Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot bei mit­ge­hör­ten Tele­fon­ge­sprä­chen

Ermög­licht bei einem Tele­fon­ge­spräch einer der Gesprächs­part­ner einer im Raum befind­li­chen wei­te­ren Per­son ziel­ge­rich­tet, das Gespräch heim­lich mit­zu­hö­ren, indem er z.B. den Raum­laut­spre­cher des Tele­fons anstellt oder das Gerät vom Ohr weg­hält, ver­letzt er das Per­sön­lich­keits­recht des Gesprächs­part­ners. Die Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung hat in die­sen Fäl­len nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Fol­ge, dass der heim­lich Mit­hö­ren­de nicht als Zeu­ge zum Gesprächs­in­halt des Tele­fo­nats ver­nom­men wer­den darf. Dage­gen besteht dann, wenn der Ange­ru­fe­ne nichts dazu bei­getra­gen hat, dass der Drit­te das Tele­fon­ge­spräch mit­hö­ren konn­te, kein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot. Das Inter­es­se des Ange­ru­fe­nen an der Durch­set­zung sei­ner im Ein­zel­fall auch grund­recht­lich geschütz­ten Rech­te in einem gericht­li­chen Ver­fah­ren sowie das Inter­es­se der All­ge­mein­heit an einer funk­ti­ons­fä­hi­gen Rechts­pfle­ge und mate­ri­ell rich­ti­gen Ent­schei­dung über­wie­gen das Inter­es­se des Anru­fers am Schutz sei­nes Per­sön­lich­keits­rechts.

Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot bei mit­ge­hör­ten Tele­fon­ge­sprä­chen

Das beklag­te Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men kün­dig­te der Klä­ge­rin inner­halb der sechs­mo­na­ti­gen War­te­zeit des § 1 Abs. 1 KSchG. Zum Zeit­punkt der Kün­di­gung war die Klä­ge­rin arbeits­un­fä­hig. Die Klä­ge­rin hält die Kün­di­gung für sit­ten­wid­rig und hat gel­tend gemacht, sie sei unmit­tel­bar vor der Kün­di­gung von der Per­so­nal­dis­po­nen­tin der Beklag­ten ange­ru­fen wor­den. Die­se habe ihr gesagt, sie sol­le trotz der Arbeits­un­fä­hig­keit zur Arbeit kom­men, andern­falls müs­se sie mit einer Kün­di­gung rech­nen. Die Beklag­te hat die behaup­te­te Äuße­rung der Per­so­nal­dis­po­nen­tin bestrit­ten. Für die Rich­tig­keit ihrer Behaup­tung hat sich die Klä­ge­rin auf das Zeug­nis einer bei dem Tele­fo­nat anwe­sen­den Freun­din beru­fen, wel­che das Gespräch zufäl­lig ohne ihr Wis­sen mit­ge­hört habe.

Das Arbeits­ge­richt hat die Per­so­nal­dis­po­nen­tin als Zeu­gin ver­nom­men und die Kla­ge abge­wie­sen. Eine Ver­neh­mung der Freun­din der Klä­ge­rin hat es abge­lehnt, weil inso­weit ein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot bestehe. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Mün­chen hat die Beru­fung der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen.

Die Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt Erfolg. Die Sache wur­de an das Lan­des­ar­beits­ge­richt Mün­chen zur wei­te­ren Sach­ver­halts­auf­klä­rung zurück­ver­wie­sen. Unter Zugrun­de­le­gung des Pro­zess­vor­trags der Klä­ge­rin wür­de die Kün­di­gung eine nach § 612a BGB unzu­läs­si­ge Maß­re­ge­lung dar­stel­len. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt durf­te von der Ver­neh­mung der Freun­din der Klä­ge­rin als Zeu­gin nur abse­hen, wenn die Klä­ge­rin die­ser ziel­ge­rich­tet ermög­licht hat­te, das Tele­fon­ge­spräch heim­lich mit­zu­hö­ren. Hier­zu hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt bis­lang kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. April 2009 – 6 AZR 189/​08