Der nach­ge­reich­te Schrift­satz nach der münd­li­chen Ver­hand­lung – und der zwi­schen­zeit­li­che Rich­ter­wech­sel

Der abso­lu­te Revi­si­ons­grund des § 547 Nr. 1 ZPO ist ua. dann gege­ben, wenn das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht unter Mit­wir­kung der­je­ni­gen Rich­ter, die an der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung teil­ge­nom­men haben, geprüft hat, ob Schrift­sät­ze der Par­tei­en, die nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung bei Gericht ein­ge­gan­gen sind, gemäß § 156 ZPO Ver­an­las­sung zur Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung gaben 1.

Der nach­ge­reich­te Schrift­satz nach der münd­li­chen Ver­hand­lung – und der zwi­schen­zeit­li­che Rich­ter­wech­sel

Selbst wenn der nach­ge­reich­te Schrift­satz bei der Ent­schei­dung über das Urteil kei­ne Beach­tung mehr fin­den kann, weil das Urteil nach abschlie­ßen­der Bera­tung und Abstim­mung bereits gefällt war, hat das Gericht bis zur Urteils­ver­kün­dung ein­ge­hen­de Schrift­sät­ze zur Kennt­nis zu neh­men und eine Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung zu prü­fen 2.

Ist einer der Rich­ter, die an der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung teil­ge­nom­men haben, mitt­ler­wei­le aus­ge­schie­den, ent­schei­den über die Wie­der­eröff­nung die ver­blie­be­nen Rich­ter allein 3.

Tritt nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ein Rich­ter­wech­sel ein und war das Urteil zu die­sem Zeit­punkt noch nicht "gefällt", ist aller­dings gemäß § 156 Abs. 2 Nr. 3 ZPO zwin­gend die Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung anzu­ord­nen 4.

Ein Urteil ist nicht zwangs­läu­fig erst dann iSd. § 309 ZPO gefällt, wenn auf­grund eines nach­ge­reich­ten Schrift­sat­zes auch über die Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung bera­ten wor­den ist. Eine abschlie­ßen­de Bera­tung und Abstim­mung über das Urteil selbst kann viel­mehr schon zuvor erfolgt sein. Falls spä­ter die Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung abge­lehnt wird, ver­bleibt es bei dem bereits gefäll­ten Urteil.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 6. Mai 2015 – 2 AZN 984/​14

  1. vgl. BAG 25.01.2012 – 4 AZR 185/​10, Rn. 13[]
  2. BAG 25.01.2012 – 4 AZR 185/​10, Rn. 14; 18.12 2008 – 6 AZN 646/​08, Rn. 3 mwN, BAGE 129, 89; BGH 1.02.2002 – V ZR 357/​00, zu II 2 a bb (1) der Grün­de[]
  3. BGH 1.02.2002 – V ZR 357/​00, zu II 2 a und II 2 a bb (2) der Grün­de[]
  4. BGH 1.03.2012 – III ZR 84/​11, Rn. 9[]