Bruch­tei­le von Urlaubs­ta­gen – und ihre Run­dung

Hat ein Arbeit­neh­mer Anspruch auf Urlaub, der weni­ger als einen hal­ben Urlaubs­tag beträgt, ist der Anspruch weder auf vol­le Urlaubs­ta­ge auf- noch auf vol­le Urlaubs­ta­ge abzu­run­den, sofern nicht gesetz­li­che, tarif- oder arbeits­ver­trag­li­che Bestim­mun­gen Abwei­chen­des regeln. Es ver­bleibt bei dem Anspruch auf den bruch­tei­li­gen Urlaubs­tag.

Bruch­tei­le von Urlaubs­ta­gen – und ihre Run­dung

Die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, für die § 5 Abs. 2 BUr­lG eine Run­dung von Urlaubs­an­sprü­chen vor­sieht, lie­gen hier nicht vor. Gemäß § 5 Abs. 2 BUr­lG sind Bruch­tei­le von Urlaubs­ta­gen, die min­des­tens einen hal­ben Tag erge­ben, auf vol­le Urlaubs­ta­ge auf­zu­run­den. Zum einen ergibt der von der Arbeit­neh­me­rin bean­spruch­te Bruch­teil (0,25 Arbeits­ta­ge Urlaub) nicht einen hal­ben Urlaubs­tag. Zum ande­ren beant­wor­tet die Bestim­mung allein die Fra­ge, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Teil­ur­laub nach § 5 Abs. 1 BUr­lG zu run­den ist 1. Der der Arbeit­neh­me­rin für das Jahr 2008 zuste­hen­de Urlaub ist kein Teil­ur­laub iSd. § 5 Abs. 1 BUr­lG, son­dern resul­tiert dar­aus, dass das Arbeits­ge­richt – inso­weit rechts­kräf­tig – davon aus­ge­gan­gen ist, die Anwen­dung des § 17 Abs. 1 Satz 1 BEEG füh­re zu einem bruch­tei­li­gen Urlaubs­an­spruch.

§ 5 Abs. 2 BUr­lG schließt dar­über hin­aus nicht aus, dass einem Arbeit­neh­mer ein Urlaubs­an­spruch zusteht, der sich nach Bruch­tei­len bemisst. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist der Vor­schrift im Umkehr­schluss nur zu ent­neh­men, dass ein Urlaubs­an­spruch, der weni­ger als einen hal­ben Tag umfasst, nicht auf­zu­run­den ist, nicht aber, dass er ersatz­los ent­fällt 2. Das arbeits­recht­li­che Schrift­tum hat sich die­ser Sicht­wei­se ange­schlos­sen 3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. Janu­ar 2018 – 9 AZR 200/​17

  1. vgl. BAG 31.05.1990 – 8 AZR 296/​89, zu III 2 der Grün­de, BAGE 65, 176[]
  2. vgl. BAG 14.02.1991 – 8 AZR 97/​90, zu 2 der Grün­de, BAGE 67, 217 unter Bezug­nah­me auf BAG 26.01.1989 – 8 AZR 730/​87, zu 4 der Grün­de, BAGE 61, 52[]
  3. vgl. Arnold/​Tillmanns/​Arnold BUr­lG 3. Aufl. § 5 Rn. 34; ErfK/​Gallner 18. Aufl. § 5 BUr­lG Rn. 21; AR/​Gutzeit 8. Aufl. § 5 BUr­lG Rn. 16; Leinemann/​Linck Urlaubs­recht 2. Aufl. § 5 BUr­lG Rn. 41 ff.; HWK/​Schinz 7. Aufl. § 5 BUr­lG Rn. 37 f.; für den Anspruch des Arbeit­neh­mers auf Abgel­tung nicht genom­me­ner Bruch­tei­le von Urlaubs­ta­gen sie­he fer­ner: Heil­mann Urlaubs­recht 5. Aufl. § 5 BUr­lG Rn. 11; Neu­mann in Neumann/​Fenski/​Kühn BUr­lG 11. Aufl. § 5 Rn. 36[]