Der im Urteil über­gan­ge­ne Kla­ge­an­spruch

Hat das Gericht einen Haupt- oder Neben­an­spruch über­gan­gen, ist die Ent­schei­dung nach § 321 Abs. 1 ZPO auf Antrag durch nach­träg­li­che Ent­schei­dung zu ergän­zen. Der Antrag ist nach § 321 Abs. 2 ZPO inner­halb von zwei Wochen nach Zustel­lung des voll­stän­dig abge­setz­ten Urteils zu stel­len.

Der im Urteil über­gan­ge­ne Kla­ge­an­spruch

Mit dem unge­nutz­ten Ablauf der Antrags­frist des § 321 Abs. 2 ZPO ent­fällt die Rechts­hän­gig­keit des Anspruchs.

Ein über­gan­ge­ner Anspruch, des­sen Rechts­hän­gig­keit durch Ablauf der Frist nach § 321 Abs. 2 ZPO ent­fal­len ist, kann allen­falls in der nächs­ten Instanz durch Kla­ge­er­wei­te­rung wie­der neu in den Pro­zess ein­ge­führt wer­den, wenn der Rechts­streit wegen ande­rer Tei­le des Pro­zess­stoffs dort noch anhän­gig ist 1.

In der Revi­si­ons­in­stanz ist die Ein­füh­rung neu­er Ansprü­che bzw. die Anspruchs­er­wei­te­rung in der Regel aus­ge­schlos­sen. Das Revi­si­ons­ge­richt prüft, ob die Vor­in­stanz über die Kla­ge rechts­feh­ler­frei ent­schie­den hat. Der Beur­tei­lung des Revi­si­ons­ge­richts unter­liegt dabei nach § 559 Abs. 1 Satz 1 ZPO nur das­je­ni­ge Par­tei­vor­brin­gen, das aus dem Beru­fungs­ur­teil oder dem Sit­zungs­pro­to­koll ersicht­lich ist. Mit dem Ende der Beru­fungs­ver­hand­lung wird die Urteils­grund­la­ge abge­schlos­sen 2. Eine Kla­ge­er­wei­te­rung, mit der anstel­le des rechts­hän­gi­gen Anspruchs oder dane­ben ein neu­er Anspruch erho­ben oder ein neu­er Streit­ge­gen­stand ein­ge­führt wird, ist des­halb in der Revi­si­ons­in­stanz grund­sätz­lich nicht mög­lich. Die Ent­schei­dung über einen ande­ren oder zusätz­li­chen Streit­ge­gen­stand erfor­dert in der Regel wei­te­re tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen. Sol­che kön­nen von einem Revi­si­ons­ge­richt aus pro­zes­sua­len Grün­den nicht getrof­fen wer­den 3.

Der Streit­ge­gen­stand wird bestimmt durch den Kla­ge­an­trag, in dem sich die vom Klä­ger in Anspruch genom­me­ne Rechts­fol­ge kon­kre­ti­siert, und durch den zuge­hö­ri­gen Lebens­sach­ver­halt, aus dem der Klä­ger die begehr­te Rechts­fol­ge her­lei­tet 4. Der Lebens­sach­ver­halt umfasst das gan­ze dem Kla­ge­an­trag zugrun­de lie­gen­de tat­säch­li­che Gesche­hen, das bei natür­li­cher; vom Stand­punkt der Par­tei­en aus­ge­hen­der Betrach­tungs­wei­se zu dem durch den Vor­trag des Klä­gers zur Ent­schei­dung gestell­ten Tat­sa­chen­kom­plex gehört oder gehört hät­te 5.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 10. März 2015 – 3 AZR 36/​14

  1. vgl. BAG 21.08.2012 – 3 ABR 20/​10, Rn.20; Stein/​Jonas/​Leipold 22. Aufl. § 321 Rn. 25[]
  2. BGH 25.04.1988 – II ZR 252/​86, zu 7 a der Grün­de, BGHZ 104, 215[]
  3. vgl. BAG 17.06.2014 – 3 AZR 527/​11, Rn. 38; 11.12 2012 – 3 AZR 611/​10, Rn. 14[]
  4. BAG 17.04.2002 – 5 AZR 400/​00, zu II 1 der Grün­de; 6.06.2000 – 1 ABR 21/​99, zu B II 3 der Grün­de, BAGE 95, 47[]
  5. BAG 11.05.2005 – 4 AZR 315/​04, zu I 4 a der Grün­de, BAGE 114, 332[]