Der arbeits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz – und die tarif­li­chen Bestim­mun­gen

Der arbeits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ist als Grund­prin­zip des deut­schen Arbeits­rechts gewohn­heits­recht­lich aner­kannt1.

Der arbeits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz – und die tarif­li­chen Bestim­mun­gen

Er ist zugleich Anspruchs­grund­la­ge und Schran­ke der Rechts­aus­übung. Der arbeits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ist ein Gebot der Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit, das ver­langt, Glei­ches gleich und Unglei­ches ent­spre­chend sei­ner Eigen­art ungleich zu behan­deln.

Er ver­bie­tet nicht nur die will­kür­li­che Schlech­ter­stel­lung ein­zel­ner Arbeit­neh­mer inner­halb einer Grup­pe, son­dern auch eine sach­frem­de Grup­pen­bil­dung2.

Er fin­det nur Anwen­dung, wenn der Arbeit­ge­ber Leis­tun­gen nach einem bestimm­ten erkenn­ba­ren und gene­ra­li­sie­ren­den Prin­zip auf­grund einer abs­trak­ten Rege­lung gewährt, indem er bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen oder einen bestimm­ten Zweck fest­legt3.

Eine fremd­ge­setz­te Ver­pflich­tung unter­liegt nicht dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. Es fehlt in die­sem Fall an der erfor­der­li­chen eigen­stän­di­gen Begrün­dung einer Anspruchs­grund­la­ge4.

Dies­be­züg­lich soll­te kei­ne selbst­ge­setz­te Ver­pflich­tung, son­dern nur eine tarif­li­che Vor­ga­be und damit eine fremd­ge­setz­te Ver­pflich­tung erfüllt wer­den. Ein sol­ches Ver­hal­ten unter­liegt nicht dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. Es fehlt an der erfor­der­li­chen eigen­stän­di­gen Begrün­dung einer Anspruchs­grund­la­ge5. Bei einer blo­ßen Anwen­dung von Tarif­nor­men schei­det eine Anwen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes selbst dann aus, wenn der Arbeit­ge­ber dabei einem Rechts­irr­tum unter­liegt, weil er sich in Ver­ken­nung der objek­ti­ven Rechts­la­ge für ver­pflich­tet hält, in der erfolg­ten Wei­se zu han­deln. Das gilt auch dann, wenn der Tarif­ver­trag ledig­lich auf­grund einer tarif­li­chen Inbe­zug­nah­me anzu­wen­den ist6. Die­ser Vor­aus­set­zung unter­liegt jede Anwen­dung des arbeits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes, egal ob im öffent­li­chen Dienst oder in der Pri­vat­wirt­schaft.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. Okto­ber 2018 – 6 AZR 300/​17

  1. Münch­Komm-BGB/­Mül­ler-Glö­ge 7. Aufl. § 611 Rn. 1121 f.; ErfK/​Preis 19. Aufl. BGB § 611a Rn. 572, 574 []
  2. zum Gan­zen BAG 20.03.2018 – 3 AZR 861/​16, Rn. 28; 21.12 2017 – 6 AZR 790/​16, Rn. 31 []
  3. st. Rspr., vgl. BAG 14.11.2017 – 3 AZR 545/​16, Rn. 23 mwN []
  4. vgl. BAG 9.06.2016 – 6 AZR 321/​15, Rn. 18, 20; 21.05.2014 – 4 AZR 50/​13, Rn.20, BAGE 148, 139; Creutz­feldt JbArbR Bd. 52 S. 25, 27, 29 f. []
  5. vgl. BAG 9.06.2016 – 6 AZR 321/​15, Rn. 18, 20; 21.05.2014 – 4 AZR 50/​13, Rn.20, BAGE 148, 139; Creutz­feldt JbArbR Bd. 52 S. 25, 27, 29 f. []
  6. BAG 12.12 2012 – 10 AZR 718/​11, Rn. 44 mwN; Creutz­feldt aaO S. 29 []