält­nis­se, son­dern – neben danach begrün­de­ten Arbeits­ver­hält­nis­sen – auch die Arbeit­neh­mer spä­ter hin­zu­kom­men­der Betrie­be des Arbeit­ge­bers. Dies gilt selbst bei zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses unvor­her­seh­ba­ren Ent­wick­lun­gen [2].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 20. Febru­ar 2018 – 1 ABR 53/​16

  1. BAG 8.12 2009 – 1 ABR 66/​08, Rn. 23, BAGE 132, 314[]
  2. BAG 15.06.2016 – 4 AZR 805/​14, Rn. 40 mwN, BAGE 155, 280[]