Con­tai­ner­si­gna­tur – und die nach­träg­li­che Zulas­sung der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge

Es wider­spricht dem Gebot eines fai­ren Ver­fah­rens, die nach­träg­li­che Zulas­sung der Kla­ge aus­zu­schlie­ßen, wenn das Gericht dem Klä­ger einen bereits bei Kla­ge­ein­gang erkenn­ba­ren Man­gel erst nach Ablauf der Sechs-Monats-Frist ent­ge­gen­hält und es bis dahin zu erken­nen gege­ben hat, es hält die Kla­ge für frist­ge­recht.

Con­tai­ner­si­gna­tur – und die nach­träg­li­che Zulas­sung der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, dass eine Kün­di­gungs­schutz­kla­ge auch spä­ter als sechs Mona­te nach Ablauf der Kla­ge­frist nach­träg­lich zuge­las­sen wer­den kann. In dem der Ent­schei­dung zugrun­de­lie­gen­den Fall war die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge sechs Tage nach Zugang der Kün­di­gung als elek­tro­ni­sches Doku­ment mit einer soge­nann­ten Con­tai­ner­si­gna­tur über das Elek­tro­ni­sche Gerichts- und Ver­wal­tungs­post­fach (EGVP) des Arbeits­ge­richts ein­ge­reicht wor­den, wel­ches die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ohne Hin­weis auf die Con­tai­ner­si­gna­tur für frist­ge­recht hielt und ihr statt­ge­ge­ben hat [1].

Nach Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg war die Signa­tur als unzu­läs­sig anzu­se­hen, weil § 4 Absatz 2 der Elek­tro­ni­scher-Rechts­ver­kehr-Ver­ord­nung (ERVV) elek­tro­ni­sche Signa­tu­ren seit dem 1. Janu­ar 2018 aus­schließt, wel­che sich auf meh­re­re elek­tro­ni­sche Doku­men­te bezie­hen. Mit einer auf die­se Wei­se an das Gericht über­mit­tel­ten Kün­di­gungs­schutz­kla­ge wer­de die Kla­ge­frist nicht gewahrt.

Aller­dings hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg jedoch einen in der Beru­fungs­in­stanz gestell­ten Antrag auf nach­träg­li­che Zulas­sung der neu ein­ge­reich­ten Kün­di­gungs­schutz­kla­ge für zuläs­sig gehal­ten, obwohl zu die­sem Zeit­punkt die Kla­ge­frist bereits mehr als sechs Mona­te ver­stri­chen war. Dem ste­he § 5 Absatz 3 Satz 2 KSchG nicht ent­ge­gen, weil das Arbeits­ge­richt bis über den Ablauf der Sechs-Monats-Frist hin­aus dem Ver­fah­ren in der Sache Fort­gang gege­ben und in der Sache ent­schie­den habe. Es wider­spre­che dem Gebot eines fai­ren Ver­fah­rens, die nach­träg­li­che Zulas­sung der Kla­ge aus­zu­schlie­ßen, wenn das Arbeits­ge­richt dem Klä­ger einen bereits bei Kla­ge­ein­gang erkenn­ba­ren Man­gel erst nach Ablauf der Sechs-Monats-Frist ent­ge­gen­hal­te und es bis dahin zu erken­nen gege­ben habe, es hal­te die Kla­ge für frist­ge­recht.

Dass der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Klä­ge­rin die Unzu­läs­sig­keit der Con­tai­ner­si­gna­tur habe erken­nen kön­nen, sei ohne Belang, weil das Arbeits­ge­richt die Klä­ge­rin bei ord­nungs­ge­mä­ßem Geschäfts­gang noch vor Ablauf der Kla­ge­frist auf den Man­gel hät­te hin­wei­sen kön­nen.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 7. Novem­ber 2019 – 5 Sa 134/​19

  1. ArbG Ber­lin, Urteil vom 05.12.2018 – 56 Ca 4481/​18[]