Bezug­nah­me auf Tarif­ver­trag und Betriebs­über­gang in Alt­fäl­len

Durch die Bezug­nah­me im Arbeits­ver­trag sind die Rege­lun­gen der dort genann­ten Tarif­ver­trä­ge Inhalt des Arbeits­ver­tra­ges der dama­li­gen Arbeits­ver­trags­par­tei­en gewor­den. Auf der Grund­la­ge der frü­he­ren, aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes für vor dem 01.01.2002 geschlos­se­ne Ver­trä­ge fort­zu­füh­ren­den Senats­recht­spre­chung han­delt es sich bei die­ser Ver­trags­klau­sel um eine soge­nann­te Gleich­stel­lungs­ab­re­de. Fol­ge davon ist, dass die im Ver­trag vor­ge­se­he­ne Dyna­mik der in den Arbeits­ver­trag inkor­po­rier­ten jewei­li­gen tarif­li­chen Rege­lun­gen davon abhän­gig ist, dass die Arbeit­ge­be­rin die betref­fen­den Tarif­ver­trä­ge auch tarif­recht­lich gegen­über den an die­se Tarif­ver­trä­ge tarif­ge­bun­de­nen Arbeit­neh­mern anwen­den muss.

Bezug­nah­me auf Tarif­ver­trag und Betriebs­über­gang in Alt­fäl­len

Nach der frü­he­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts galt die wider­leg­li­che Ver­mu­tung, dass es einem an arbeits­ver­trag­lich in Bezug genom­me­ne Tarif­ver­trä­ge gebun­de­nen Arbeit­ge­ber nur dar­um geht, durch die Bezug­nah­me die nicht orga­ni­sier­ten Arbeit­neh­mer mit den orga­ni­sier­ten hin­sicht­lich der Gel­tung des in Bezug genom­me­nen Tarif­werks gleich­zu­stel­len. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ging davon aus, dass mit einer sol­chen von einem tarif­ge­bun­de­nen Arbeit­ge­ber gestell­ten Ver­trags­klau­sel ledig­lich die mög­li­cher­wei­se feh­len­de Gebun­den­heit des Arbeit­neh­mers an die im Arbeits­ver­trag genann­ten Tarif­ver­trä­ge ersetzt wer­den soll, um jeden­falls zu einer ver­trag­li­chen Anwen­dung des ein­schlä­gi­gen Tarif­ver­tra­ges zu kom­men und damit zu des­sen Gel­tung für alle Beschäf­tig­ten 1.

Dar­aus hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt die Kon­se­quenz gezo­gen, dass auch ohne wei­te­re Anhalts­punk­te im Ver­trags­text oder Begleit­um­stän­den bei Ver­trags­schluss bei Tarif­ge­bun­den­heit des Arbeit­ge­bers an die in Bezug genom­me­nen Tarif­ver­trä­ge Bezug­nah­me­klau­seln wie die im Arbeits­ver­trag vom 18.05.1998 in aller Regel als soge­nann­te Gleich­stel­lungs­ab­re­den aus­zu­le­gen sei­en 2. Die Ver­wei­sung auf einen Tarif­ver­trag oder ein Tarif­werk in der jeweils gel­ten­den Fas­sung wur­de des­halb ein­schrän­kend dahin aus­ge­legt, dass die auf die­se Wei­se zum Aus­druck gebrach­te Dyna­mik nur so weit reicht, wie sie bei einem tarif­ge­bun­de­nen Arbeit­neh­mer reicht, also dann endet, wenn der Arbeit­ge­ber wegen Weg­falls der eige­nen Tarif­ge­bun­den­heit nicht mehr nor­ma­tiv an künf­ti­ge Tarif­ent­wick­lun­gen gebun­den ist 3. Ab die­sem Zeit­punkt sind die in Bezug genom­me­nen Tarif­ver­trä­ge nur noch sta­tisch anzu­wen­den.

Die­se Aus­le­gungs­re­gel zur Fest­stel­lung einer Gleich­stel­lungs­ab­re­de hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt auf­ge­ge­ben. Es wen­det sie aber aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes wei­ter­hin auf Bezug­nah­me­klau­seln an, die vor dem 1. Janu­ar 2002 ver­ein­bart wor­den sind 4.

Da im hier ent­schie­de­nen Fall die im Arbeits­ver­trag ent­hal­te­ne dyna­mi­sche Ver­wei­sung auf den BMT‑G (und dadurch auch den BMT‑G II) am 18. Mai 1998 ver­ein­bart wor­den ist, kommt bei des­sen Aus­le­gung wei­ter­hin die frü­he­re BAG-Recht­spre­chung zum Tra­gen. Danach ist die Bezug­nah­me­klau­sel in § 2 des Arbeits­ver­tra­ges eine Gleich­stel­lungs­ab­re­de. Sie ver­weist auf die fach­lich ein­schlä­gi­gen Tarif­ver­trä­ge, an die die dama­li­ge Arbeit­ge­be­rin tarif­ge­bun­den war. Auf die­se Wei­se sind deren Rege­lun­gen mit der sich aus dem Cha­rak­ter als Gleich­stel­lungs­ab­re­de erge­ben­den Maß­ga­be Inhalt des Arbeits­ver­tra­ges der Klä­ge­rin gewor­den 5.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urtei­le vom 17. Novem­ber 2010 – 4 AZR 403/​09, 4 AZR 404/​09, 4 AZR 405/​09, 4 AZR 407/​09 und 4 AZR 408/​09

  1. vgl. nur BAG 23.01.2008 – 4 AZR 602/​06, AP TVG § 1 Bezug­nah­me auf Tarif­ver­trag Nr. 63 = EzA TVG § 3 Bezug­nah­me auf Tarif­ver­trag Nr. 38; 01.12. 2004 – 4 AZR 50/​04, BAGE 113, 40, 42 f.; 25.09. 2002 – 4 AZR 294/​01, BAGE 103, 9, 14; 21.08.2002 – 4 AZR 263/​01, BAGE 102, 275, 278 ff.[]
  2. vgl. nur 10.12. 2008 – 4 AZR 881/​07, Rn. 18 mwN, AP TVG § 1 Bezug­nah­me auf Tarif­ver­trag Nr. 68; 14.12.2005 – 4 AZR 536/​04, Rn. 12 ff. mwN, BAGE 116, 326; 01.12. 2004 – 4 AZR 50/​04, mwN, BAGE 113, 40; 21.08.2002 – 4 AZR 263/​01, mwN, BAGE 102, 275[]
  3. vgl. im Ein­zel­nen BAG 18.03.2009 – 4 AZR 64/​08, Rn. 28, BAGE 130, 43[]
  4. st. Rspr., vgl. nur BAG 26.08.2009 – 4 AZR 285/​08, Rn. 49, AP TVG § 3 Nr. 45 = EzA TVG § 3 Nr. 32; 18.04.2007 – 4 AZR 652/​05, Rn. 29 ff., BAGE 122, 74; 14.12. 2005 – 4 AZR 536/​04, Rn. 24 ff., BAGE 116, 326[]
  5. zu ver­gleich­ba­ren Klau­seln BAG 18.11.2009 – 4 AZR 514/​08, Rn. 20, AP TVG § 1 Bezug­nah­me auf Tarif­ver­trag Nr. 70 = EzA TVG § 3 Bezug­nah­me auf Tarif­ver­trag Nr. 43; 10.12. 2008 – 4 AZR 881/​07, Rn. 18, AP TVG § 1 Bezug­nah­me auf Tarif­ver­trag Nr. 68; 14.12. 2005 – 4 AZR 536/​04, Rn. 12 ff., BAGE 116, 326; 19.03.2003 – 4 AZR 331/​02, BAGE 105, 284[]