Das Unter­las­sungs­be­geh­ren des Betriebs­rats

Der Streit­ge­gen­stand eines Beschluss­ver­fah­rens, in dem der Betriebs­rat den Arbeit­ge­ber auf die künf­ti­ge Unter­las­sung von mit­be­stim­mungs­wid­rig durch­ge­führ­ten Ver­set­zun­gen in Anspruch nimmt, bestimmt sich nach dem zur Ent­schei­dung gestell­ten Antrag und dem zu sei­ner Begrün­dung ange­führ­ten Anlass­fall. Die die­sem zugrun­de lie­gen­de Ver­let­zungs­hand­lung muss der Betriebs­rat in sei­nem Antrag abs­tra­hie­rend beschrei­ben.

Das Unter­las­sungs­be­geh­ren des Betriebs­rats

Nach dem auch im arbeits­ge­richt­li­chen Beschluss­ver­fah­ren anwend­ba­ren § 322 Abs. 1 ZPO sind Beschlüs­se der Rechts­kraft fähig, soweit über den durch den Antrag erho­be­nen Anspruch ent­schie­den ist 1. Die mate­ri­el­le Rechts­kraft­wir­kung sol­cher Beschlüs­se hin­dert grund­sätz­lich, dass bei Iden­ti­tät der Betei­lig­ten und des Sach­ver­halts die bereits rechts­kräf­tig ent­schie­de­ne Fra­ge den Gerich­ten zur erneu­ten Ent­schei­dung unter­brei­tet wer­den kann. Der Begriff des Anspruchs in § 322 Abs. 1 ZPO bezeich­net den pro­zes­sua­len Anspruch im Sin­ne der Streit­ge­gen­stands­leh­re. Die objek­ti­ven Gren­zen der Rechts­kraft des Ent­schei­dungs­ge­gen­stan­des wer­den durch den Streit­ge­gen­stand des vor­an­ge­hen­den Ver­fah­rens bestimmt 2. Die­ser rich­tet sich nach dem zur Ent­schei­dung gestell­ten Antrag (Kla­ge­ziel) und dem zuge­hö­ri­gen Lebens­sach­ver­halt (Kla­ge­grund), aus dem die begehr­te Rechts­fol­ge her­ge­lei­tet wird 3. Zur Rechts­kraft­wir­kung gehört auch die Prä­k­lu­si­on der im vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­fah­ren vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen. Die­se erstreckt sich auch auf die dort nicht vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen, sofern die­se nicht erst nach Schluss der Anhö­rung im Erst­ver­fah­ren ent­stan­den sind, son­dern bei natür­li­cher Anschau­ung zu dem in die­sem vor­ge­tra­ge­nen Lebens­sach­ver­halt gehö­ren 4. Dabei sind Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­grün­de, erfor­der­li­chen­falls auch das Par­tei­vor­brin­gen, ergän­zend her­an­zu­zie­hen, wenn die Urteils­for­mel, wie ins­be­son­de­re bei einer kla­ge­ab­wei­sen­den Ent­schei­dung, den Streit­ge­gen­stand und damit den Umfang der Rechts­kraft nicht erken­nen lässt )(BGH 23.09.1992 – I ZR 224/​90, NJW 1993, 333, 334)).

Bei einem Unter­las­sungs­an­trag besteht die begehr­te Rechts­fol­ge in dem Ver­bot einer bestimm­ten – als rechts­wid­rig ange­grif­fe­nen – Ver­hal­tens­wei­se (Ver­let­zungs­form), die der Antrag­stel­ler in sei­nem Antrag abs­tra­hie­rend beschrei­ben muss. Die Rechts­kraft der vor­an­ge­gan­ge­nen Ent­schei­dung wird durch den Kla­ge­an­trag und die vom Antrag­stel­ler vor­ge­tra­ge­ne und vom Gericht die­ser Ent­schei­dung zugrun­de geleg­te Ver­let­zungs­hand­lung begrenzt. Die­se stellt den Kla­ge­grund dar, durch den der Streit­ge­gen­stand der Unter­las­sungs­kla­ge neben dem Kla­ge­ziel bestimmt wird. Meh­re­re in das Ver­fah­ren ein­ge­führ­te gleich­ar­ti­ge Ver­let­zungs­hand­lun­gen, auf die ein Unter­las­sungs­an­trag mit einem bestimm­ten Antrags­ziel gestützt wird, bil­den dabei einen ein­heit­li­chen Kla­ge­grund. In Rechts­kraft erwächst der in die Zukunft gerich­te­te Ver­bots­aus­spruch nicht als sol­cher, son­dern nur in sei­nem Bezug auf die vom Gericht festgestellte(n) Verletzungshandlung(en) 5.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 19. Janu­ar 2010 – 1 ABR 55/​08

  1. BAG 06.06.2000 – 1 ABR 21/​99, m.w.N., BAGE 95, 47[]
  2. BAG 20.03.1996 – 7 ABR 41/​95, BAGE 82, 291[]
  3. BAG 01.02.1983 – 1 ABR 33/​78, BAGE 41, 316[]
  4. BGH 19.11.2003 – VIII ZR 60/​03, BGHZ 157, 47, 51, m.w.N.[]
  5. BGH 23.02.2006 – I ZR 272/​02, BGHZ 166, 253, 258 ff.[]