Der ange­stell­te Leh­rer – und sein Anspruch auf beam­ten­recht­li­che Aus­gleichs­zu­la­gen

Ein im Anstel­lungs­ver­hält­nis (hier: zum Land Sach­sen-Anhalt) ste­hen­der Leh­rer kann aus den bis zum 31.03.2011 nach § 1 Abs. 2 LBe­sG LSA aF für die Beam­ten des beklag­ten Lan­des gel­ten­den Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen des § 19a BBesG und § 13 Abs. 1 Satz 1 BBesG kei­ne Ansprü­che her­lei­ten. Glei­ches gilt für die ab dem 1.04.2011 maß­geb­li­che Vor­schrift des § 41 LBe­sG LSA. Weder § 2 Nr. 3 des Ände­rungs­ta­rif­ver­trags Nr. 1 zum BAT‑O vom 08.05.1991 noch die Leh­rer-Richt­li­ni­en­‑O der TdL oder die Leh­rer­ein­grup­pie­rungs­richt­li­ni­en LSA sehen die Anwend­bar­keit die­ser besol­dungs­recht­li­chen Anspruchs­grund­la­gen auf das Arbeits­ver­hält­nis des Leh­rers vor.

Der ange­stell­te Leh­rer – und sein Anspruch auf beam­ten­recht­li­che Aus­gleichs­zu­la­gen

§ 2 Nr. 3 des Ände­rungs­ta­rif­ver­trags Nr. 1 zum BAT‑O vom 08.05.1991 dient der ver­gü­tungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lung der Lehr­kräf­te, unab­hän­gig davon, ob sie im Beam­ten- oder Ange­stell­ten­ver­hält­nis ste­hen 1. Dies bezwe­cken auch die Leh­rer-Richt­li­ni­en­‑O der TdL und die Ein­grup­pie­rungs­richt­li­ni­en des beklag­ten Lan­des. Die im Ange­stell­ten­ver­hält­nis beschäf­tig­ten und nach ihren fach­li­chen und päd­ago­gi­schen Vor­aus­set­zun­gen mit den Beam­ten gleich­wer­ti­gen Lehr­kräf­te sol­len ein der Beam­ten­be­sol­dung annä­hernd glei­ches Ent­gelt erhal­ten. Dies ist sach­ge­recht, weil ange­stell­te und beam­te­te Lehr­kräf­te oft neben­ein­an­der an der­sel­ben Schu­le und zumeist unter weit­ge­hend glei­chen äuße­ren Arbeits­be­din­gun­gen tätig sind 2. Ein voll­stän­di­ger Gleich­lauf von Beam­ten­be­sol­dung und Ange­stell­ten­ver­gü­tung ist auf­grund des unter­schied­li­chen Rechts­sta­tus der bei­den Per­so­nen­grup­pen recht­lich aber nicht zwin­gend gebo­ten 3. Die Anwend­bar­keit beam­ten­recht­li­cher Rege­lun­gen hängt des­halb von der Reich­wei­te ver­trag­li­cher oder tarif­ver­trag­li­cher Bezug­nah­men ab.

Die Rege­lung in § 2 Nr. 3 des Ände­rungs­ta­rif­ver­trags Nr. 1 zum BAT‑O vom 08.05.1991 betrifft nur die Ein­grup­pie­rung der ange­stell­ten Lehr­kräf­te 4.

Hin­sicht­lich der übri­gen Beschäf­ti­gungs­be­din­gun­gen ist eine Gleich­be­hand­lung mit den Beam­ten nicht vor­ge­se­hen 5. § 2 Nr. 3 des Ände­rungs­ta­rif­ver­trags Nr. 1 zum BAT‑O vom 08.05.1991 ver­weist auf kei­ne besol­dungs­recht­li­chen Besitz­stands­re­ge­lun­gen. Die hier inter­es­sie­ren­den § 13 Abs. 1, § 19a BBesG und § 41 LBe­sG LSA sind auch nicht ana­log anzu­wen­den. Das Rege­lungs­sys­tem des § 2 Nr. 3 des Ände­rungs­ta­rif­ver­trags Nr. 1 zum BAT‑O vom 08.05.1991 ist, gemes­sen an sei­ner eige­nen Rege­lungs­ab­sicht, nicht unvoll­stän­dig, so dass bereits des­halb kein Raum für eine Ana­lo­gie besteht 6. Eine annä­hernd glei­che Ver­gü­tung wird von den ange­stell­ten Lehr­kräf­ten in der Gesamt­schau auch ohne die Anwen­dung die­ser besol­dungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten erzielt, wel­che die beson­de­re Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn im Beam­ten­ver­hält­nis wider­spie­geln. Die finan­zi­el­len Inter­es­sen ein­zel­ner Betrof­fe­ner recht­fer­ti­gen nicht die Annah­me einer plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke.

Bezüg­lich des – vom Leh­rer rekla­mier­ten – Aus­gleichs­an­spruchs nach § 13 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 BBesG aF hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt bereits ent­schie­den, dass sich die­se Vor­schrift nicht mit der Ein­grup­pie­rung der Lehr­kraft befass­te und des­halb kei­ne Anwen­dung auf ange­stell­te Lehr­kräf­te fand 7. Dem steht die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 12.03.2008 8 nicht ent­ge­gen. Dort wird unter Rand­num­mern 19 ff. dar­ge­stellt, dass einem Beam­ten das ein­mal über­tra­ge­ne Amt nicht wie­der ent­zo­gen wer­den kön­ne. Stim­me der Beam­te einer Ver­wen­dung in einem nied­ri­ge­ren Amt zu, habe er einen Anspruch auf besol­dungs­mä­ßi­ge Besitz­stands­wah­rung aus § 13 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 BBesG aF. Die sich anschlie­ßen­de Aus­sa­ge in Rand­num­mer 23 der Ent­schei­dungs­grün­de, wonach die­se Grund­sät­ze "ent­spre­chend" für ange­stell­te Leh­rer göl­ten, bezieht sich auf die Ein­grup­pie­rung und nicht auf die Fra­ge des Aus­gleichs für eine Her­ab­grup­pie­rung. Hin­sicht­lich der Her­ab­grup­pie­rung gebie­tet die Gleich­stel­lung mit den beam­te­ten Lehr­kräf­ten eine Ände­rungs­ver­ein­ba­rung oder eine sozi­al gerecht­fer­tig­te Ände­rungs­kün­di­gung. Damit wird dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass dem für die beam­te­ten Lehr­kräf­te maß­geb­li­chen Beam­ten­recht eine Tarif­au­to­ma­tik fremd ist 9. Die den Beam­ten in Form einer Aus­gleichs­zu­la­ge zuste­hen­de Besitz­stands­wah­rung ist hier­von zu unter­schei­den.

Auch der Vor­trag, wonach § 13 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 BBesG aF – und damit auch des­sen Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen, zur Ver­mei­dung von Ver­set­zun­gen einen Anreiz für die Akzep­tanz einer Rückernen­nung habe schaf­fen wol­len, lässt kei­ne plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke in § 2 Nr. 3 des Ände­rungs­ta­rif­ver­trags Nr. 1 zum BAT‑O vom 08.05.1991 erken­nen. Bei die­ser Tarif­norm han­delt es sich um eine rei­ne Ver­gü­tungs­re­ge­lung. Der Leh­rer kann sich auch nicht dar­auf beru­fen, dass § 46 BBesG, der die vor­über­ge­hen­de ver­tre­tungs­wei­se Über­tra­gung eines höher­wer­ti­gen Amtes regelt, auf ange­stell­te Lehr­kräf­te ent­spre­chen­de Anwen­dung fin­det. Hier­bei han­delt es sich um einen Ersatz für die nicht anwend­ba­ren Ein­grup­pie­rungs­re­ge­lun­gen des § 24 BAT‑O bzw. § 14 TV‑L 10. Zudem galt § 46 BBesG nicht im beklag­ten Land (§ 1 Abs. 2 Satz 2 LBe­sG LSA aF).

Auch die Leh­rer-Richt­li­ni­en­‑O der TdL und die Leh­rer­ein­grup­pie­rungs­richt­li­ni­en LSA ent­hal­ten kei­ne Ver­wei­sung auf § 13 Abs. 1 BBesG, § 19a BBesG oder § 41 LBe­sG LSA. Im Gegen­teil sehen sowohl die Leh­rer-Richt­li­ni­en­‑O der TdL als auch die Leh­rer­ein­grup­pie­rungs­richt­li­ni­en LSA bezüg­lich der Zula­ge für die Tätig­keit eines Schul­lei­ters oder des­sen stän­di­gen Ver­tre­ters im Gegen­satz zum Besol­dungs­recht eine tat­be­stand­lich gebun­de­ne Ermes­sens­ent­schei­dung vor. Sind die in der Richt­li­nie in Bezug genom­me­nen schul­be­zo­ge­nen besol­dungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Anspruch auf die Amts­zu­la­ge nicht erfüllt, kann hier­nach auch einer ver­gleich­ba­ren ange­stell­ten Lehr­kraft nicht durch eine Ermes­sens­ent­schei­dung eine Zula­ge gewährt werden.Damit besteht inso­weit gera­de kein Gleich­lauf der Ver­gü­tung von ange­stell­ten und beam­te­ten Lehr­kräf­ten 11. Dies gilt auch für eine besol­dungs­recht­lich vor­ge­se­he­ne Aus­gleichs­zu­la­ge.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 13. Novem­ber 2014 – 6 AZR 1055/​12

  1. BAG 16.05.2002 – 6 AZR 198/​01, zu I 3 c der Grün­de[]
  2. vgl. BAG 27.02.2014 – 6 AZR 931/​12, Rn. 32; 16.05.2013 – 4 AZR 484/​11, Rn. 26; 11.07.2012 – 10 AZR 203/​11, Rn. 16; 20.06.2012 – 4 AZR 304/​10, Rn. 23; 12.03.2008 – 4 AZR 93/​07, Rn. 24, BAGE 126, 149[]
  3. BAG 18.06.2014 – 10 AZR 625/​13, Rn. 17[]
  4. BAG 29.09.2011 – 2 AZR 451/​10, Rn. 26[]
  5. BAG 5.09.2002 – 8 AZR 620/​01, zu B II 2 a der Grün­de; 12.08.1998 – 10 AZR 329/​97, zu II 1 c der Grün­de[]
  6. vgl. zu die­ser Vor­aus­set­zung BAG 16.05.2013 – 6 AZR 556/​11, Rn. 56, BAGE 145, 163; 24.05.2012 – 6 AZR 679/​10, Rn. 16, BAGE 142, 1[]
  7. BAG 5.09.2002 – 8 AZR 620/​01, zu B II 2 a der Grün­de[]
  8. BAG 12.03.2008 – 4 AZR 93/​07, BAGE 126, 149[]
  9. vgl. auch BAG 3.07.2014 – 6 AZR 753/​12, Rn. 18; 29.09.2011 – 2 AZR 451/​10, Rn. 21[]
  10. vgl. zu § 24 BAT‑O BAG 9.11.2005 – 4 AZR 434/​04, Rn. 22; 22.04.2004 – 8 AZR 652/​02, zu II 3 der Grün­de; 16.05.2002 – 6 AZR 198/​01, zu I 4 der Grün­de; zu § 14 TV‑L BAG 11.07.2012 – 10 AZR 203/​11, Rn. 12; zusam­men­fas­send BAG 16.05.2013 – 4 AZR 484/​11, Rn. 35 ff.[]
  11. vgl. BAG 18.06.2014 – 10 AZR 625/​13, Rn. 16; 12.03.2008 – 4 AZR 93/​07, Rn. 27, BAGE 126, 149; 14.09.2005 – 4 AZR 102/​04, zu I 2 b bb der Grün­de, BAGE 116, 1[]