Das Ver­trags­stra­fever­spre­chen des Arbeit­neh­mers

Ein im Arbeits­ver­trags­for­mu­lar ent­hal­te­nes Ver­trags­stra­fever­spre­chen, das für den Fall der Kün­di­gung des Arbeit­ge­bers aus wich­ti­gem Grun­de gel­ten soll, benach­tei­ligt den Arbeit­neh­mer unan­ge­mes­sen im Sin­ne von § 307 Absatz 1 Satz 2 BGB, da ein sol­ches Straf­ver­spre­chen nicht erken­nen lässt, wel­che kon­kre­ten Arbeit­neh­mer­pflich­ten durch das Ver­spre­chen beson­ders geschützt sein sol­len 1.

Das Ver­trags­stra­fever­spre­chen des Arbeit­neh­mers

Ein im Arbeits­ver­trags­for­mu­lar ent­hal­te­nes Ver­trags­stra­fever­spre­chen in Höhe eines hal­ben Jah­res­net­to­ent­gelts für den Fall, dass sich der Arbeit­neh­mer "wäh­rend der Dau­er der Zusam­men­ar­beit und sechs Mona­te" danach "abwer­ben" lässt "und ein Dienst­ver­hält­nis begrün­det" mit dem Auf­trag­ge­ber oder einem Auf­trag­neh­mer des Auf­trag­ge­bers ist unwirk­sam. Das dar­in ent­hal­te­ne nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot ist man­gels einer Ent­schä­di­gung unwirk­sam. Der unwirk­sa­me Teil der Klau­sel lässt sich nicht von der Klau­sel im Übri­gen tren­nen, so dass die gesam­te Klau­sel unwirk­sam ist.

Bei der Aus­le­gung und Anwen­dung eines von der Arbeit­ge­be­rin vor­for­mu­lier­ten Arbeits­ver­tra­ges sind die §§ 305 ff BGB her­an­zu­zie­hen.

Glo­ba­le Straf­ver­spre­chen, die auf die Absi­che­rung aller arbeits­ver­trag­li­chen Pflich­ten zie­len, sind wegen Ver­sto­ßes gegen das Bestimmt­heits­ge­bot unwirk­sam 2. Eine wirk­sa­me Ver­trags­stra­fen-Rege­lung muss erken­nen las­sen, wel­che kon­kre­ten Pflich­ten durch sie tat­säch­lich gesi­chert wer­den sol­len. Nur so kann der Arbeit­neh­mer erken­nen, was gege­be­nen­falls "auf ihn zukommt" 3. Soll bei­spiels­wei­se die Ver­trags­stra­fe ver­wirkt sein bei "schuld­haft ver­trags­wid­ri­gem Ver­hal­ten" han­delt es sich um eine unwirk­sa­me Klau­sel, da sie ohne nähe­re Kon­kre­ti­sie­rung der Pflich­ten­la­ge nicht die nöti­ge Warn­funk­ti­on ent­hält und im Übri­gen wegen des Straf­cha­rak­ters der Ver­trags­stra­fe auch rechts­staat­li­chen Grund­sät­zen nicht genügt 4.

Gemes­sen an die­sem Maß­stab ist die vor­lie­gen­de Ver­trags­stra­fen­ab­re­de man­gels aus­rei­chen­der Bestimmt­heit unwirk­sam. Die Ver­wir­kung der ver­ein­bar­ten Ver­trags­stra­fe, "wenn der Arbeit­ge­ber das Arbeits­ver­hält­nis frist­los kün­digt, weil ein wich­ti­ger Grund von Sei­ten des Arbeit­neh­mers vor­liegt", ist nicht klar und ver­ständ­lich, weil die Pflicht­ver­let­zun­gen, die die Ver­trags­stra­fe aus­lö­sen, nicht hin­rei­chend bestimmt sind. Die ver­ein­bar­te Ver­trags­stra­fe muss näm­lich nicht nur die zu leis­ten­de Stra­fe, son­dern auch die sie aus­lö­sen­de Pflicht­ver­let­zung so klar bezeich­nen, dass sich der Ver­spre­chen­de in sei­nem Ver­hal­ten dar­auf ein­stel­len kann 4.

Im Übri­gen ist die vor­lie­gen­de Ver­trags­stra­fen­re­ge­lung hin­sicht­lich des Ver­wir­kungs­grun­des zu weit gefasst und damit auch als sol­che inhalt­lich unan­ge­mes­sen. Da die Ver­trags­stra­fen­re­ge­lung ein­sei­tig nur an Pflicht­ver­let­zun­gen des Arbeit­neh­mers zu Guns­ten des Arbeit­ge­bers anknüpft, muss die Ver­wir­kung der Ver­trags­stra­fe nach Treu und Glau­ben den Inter­es­sen bei­der Arbeits­ver­trags­par­tei­en gerecht wer­den. Ist erkenn­bar, dass die Ver­trags­stra­fe in ers­ter Linie zur blo­ßen Schöp­fung neu­er; vom Sach­in­ter­es­se des Ver­wen­ders los­ge­lös­ter Geld­for­de­run­gen ein­ge­setzt wird, fehlt es am berech­tig­ten Inter­es­se des Arbeit­ge­bers 5.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg ‑Vor­pom­mern, Urteil vom 20. Janu­ar 2015 – 2 Sa 59/​14

  1. in Anleh­nung an BAG 21.04.2005 – 8 AZR 425/​04 – AP Nr. 3 zu § 307 BGB, NZA 2005, 1053[]
  2. BAG 21.04.2005 – 8 AZR 425/​04 – AP Nr. 3 zu § 307 BGB, NZA 2005, 1053 unter Ver­weis auf BAG 14.12 1988 – 5 AZR 10/​88 – und Mül­ler-Glö­ge in ErfK §§ 339 bis 345 BGB Rn. 15[]
  3. BAG 21.04.2005 aaO; BAG 12.01.2005 – 5 AZR 364/​04NZA 2005, 465[]
  4. BAG 21.04.2005 aaO[][]
  5. BAG 21.04.2005 aaO unter Ver­weis auf Preis/​Stoffels, Der Arbeits­ver­trag II V 30 Rn. 28 und im Anschluss an BGH 23.01.2003 – VII ZR 210/​01BGHZ 153, 311, 324, NJW 2003, 1805; 18.11.1982 – VII ZR 305/​81BGHZ 85, 305, 313 f., NJW 1983, 385[]