Das Kin­der­rei­se­bett vom Sperr­müll und die Kün­di­gung des Müll­manns

Die Mit­nah­me eines vom (frü­he­ren) Eigen­tü­mer zum Müll gege­be­nen Kin­der­rei­se­bet­tes durch einen Mit­ar­bei­ter des Müll­un­ter­neh­mens recht­fer­tigt kei­ne Kün­di­gung die­ses Arbeits­ver­hält­nis­ses.

Das Kin­der­rei­se­bett vom Sperr­müll und die Kün­di­gung des Müll­manns

In einem ges­tern vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg – Kam­mern Mann­heim – ent­schie­de­nen Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­ren wur­de der Klä­ger wur­de von der Beklag­ten, einem Abfall­ent­sor­gungs­un­ter­neh­men, seit über acht Jah­ren als Hof­ar­bei­ter im Rah­men der Alt­pa­pier­ent­sor­gung beschäf­tigt. Der Klä­ger fand in einem Alt­pa­pier­con­tai­ner, des­sen Inhalt zur Ent­sor­gung anstand, einen Kar­ton, der ein Kin­der­rei­se­bett ent­hielt und nahm die­ses an sich, ohne die Beklag­te zuvor um Erlaub­nis zu fra­gen. Die Beklag­te kün­dig­te das Arbeits­ver­hält­nis des Klä­gers außer­or­dent­lich frist­los und warf die­sem Dieb­stahl vor, wobei der Klä­ger durch vor­her­ge­hen­de Abmah­nun­gen dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den sei, dass auch die Mit­nah­me zu ent­sor­gen­der Gegen­stän­de grund­sätz­lich ver­bo­ten und nur im Fal­le aus­drück­li­cher Gestat­tung durch die Arbeit­ge­be­rin erlaubt sei. Der Klä­ger hält die Kün­di­gung jeden­falls für unver­hält­nis­mä­ßig.

Die gegen die Kün­di­gung vom Klä­ger erho­be­ne Kla­ge war vor dem Arbeits­ge­richt Mann­heim erfolg­reich [1]. Die beklag­te Arbeit­ge­be­rin, die eine Abwei­sung der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge erstrebt, wen­de­te sich gegen die­ses Urteil des Arbeits­ge­richts mit ihrer zum Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg – Kam­mern Mann­heim – ein­ge­leg­ten Beru­fung. Die Beru­fung der Arbeit­ge­be­rin blieb jedoch ohne Erfolg, das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Beru­fung der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen und damit das Urteil des Arbeits­ge­richts bestä­tigt.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ließ sich dabei von der Über­le­gung lei­ten, dass auch wenn ein Pflicht­ver­stoß des Klä­gers und ein „Kün­di­gungs­grund an sich“ zu Guns­ten der Beklag­ten eben­so ange­nom­men wür­de, wie eine zuvor erfolg­te Abmah­nung, im Rah­men einer abschlie­ßen­den Inter­es­sen­ab­wä­gung das Bestands­schutz­in­ter­es­se des Klä­gers im Ergeb­nis Vor­rang hat. Dies gilt vor allem ange­sichts des lang­jäh­ri­gen, im Wesent­li­chen stö­rungs­frei ver­lau­fe­nen Arbeits­ver­hält­nis­ses des Klä­gers und des feh­len­den wirt­schaft­li­chen Wer­tes der unmit­tel­bar zur Ent­sor­gung anste­hen­den und bereits im Müll befind­li­chen Sache.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 10. Febru­ar 2010 – 13 Sa 59/​09

  1. ArbG Mann­heim, Urteil vom 30.07.2009 -15 Ca 278/​08[]