Betriebs­ren­te – und der Rechts­miss­brauch

Der Rechts­miss­brauchs­ein­wand kann gerecht­fer­tigt sein, wenn der Arbeit­neh­mer die Unver­fall­bar­keit sei­ner Ver­sor­gungs­an­wart­schaft nur durch Ver­tu­schung schwe­rer Ver­feh­lun­gen erschli­chen hat.

Betriebs­ren­te – und der Rechts­miss­brauch

Das ist anzu­neh­men, wenn eine recht­zei­ti­ge Ent­de­ckung der­ar­ti­ger Ver­feh­lun­gen zur frist­lo­sen Kün­di­gung geführt hät­te, bevor die Ver­sor­gungs­an­wart­schaft unver­fall­bar wur­de und der Arbeit­neh­mer den Arbeit­ge­ber durch die Ver­tu­schung des Fehl­ver­hal­tens dar­an gehin­dert hat, noch vor Ein­tritt der Unver­fall­bar­keit zu kün­di­gen1.

Zudem kann der Rechts­miss­brauchs­ein­wand auch dann gerecht­fer­tigt sein, wenn der Arbeit­neh­mer dem Arbeit­ge­ber durch gro­bes Fehl­ver­hal­ten einen nicht beheb­ba­ren, ins­be­son­de­re durch Ersatz­leis­tun­gen nicht wie­der­gut­zu­ma­chen­den schwe­ren Scha­den zuge­fügt hat2.

Stützt sich der Arbeit­ge­ber auf die Ver­ur­sa­chung eines Ver­mö­gens­scha­dens durch den Arbeit­neh­mer, ist das Ver­sor­gungs­ver­lan­gen des Arbeit­neh­mers aller­dings nur dann rechts­miss­bräuch­lich, wenn die­ser sei­ne Pflich­ten in gro­ber Wei­se ver­letzt und dem Arbeit­ge­ber hier­durch einen exis­tenz­ge­fähr­den­den Scha­den zuge­fügt hat.

Soweit die Mög­lich­keit, erfolg­reich einen Rechts­miss­brauchs­ein­wand gegen­über dem Ver­sor­gungs­ver­spre­chen des Arbeit­neh­mers zu erhe­ben, damit auch von der wirt­schaft­li­chen Lage des Arbeit­ge­bers abhängt, ist dies des­halb gerecht­fer­tigt, weil nur in den Fäl­len, in denen der vom Arbeit­neh­mer ver­schul­de­te finan­zi­el­le Scha­den des Arbeit­ge­bers zu einer exis­tenz­be­dro­hen­den Situa­ti­on führt, des­sen wirt­schaft­li­che Grund­la­ge gefähr­det und dadurch die Gefahr her­auf­be­schwo­ren wird, dass die Betriebs­ren­te nicht gezahlt wer­den kann. Erst in einem sol­chen Fall ist die Gren­ze über­schrit­ten, bis zu der auch ein pflicht­wid­rig Han­deln­der, ohne sich dem Ein­wand des Rechts­miss­brauchs aus­zu­set­zen, das ihm gege­be­ne Ver­spre­chen ein­for­dern kann3.

Dies führt nicht dazu, dass gro­ße Unter­neh­men gegen­über Treu­pflicht­ver­let­zun­gen ihrer Mit­ar­bei­ter letzt­lich schutz­los gestellt sind. Der Ent­zug von Anwart­schaf­ten, die durch Arbeits­leis­tung erwor­ben wur­den, ist kei­ne Sank­ti­on für – selbst gro­be – Ver­let­zun­gen ver­trag­li­cher Pflich­ten. Füh­ren die vom Arbeit­neh­mer ver­ur­sach­ten Ver­mö­gens­schä­den nicht zu einer Gefähr­dung der wirt­schaft­li­chen Grund­la­ge des Arbeit­ge­bers, sind sei­ne Inter­es­sen durch die Mög­lich­keit, den Arbeit­neh­mer auf Scha­dens­er­satz in Anspruch zu neh­men oder ab Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls ggf. gegen­über dem Betriebs­ren­ten­an­spruch des Arbeit­neh­mers auf­zu­rech­nen, hin­rei­chend gewahrt4.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 26. April 2018 – 3 AZR 738/​16

  1. BAG 17.06.2014 – 3 AZR 412/​13, Rn. 41; 13.11.2012 – 3 AZR 444/​10, Rn. 47, BAGE 143, 273 []
  2. BAG 20.09.2016 – 3 AZR 77/​15, Rn. 57 mwN; 17.06.2014 – 3 AZR 412/​13, Rn. 42 []
  3. vgl. schon BAG 13.11.2012 – 3 AZR 444/​10, Rn. 35, BAGE 143, 273 []
  4. aus­führ­lich dazu BAG 13.11.2012 – 3 AZR 444/​10, Rn. 38 ff., BAGE 143, 273 []