Bewäh­rungs­auf­stieg – und die Rechts­kraft einer Ein­grup­pie­rungs­fest­stel­lungs­kla­ge

Die rechts­kräf­ti­ge Fest­stel­lung der Ver­gü­tungs­pflicht eines Arbeit­ge­bers gegen­über einem Arbeit­neh­mer, die auf die Erfül­lung eines kon­kre­ten Tätig­keits­merk­mals einer tarif­li­chen Ent­gelt­ord­nung gestützt wird, ent­fal­tet nach dem zwei­glied­ri­gen Streit­ge­gen­stands­be­griff 1 jeden­falls dann eine Bin­dungs­wir­kung hin­sicht­lich der kon­kre­ten Fall­grup­pe der Ver­gü­tungs­grup­pe, wenn die Ver­gü­tungs­grup­pe nur eine in Betracht kom­men­de Fall­grup­pe für die fest­ge­stell­te Ent­gelt­ver­pflich­tung vor­sieht 2.

Bewäh­rungs­auf­stieg – und die Rechts­kraft einer Ein­grup­pie­rungs­fest­stel­lungs­kla­ge

Ob dies auch dann der Fall ist, wenn die maß­ge­ben­de Ver­gü­tungs­grup­pe meh­re­re Fall­grup­pen ent­hält, muss­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt vor­lie­gend nicht ent­schei­den 3.

Die Rechts­kraft­wir­kung der Ent­schei­dung über die sei­ner­zei­ti­ge Ver­gü­tungs­kla­ge ist nicht des­halb auf eine bestehen­de Ver­gü­tungs­pflicht begrenzt, weil der dama­li­gen Ein­grup­pie­rungs­fest­stel­lung ledig­lich eine Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge nach § 256 Abs. 2 ZPO zugrun­de lag.

Nach § 256 Abs. 2 ZPO kann eine Klä­ge­rin zugleich mit ihrem Haupt­an­trag auf Fest­stel­lung eines die Ent­schei­dung bedin­gen­den, d.h. vor­greif­li­chen Rechts­ver­hält­nis­ses kla­gen. Damit wird ein Begrün­dungs­ele­ment aus der Ent­schei­dung ver­selb­stän­digt und mit eige­ner Rechts­kraft ver­se­hen. Grund hier­für ist des­sen Eig­nung, über den kon­kre­ten Ein­zel­fall hin­aus, der mit der Haupt­kla­ge ent­schie­den wird, Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit für mög­li­che Fol­ge­strei­tig­kei­ten her­zu­stel­len. Eine Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge bedingt daher, dass die Fra­ge nach dem Bestand des ent­spre­chen­den Rechts­ver­hält­nis­ses not­wen­dig auch bei der Ent­schei­dung über den Haupt­an­trag beant­wor­tet wer­den muss und dar­über hin­aus auch für ande­re denk­ba­re Fol­ge­strei­tig­kei­ten Bedeu­tung haben kann 4.

Soweit die Ansicht ver­tre­ten wird, die Rechts­kraft­wir­kung einer Zwi­schen­fest­stel­lung rei­che nicht wei­ter, als die Vor­greif­lich­keit des fest­ge­stell­ten Rechts­ver­hält­nis­ses für die Haupt­sa­che geht, ist dies unzu­tref­fend.

Die Rechts­kraft­wir­kung einer Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge ist gegen­über einer Fest­stel­lungs­kla­ge nach § 256 Abs. 1 ZPO nicht ein­ge­schränkt. Das Bestehen oder Nicht­be­stehen des betref­fen­den Rechts­ver­hält­nis­ses wird zwi­schen den Par­tei­en in glei­chem Maße für alle Fol­ge­strei­tig­kei­ten fest­ge­stellt 5. Die Vor­greif­lich­keit ersetzt zwar das sonst not­wen­di­ge Fest­stel­lungs­in­ter­es­se 4, hat aber für den Umfang der Rechts­kraft kei­ne wei­ter gehen­de Bedeu­tung 6.

Auch auch aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 09.03.1994 7 ergibt sich nichts ande­res.

Soweit es dort heißt, die "Rechts­kraft­wir­kung der Zwi­schen­fest­stel­lung … reicht nicht wei­ter, als die Vor­greif­lich­keit des fest­ge­stell­ten Rechts­ver­hält­nis­ses für die Haupt­sa­che geht", betref­fen die­se Aus­füh­run­gen Beson­der­hei­ten des Wech­sel­pro­zes­ses, weil zwi­schen dem Wech­sel­an­spruch und dem der Wech­sel­be­ge­bung zugrun­de­lie­gen­den Kau­sal­ver­hält­nis kei­ne Prä­ju­di­zia­li­tät iSd. § 256 Abs. 2 ZPO besteht. Dem­entspre­chend kann eine im Wech­sel­pro­zess rechts­kräf­tig getrof­fe­ne Zwi­schen­fest­stel­lung die "Beru­fung auf das Nicht­zu­stan­de­kom­men des Kau­sal­ver­hält­nis­ses nur gegen­über künf­ti­gen Wech­sel­kla­gen der Arbeit­neh­me­rin, nicht aber gegen­über einer Kauf­preis­kla­ge aus dem Kau­sal­ver­hält­nis selbst" abschnei­den 8. Auf eine Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge im Rah­men eines Ein­grup­pie­rungs­rechts­streits las­sen sich die­se Erwä­gun­gen schon im Ansatz nicht über­tra­gen.

Die dar­ge­stell­te Bin­dungs­wir­kung führt dazu, dass bei unver­än­der­ter Tätig­keit und einer sich auf die Erfül­lung der tarif­li­chen Anfor­de­run­gen des Tätig­keits­merk­mals bezie­hen­den Fest­stel­lung zugleich fest­steht, dass eine tarif­lich vor­ge­se­he­ne Bewäh­rungs­zeit zu die­sem Zeit­punkt begon­nen hat 9.

Die Arbeit­neh­me­rin hat damit im Bewäh­rungs­zeit­raum vom 01.01.2007 bis zum 31.12 2010 durch ihre unver­än­dert aus­zu­üben­de und aus­ge­üb­te Tätig­keit das Merk­mal der "Alten­pfle­ge­hel­fe­rin mit ent­spre­chen­der Tätig­keit" in Ver­gGr. Ap II Fall­gr. 1 MTV erfüllt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 21. Okto­ber 2015 – 4 AZR 663/​14

  1. dazu etwa BAG 26.06.2013 – 5 AZR 428/​12, Rn. 16[]
  2. sh. bereits BAG 16.04.1997 – 4 AZR 270/​96, zu B II 4 der Grün­de; bestä­tigt in 10.12 1997 – 4 AZR 221/​96, zu II 1 a der Grün­de mwN[]
  3. abl. BAG 18.07.1990 – 4 AZR 25/​90; 14.06.1995 – 4 AZR 250/​94, zu II 2 b der Grün­de[]
  4. BAG 6.07.2011 – 4 AZR 424/​09, Rn. 25, BAGE 138, 287; 17.10.2007 – 4 AZR 1005/​06, Rn.20, BAGE 124, 240[][]
  5. vgl. BGH 16.01.2008 – XII ZR 216/​05, Rn.19[]
  6. vgl. BAG 24.09.2008 – 6 AZR 76/​07, Rn. 27 mwN, BAGE 128, 73; 15.01.1992 – 7 AZR 194/​91, zu I 2 der Grün­de; sowie aus­drück­lich Münch­Komm-ZPO/­Be­cker-Eber­hard 4. Aufl. § 256 Rn. 75[]
  7. BGH, 09.03.1994 – VIII ZR 165/​93BGHZ 125, 251[]
  8. BGH 9.03.1994 – VIII ZR 165/​93, zu II 2 a bb der Grün­de, aaO[]
  9. BAG 10.12 1997 – 4 AZR 221/​96, zu II 1 a der Grün­de[]