Betriebs­über­gang – und die Nach­fol­ge im arbeits­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts rich­tet sich im arbeits­ge­richt­li­chen Beschluss­ver­fah­ren die Betei­li­gung gemäß § 83 Abs. 3 ArbGG nach mate­ri­el­lem Recht, ohne dass es einer dar­auf gerich­te­ten Hand­lung der Per­son oder Stel­le oder des Gerichts bedarf 1.

Betriebs­über­gang – und die Nach­fol­ge im arbeits­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren

Für das Pro­zess­rechts­ver­hält­nis ist ent­schei­dend, wer mate­ri­ell­recht­lich berech­tigt oder ver­pflich­tet ist. Wird der "Arbeit­ge­ber" in Anspruch genom­men, so ist das sowohl iSv. § 83 Abs. 3 ArbGG als auch im Sin­ne des Betriebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes der Inha­ber des Betriebs.

Berührt der Ver­fah­rens­ge­gen­stand des­sen betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­po­si­ti­on – sei es als Ver­pflich­te­ter, sei es als Rechts­in­ha­ber – und geht im Lau­fe eines Beschluss­ver­fah­rens der Betrieb auf einen Erwer­ber über, nimmt die­ser als neu­er Inha­ber auch ohne ent­spre­chen­de Pro­zess­erklä­rung der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten auto­ma­tisch die ver­fah­rens­recht­li­che Rechts­stel­lung des bis­he­ri­gen Rechts­trä­gers ein.

Anders als im Urteils­ver­fah­ren fin­den die §§ 265, 325 ZPO kei­ne, auch kei­ne ent­spre­chen­de Anwen­dung 2. Der auto­ma­ti­sche Ein­tritt erfolgt jeden­falls in den Fäl­len, in denen die Über­nah­me der Rechts­trä­ger­schaft unzwei­fel­haft und unstrei­tig ist 3.

Durch die Über­nah­me des Betriebs ist der jeti­ge Inha­ber auto­ma­tisch in die pro­zes­sua­le Rechts­stel­lung der bis­he­ri­gen Inha­bers ein­ge­tre­ten 4.

Obwohl der neue Betriebs­in­ha­ber in die ver­fah­rens­recht­li­che Rechts­stel­lung des bis­he­ri­gen Betriebs­in­ha­bers ein­ge­tre­ten ist, ist der bis­he­ri­ge Inha­ber vor­lie­gend wei­ter­hin am Ver­fah­ren betei­ligt, da der Betriebs­rat ihn wei­ter­hin als Gesamt­schuld­ner in Anspruch nimmt. Auch wenn sich die Betei­lig­ten­stel­lung im Beschluss­ver­fah­ren grund­sätz­lich nach der mate­ri­el­len betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­stel­lung rich­tet, ändert dies nichts dar­an, dass auch das Beschluss­ver­fah­ren der gericht­li­chen Klä­rung der vom Antrag­stel­ler gel­tend gemach­ten Ansprü­che dient. Betei­lig­te sind des­halb jeden­falls immer auch die­je­ni­gen, die ein betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­ches Recht für sich in Anspruch neh­men oder gegen die im Ver­fah­ren Ansprü­che gerich­tet wer­den. Daher ist vor­lie­gend auch der bis­he­ri­ge Betriebs­in­ha­ber wei­ter am Ver­fah­ren betei­ligt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 20. August 2014 – 7 ABR 60/​12

  1. vgl. BAG 9.12 2008 – 1 ABR 75/​07, Rn. 13 mwN, BAGE 128, 358[]
  2. vgl. BAG 9.12 2008 – 1 ABR 75/​07, Rn. 13 mwN, aaO; vgl. auch BAG 9.12 2009 – 7 ABR 90/​07, Rn. 15, BAGE 132, 333[]
  3. vgl. BAG 9.12 2008 – 1 ABR 75/​07, Rn. 13, aaO[]
  4. vgl. BAG 9.12 2008 – 1 ABR 75/​07, Rn. 14, 19, BAGE 128, 358; 9.12 2009 – 7 ABR 90/​07, Rn. 15, BAGE 132, 333[]