Das ver­klei­ner­te Orches­ter – oder: Ohne Hor­nist ist wie Peter ohne Wolf

Kün­digt der Arbeit­ge­ber einem Orches­ter­mu­si­ker, weil er das Orches­ter ver­klei­nern will, so kön­nen nach einem Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts die Arbeits­ge­rich­te die­se Ent­schei­dung nicht auf ihre künst­le­ri­sche Zweck­mä­ßig­keit hin über­prü­fen.

Das ver­klei­ner­te Orches­ter – oder: Ohne Hor­nist ist wie Peter ohne Wolf

Der Klä­ger des jetzt vom Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­schie­de­nen Falls ist Hor­nist. Er war seit dem Jahr 1991 als Orches­ter­mu­si­ker bei der Beklag­ten in ihrem städ­ti­schen Kam­mer­or­ches­ter beschäf­tigt. Nach­dem der Frei­staat Thü­rin­gen mit­ge­teilt hat­te, er wol­le die bis­her gewähr­ten Zuwen­dun­gen erheb­lich kür­zen, ent­schloss sich die Beklag­te, das Orches­ter – unter ande­rem durch Strei­chung aller Hor­nis­ten­stel­len – zu ver­klei­nern und das ver­blie­be­ne Rumpf­or­ches­ter bei Bedarf zu ergän­zen. Sie kün­dig­te das Arbeits­ver­hält­nis mit dem Klä­ger nach Anhö­rung des Betriebs­rats zum 31. Juli 2008. Ob, wie § 5 des ein­schlä­gi­gen Tarif­ver­trags vor­sieht, der Orches­ter­vor­stand vor der Kün­di­gung betei­ligt wur­de, ist strei­tig. Der Klä­ger hat die Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung gel­tend gemacht. Die Beset­zung eines Kam­mer­or­ches­ters ohne Horn bzw. Wald­horn sei unsin­nig und will­kür­lich, weil für zahl­rei­che Wer­ke der Orches­ter­mu­sik das Horn essen­ti­ell sei – so kön­ne das Stück „Peter und der Wolf“ nur noch als „Peter ohne Wolf“ auf­ge­führt wer­den.

Wie zuvor bereits vor dem Arbeits­ge­richt und dem Thü­rin­ger Lan­des­ar­beits­ge­richt 1 blieb die Kla­ge auch vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ohne Erfolg. Die Ver­klei­ne­rung des Orches­ters erfolg­te aus nach­voll­zieh­ba­ren wirt­schaft­li­chen Erwä­gun­gen, beschied das Bun­des­ar­beits­ge­richt den Klä­ger. Ob sie – an musi­ka­li­schen Maß­stä­ben gemes­sen – rich­tig war, hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt nicht zu beur­tei­len. Jeden­falls war sie nicht miss­bräuch­lich und ziel­te nicht dar­auf, ein­zel­ne, etwa unlieb­sa­me, Musi­ker aus dem Arbeits­ver­hält­nis zu drän­gen. Ein Unter­blei­ben der Betei­li­gung des Orches­ter­vor­stands führt nach dem Tarif­ver­trag nicht zur Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 27. Janu­ar 2011 – 2 AZR 9/​10

  1. Thü­rin­ger LAG, Urteil vom 25.08.2009 – 1 Sa 1/​09[]