"Brut­to" /​"net­to" – und die erfor­der­li­che Beschwer für die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de bedarf zu ihrer Zuläs­sig­keit einer Beschwer des Beschwer­de­füh­rers. Die Beschwer des Klä­gers als Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­füh­rer ergibt sich aus der Dif­fe­renz zwi­schen dem vor dem Beru­fungs­ge­richt in der Sache gestell­ten Antrag und der dar­über ergan­ge­nen Ent­schei­dung.

<span class="Brut­to" /​"net­to" – und die erfor­der­li­che Beschwer für die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de" title=""Brutto" / "netto" - und die erforderliche Beschwer für die Nichtzulassungsbeschwerde" srcset="" data-srcset="https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/blacksmith-2740128_1920.jpg 1920w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/blacksmith-2740128_1920-300x200.jpg 300w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/blacksmith-2740128_1920-768x512.jpg 768w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/blacksmith-2740128_1920-1024x683.jpg 1024w" sizes="(max-width: 880px) 100vw, 880px">

Die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt kann nach § 72a Abs. 1 ArbGG selb­stän­dig durch Beschwer­de ange­foch­ten wer­den und ist damit stets statt­haft. Doch bedarf eine Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – wie jedes Rechts­mit­tel und jeder Rechts­be­helf – des Rechts­schutz­be­dürf­nis­ses. Die­ses setzt vor­aus, dass der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­füh­rer durch die anzu­fech­ten­de Ent­schei­dung beschwert ist 1.

Die Beschwer eines Klä­gers als Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­füh­rer ergibt sich aus der Dif­fe­renz zwi­schen dem vor dem Beru­fungs­ge­richt gestell­ten Sach­an­trag und der dar­über ergan­ge­nen Ent­schei­dung; bei nicht ein­deu­ti­gem Tenor kann sie sich auch aus den Grün­den erge­ben 2. Dar­an fehlt es vor­lie­gend.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat vor­lie­gend den Anträ­gen des Klä­gers in vol­lem Umfang statt­ge­ge­ben. Der Zusatz "brut­to" ist kei­ne Ein­schrän­kung eines ohne die­sen Zusatz gestell­ten Antrags, son­dern ver­deut­licht nur, was von Geset­zes wegen gilt. Unter­liegt eine vom Arbeit­ge­ber bezo­ge­ne Leis­tung der Steu­er und/​oder Sozi­al­ab­ga­ben, ist der Arbeit­neh­mer nach § 38 Abs. 2 EStG Schuld­ner der Lohn­steu­er und muss im Innen­ver­hält­nis zum Arbeit­ge­ber den ihn tref­fen­den Teil des Gesamt­so­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trags tra­gen, § 28g SGB IV 3.

Etwas ande­res gilt nur dann, wenn auf­grund einer Net­to­lohn­ver­ein­ba­rung die gesetz­li­chen Abga­ben und Bei­trä­ge nicht zu Las­ten des Arbeit­neh­mers, son­dern ins­ge­samt zu Las­ten des Arbeit­ge­bers gehen sol­len 4. In einem sol­chen Fal­le muss der Arbeit­neh­mer bei strei­ti­ger Zah­lungs­pflicht eine Net­to­lohn­kla­ge erhe­ben 5. Dabei ist es zur Bestimmt­heit des Antrags (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO) erfor­der­lich, in dem Kla­ge­an­trag die begehr­te Zah­lung aus­drück­lich als "net­to" zu bezeich­nen, ande­ren­falls es bei der gesetz­li­chen Ver­tei­lung der Steu­er- und Bei­trags­last ver­bleibt.

Eine ent­spre­chen­de Antrag­stel­lung hat der Klä­ger nach dem für das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­bind­li­chen (§ 314 Satz 1 ZPO) Tat­be­stand der anzu­fech­ten­den Ent­schei­dung ver­säumt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 17. Febru­ar 2016 – 5 AZN 981/​15

  1. BAG 15.02.2012 – 7 ABN 59/​11, Rn. 3; 28.02.2008 – 3 AZB 56/​07, Rn. 18 mwN[]
  2. vgl. BAG 13.12 2012 – 6 AZR 348/​11, Rn. 29, BAGE 144, 125; GK-ArbGG/­Mi­kosch Stand Dezem­ber 2015 § 74 Rn. 65; GWBG/​Benecke ArbGG 8. Aufl. § 74 Rn. 26, jeweils mwN[]
  3. BAG 21.09.2011 – 5 AZR 629/​10, Rn. 26 mwN, BAGE 139, 181[]
  4. BAG 26.08.2009 – 5 AZR 616/​08, Rn. 17[]
  5. vgl. BAG 8.04.1987 – 5 AZR 60/​86, zu II 2 der Grün­de[]