Das Küs­sen der Arbeitskollegin

Wer auf einer dienst­lich ver­an­lass­ten Rei­se eine Arbeits­kol­le­gin gegen ihren Wil­len zu küs­sen ver­sucht und auch tat­säch­lich küsst, ver­letzt sei­ne Pflicht, auf die berech­tig­ten Inter­es­sen sei­nes Arbeit­ge­bers Rück­sicht zu neh­men (§ 241 Abs. 2 BGB) in erheb­li­cher Wei­se. Ein sol­ches Ver­hal­ten ist an sich geeig­net, eine frist­lo­se Kün­di­gung zu rechtfertigen.

Das Küs­sen der Arbeitskollegin

In dem hier vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln ent­schie­de­nen Fall war der kla­gen­de Arbeit­neh­mer seit 1996 bei der beklag­ten Arbeit­ge­be­rin als EDI-Mana­ger beschäf­tigt. Die Beklag­ten hat­te am 16.09.2019 eine Kol­le­gin ein­ge­stellt, die zuvor bereits als Werk­stu­den­tin bei ihr beschäf­tigt war. Wäh­rend des Werk­stu­di­ums hat­te der Klä­ger die­se jeden­falls ein­mal von hin­ten an die Schul­tern gefasst, wor­auf­hin sie ihm sag­te, dass er das las­sen sol­le. Auf einer zwei­tä­gi­gen Team­klau­sur Ende Sep­tem­ber 2019 ver­such­te der Klä­ger abends in der Hotel­bar mehr­fach, sei­ner Kol­le­gin trotz ihrer geäu­ßer­ten Ableh­nung sei­ne Jacke umzu­le­gen. Dies ver­an­lass­te eine ande­re anwe­sen­de Mit­ar­bei­te­rin, ihn auf­zu­for­dern, damit auf­zu­hö­ren. Spä­ter folg­te er der Kol­le­gin auf dem Rück­weg von der Hotel­bar zu ihrem Zim­mer, obwohl sie auf sei­ne mit­ge­teil­te Absicht, noch mit zu ihr zu kom­men, erklärt hat­te, dass sie das nicht wol­le. Vor ihrem Zim­mer zog er sie zu sich her­an und ver­such­te, sie zu küs­sen. Nach­dem die Kol­le­gin ihn weg­ge­drückt hat­te, zog er sie erneut zu sich her­an und schaff­te es, sie zu küs­sen. Die Kol­le­gin drück­te ihn noch­mals weg, öff­ne­te ihre Zim­mer­tür, ging schnell hin­ein und ver­schloss die Tür von innen. In einer anschlie­ßen­den Whats­App-Nach­richt schrieb ihr der Klä­ger, er hof­fe, sie sei ihm nicht böse.

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Nach­dem die Kol­le­gin ihrem Vor­ge­setz­ten von dem Vor­fall berich­tet hat­te, kün­dig­te die Beklag­te das Arbeits­ver­hält­nis nach Anhö­rung des Klä­gers frist­los, hilfs­wei­se frist­ge­recht. Das Arbeits­ge­richt Köln hat die gegen die­se Kün­di­gung gerich­te­te Kla­ge nach Durch­füh­rung einer Beweis­auf­nah­me durch Ver­neh­mung meh­re­rer Kol­le­gen abge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln hat dies nun bestä­tigt und die Beru­fung des Arbeit­neh­mers zurückgewiesen.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat kei­ne Anhalts­punk­te gese­hen, die Zwei­fel an der Rich­tig­keit oder Voll­stän­dig­keit der erst­in­stanz­li­chen Fest­stel­lun­gen begrün­den könn­ten. Ins­be­son­de­re habe es kei­ner Abmah­nung bedurft, da für den Klä­ger erkenn­bar gewe­sen sei, dass er mit der sexu­el­len Beläs­ti­gung sei­ner Kol­le­gin eine rote Linie über­schrit­ten habe, die eine Fort­set­zung des Arbeits­ver­hält­nis­ses für die Beklag­te, deren Ver­pflich­tung es sei, ihre weib­li­chen Mit­ar­bei­ter vor sexu­el­len Beläs­ti­gun­gen zu schüt­zen, unzu­mut­bar gemacht habe.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Urteil vom 1. April 2021 – 8 Sa 798/​20