Der schwer­be­hin­der­te Arbeit­neh­mer und der auf­lö­send beding­te Arbeits­ver­trag

Die Kla­ge­frist für die Bedin­gungs­kon­troll­kla­ge nach §§ 21, 17 Satz 1 TzB­fG beginnt nicht, wenn der Arbeit­ge­ber weiß, dass der Arbeit­neh­mer schwer­be­hin­dert ist, und das Inte­gra­ti­ons­amt der erstreb­ten Been­di­gung durch auf­lö­sen­de Bedin­gung nicht zuge­stimmt hat. Das folgt für das Bun­des­ar­beits­ge­richt aus einer Ana­lo­gie zu § 4 Satz 4 KSchG.

Der schwer­be­hin­der­te Arbeit­neh­mer und der auf­lö­send beding­te Arbeits­ver­trag

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann das Recht, eine Kla­ge zu erhe­ben, ver­wirkt wer­den mit der Fol­ge, dass eine gleich­wohl erho­be­ne Kla­ge unzu­läs­sig ist. Das Kla­ge­be­geh­ren ist ver­wirkt, wenn der Anspruch­stel­ler die Kla­ge erst nach Ablauf eines län­ge­ren Zeit­raums erhebt (Zeit­mo­ment) und dadurch ein Ver­trau­ens­tat­be­stand beim Anspruchs­geg­ner geschaf­fen wird, dass er gericht­lich nicht mehr belangt wer­de. Hier­bei muss das Erfor­der­nis des Ver­trau­ens­schut­zes das Inter­es­se des Berech­tig­ten an der sach­li­chen Prü­fung des von ihm behaup­te­ten Anspruchs der­art über­wie­gen, dass dem Geg­ner die Ein­las­sung auf die nicht inner­halb ange­mes­se­ner Frist erho­be­ne Kla­ge nicht mehr zumut­bar ist (Umstands­mo­ment). Durch die Annah­me einer pro­zes­sua­len Ver­wir­kung darf der Weg zu den Gerich­ten nicht in unzu­mut­ba­rer, aus Sach­grün­den nicht zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se erschwert wer­den 1. Das ist bei den an das Zeit- und Umstands­mo­ment zu stel­len­den Anfor­de­run­gen zu berück­sich­ti­gen 2.

Kei­ne Pro­zess­ver­wir­kung

Die Vor­aus­set­zun­gen der Pro­zess­ver­wir­kung sind hier nicht erfüllt.

Feh­len­des Zeit­mo­ment

Im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat der Klä­ger mit Schrift­satz vom 17. April 2008 einen Bedin­gungs­kon­troll­an­trag ange­kün­digt. Die­ser Schrift­satz ist am 17. April 2008 beim Arbeits­ge­richt ein­ge­gan­gen und der Beklag­ten am 28. April 2008 zuge­stellt wor­den. Danach ist bereits das erfor­der­li­che Zeit­mo­ment nicht gege­ben. Inso­weit kann unter­stellt wer­den, dass es sich bei dem Schrei­ben der Beklag­ten vom 20. Febru­ar 2008 – dem Klä­ger zuge­gan­gen am 22. März 2008 – um eine Been­di­gungs­mit­tei­lung im Sin­ne von § 15 Abs. 2 TzB­fG han­delt. Zwi­schen dem Zugang der Mit­tei­lung am 22. März 2008 und dem Ein­gang des Schrift­sat­zes vom 17. April 2008 am sel­ben Tag lagen nur knapp vier Wochen. Die Zustel­lung des Schrift­sat­zes am 28. April 2008 erfolg­te etwas über einen Monat nach Zugang der Mit­tei­lung der Beklag­ten vom 20. Febru­ar 2008 am 22. März 2008 beim Klä­ger. Das recht­fer­tigt nicht die Annah­me, der Klä­ger habe die Kla­ge erst nach einem län­ge­ren Zeit­raum erho­ben. Schon die in §§ 21, 17 Satz 2 TzB­fG in Ver­bin­dung mit § 5 Abs. 3 Satz 2 KSchG für einen Antrag auf nach­träg­li­che Kla­ge­zu­las­sung vor­ge­se­he­ne Frist von höchs­tens sechs Mona­ten vom Ende der ver­säum­ten Frist an gerech­net macht deut­lich, dass ein Arbeit­ge­ber vor Ablauf die­ser Frist nicht damit rech­nen kann, kei­ner Bedin­gungs­kon­troll­kla­ge mehr aus­ge­setzt zu wer­den. Nach­dem sich die Beklag­te mit Schrei­ben vom 20.02.2008 erst­mals auf eine Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses zum 20.02.2008 beru­fen hat­te, wur­de die Frist für eine Pro­zess­ver­wir­kung auch nicht zu einem frü­he­ren Zeit­punkt in Lauf gesetzt.

Feh­len­des Umstands­mo­ment

Außer­dem ist das Umstands­mo­ment nicht erfüllt. Die Beklag­te hat kei­ne beson­de­ren Umstän­de vor­ge­tra­gen, die es ihr unter Ver­trau­ens­schutz­ge­sichts­punk­ten unzu­mut­bar machen, sich auf den Bedin­gungs­kon­troll­an­trag ein­zu­las­sen. Dafür spre­chen weder die ihr unter dem 28. Febru­ar 2008 mit­ge­teil­te Rück­nah­me der Kla­ge vor dem Sozi­al­ge­richt vom 6. Febru­ar 2008 noch der ursprüng­li­che Haupt­an­trag. Die­se Umstän­de schrän­ken die Mög­lich­keit, sich gegen die Kla­ge wirk­sam zu ver­tei­di­gen, nicht ein.

Bedin­gungs­kon­troll­an­trag

Der Bedin­gungs­kon­troll­an­trag ist im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall begrün­det. Das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en hat nicht nach § 21 Abs. 1 Spie­gel­strich 5 MTV Schie­ne auf­grund der Zustel­lung des Ren­ten­be­scheids vom 10. Novem­ber 2006 geen­det, mit dem dem Klä­ger eine unbe­fris­te­te Ren­te wegen teil­wei­ser Erwerbs­min­de­rung gewährt wur­de. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zutref­fend erkannt, dass die feh­len­de Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts (§ 92 SGB IX) der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses durch auf­lö­sen­de Bedin­gung ent­ge­gen­steht. Die Fik­ti­on der §§ 21, 17 Satz 2 TzB­fG in Ver­bin­dung mit § 7 Halbs. 1 KSchG trat nicht ein, weil die Drei­wo­chen­frist der §§ 21, 17 Satz 1 TzB­fG nicht in Lauf gesetzt wur­de. Das folgt aus einer Ana­lo­gie zu § 4 Satz 4 KSchG. Das Recht des Klä­gers, sich auf die unter­blie­be­ne Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses zu beru­fen, ist auch nicht mate­ri­ell-recht­lich ver­wirkt.

Kla­ge­frist

Die drei­wö­chi­ge Kla­ge­frist der §§ 21, 17 Satz 1 TzB­fG begann hier nicht zu lau­fen, weil die Beklag­te um die Schwer­be­hin­de­rung des Klä­gers wuss­te und den­noch kei­ne Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts vor der erstreb­ten Been­di­gung durch auf­lö­sen­de Bedin­gung ein­hol­te. § 4 Satz 4 KSchG ist ana­log anzu­wen­den. §§ 21, 17 Satz 2 TzB­fG regeln die Fra­ge des Beginns der Kla­ge­frist für die Bedin­gungs­kon­troll­kla­ge eines Arbeit­neh­mers, des­sen Schwer­be­hin­de­rung der Arbeit­ge­ber kennt, unbe­ab­sich­tigt nicht. Die Inter­es­sen­la­ge ist in den Fäl­len der Kün­di­gung und der auf­lö­sen­den Bedin­gung ver­gleich­bar. Zum Schutz schwer­be­hin­der­ter Men­schen ist eine ana­lo­ge Anwen­dung von § 4 Satz 4 KSchG gebo­ten. Die­ser Schutz­zweck drückt sich in §§ 92, 85 SGB IX aus.

Auf­lö­sen­de Bedin­gung und Schwer­be­hin­de­rung

§ 21 TzB­fG bestimmt, dass ua. § 17 TzB­fG ent­spre­chend gilt, wenn der Arbeits­ver­trag unter einer auf­lö­sen­den Bedin­gung geschlos­sen wird. Will der Arbeit­neh­mer gel­tend machen, dass die auf­lö­sen­de Bedin­gung, unter der sein Arbeits­ver­trag steht, rechts­un­wirk­sam ist, muss er nach § 17 Satz 1 TzB­fG inner­halb von drei Wochen nach dem ver­ein­bar­ten Ende des beding­ten Arbeits­ver­trags Kla­ge beim Arbeits­ge­richt auf Fest­stel­lung erhe­ben, dass das Arbeits­ver­hält­nis auf­grund der Bedin­gung nicht been­det ist. Nach §§ 21, 17 Satz 2 TzB­fG gel­ten §§ 5 bis 7 KSchG ent­spre­chend. § 92 Satz 1 SGB IX sieht vor, dass die Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses eines schwer­be­hin­der­ten Men­schen auch dann der vor­he­ri­gen Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts bedarf, wenn sie ua. im Fall des Ein­tritts einer teil­wei­sen Erwerbs­min­de­rung ohne Kün­di­gung erfolgt. Die Vor­schrif­ten des Kapi­tels 4 des SGB IX über die Zustim­mung zur ordent­li­chen Kün­di­gung gel­ten nach § 92 Satz 2 SGB IX ent­spre­chend. Nach dem in Kapi­tel 4 des SGB IX ent­hal­te­nen § 85 SGB IX bedarf die Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses eines schwer­be­hin­der­ten Men­schen durch den Arbeit­ge­ber der vor­he­ri­gen Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts. § 4 Satz 4 KSchG bestimmt, dass die Frist zur Anru­fung des Arbeits­ge­richts erst ab Bekannt­ga­be der Ent­schei­dung der Behör­de an den Arbeit­neh­mer läuft, soweit die Kün­di­gung der Zustim­mung einer Behör­de bedarf.

Beginn der Kla­ge­frist

2. Nach die­sen gesetz­li­chen Vor­ga­ben begann die Kla­ge­frist der §§ 21, 17 Satz 1 TzB­fG hier nicht zu lau­fen. Das folgt aus der gebo­te­nen Ana­lo­gie zu § 4 Satz 4 KSchG. Das Inte­gra­ti­ons­amt stimm­te der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses vor Ein­tritt der auf­lö­sen­den Bedin­gung des § 21 Abs. 1 Spie­gel­strich 5 Unter­abs. 1 Satz 1 MTV Schie­ne nicht zu, obwohl die Beklag­te die Schwer­be­hin­de­rung des Klä­gers (§ 2 Abs. 2 SGB IX) zumin­dest seit Febru­ar 2007 kann­te. Im Bedin­gungs­kon­troll­recht besteht eine ver­gleich­ba­re Inter­es­sen­la­ge wie im Kün­di­gungs­schutz­recht.

Die Kla­ge­frist des § 4 Satz 1 KSchG beginnt im Fall von Kün­di­gun­gen nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts des Bun­des­ar­beits­ge­richts wegen der Aus­nah­me­re­ge­lung des § 4 Satz 4 KSchG erst, wenn dem Arbeit­neh­mer eine Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts zu der beab­sich­tig­ten Kün­di­gung mit­ge­teilt wur­de. Erst ab Bekannt­ga­be der Ent­schei­dung der Behör­de, nicht bereits ab Zugang der Kün­di­gung, muss der Arbeit­neh­mer inner­halb der gesetz­li­chen Kla­ge­frist reagie­ren. Sonst ist sein Recht nur durch die Grund­sät­ze der Ver­wir­kung begrenzt 3. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat sich dafür auf den Wort­laut des § 4 Satz 4 KSchG 4, den Sinn und Zweck der Neu­re­ge­lung des § 4 Satz 1 KSchG 5 und den sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang einer ande­ren Son­der­kün­di­gungs­schutz­be­stim­mung – des § 9 Abs. 1 MuSchG in Ver­bin­dung mit § 5 Abs. 1 Satz 2 KSchG – gestützt 6. Zen­tra­les Argu­ment ist die nach dem Geset­zes­zweck gebo­te­ne unter­schied­li­che Behand­lung der Kennt­nis und der Unkennt­nis des Arbeit­ge­bers von den Umstän­den, die den Son­der­kün­di­gungs­schutz begrün­den. Der Gesetz­ge­ber hat von der gene­rel­len Rege­lung der Kla­ge­frist in § 4 Satz 1 KSchG, die der Rechts­klar­heit und Rechts­si­cher­heit dient, in § 4 Satz 4 KSchG die Fäl­le aus­ge­nom­men, in denen der Schutz des Arbeit­neh­mers durch ein beson­de­res Ver­fah­ren vor einer Behör­de ver­stärkt wird 7. § 4 Satz 4 KSchG will ein Infor­ma­ti­ons­de­fi­zit des Arbeit­neh­mers im Hin­blick auf die erfor­der­li­che behörd­li­che Zustim­mung aus­glei­chen. Kennt der Arbeit­ge­ber die Umstän­de, die den Son­der­kün­di­gungs­schutz aus­lö­sen, dage­gen nicht, kann kein Infor­ma­ti­ons­de­fi­zit des betrof­fe­nen Arbeit­neh­mers aus­ge­gli­chen wer­den 8. Der Geset­zes­be­grün­dung lässt sich nichts über das Ver­hält­nis von § 4 Satz 1 und § 4 Satz 4 KSchG ent­neh­men 9.

Für die Bedin­gungs­kon­troll­kla­ge eines schwer­be­hin­der­ten Men­schen gilt hin­sicht­lich der Kla­ge­frist der §§ 21, 17 Satz 1 TzB­fG nichts ande­res. § 4 Satz 4 KSchG ist ana­log anzu­wen­den. §§ 21, 17 Satz 2 TzB­fG sind unbe­ab­sich­tigt lücken­haft. Im Bedin­gungs­kon­troll­recht besteht eine ver­gleich­ba­re Inter­es­sen­la­ge wie im Fall des Son­der­kün­di­gungs­schut­zes schwer­be­hin­der­ter Arbeit­neh­mer. Soll­te die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 18. Okto­ber 2006 10 anders zu ver­ste­hen sein, hält das Bun­des­ar­beits­ge­richt dar­an nicht fest.

§§ 21, 17 Satz 2 TzB­fG ent­hal­ten eine unbe­wuss­te Rege­lungs­lü­cke 11. Die Rege­lun­gen blie­ben bei Inkraft­tre­ten des Geset­zes zu Refor­men am Arbeits­markt vom 24.12. 2003 12 am 01.01.2004 unver­än­dert, obwohl der Gesetz­ge­ber das beson­de­re Schutz­be­dürf­nis schwer­be­hin­der­ter Arbeit­neh­mer mit dem am 01.07.2001 in Kraft getre­te­nen § 92 SGB IX idF vom 19.06.2001 13 aner­kannt hat­te.

Die ana­lo­ge Anwen­dung des für das Kün­di­gungs­schutz­recht vor­ge­se­he­nen § 4 Satz 4 KSchG auf die auf­lö­sen­de Bedin­gung bei Kennt­nis des Arbeit­ge­bers von der Schwer­be­hin­de­rung ist auf­grund der ver­gleich­ba­ren Inter­es­sen­la­ge gebo­ten. Das Schutz­be­dürf­nis schwer­be­hin­der­ter Arbeit­neh­mer ist in den Fäl­len der Kün­di­gung und der auf­lö­sen­den Bedin­gung des Arbeits­ver­trags ver­gleich­bar.

Der nöti­ge Inter­es­sen­aus­gleich ist – wie im Fall des Son­der­kün­di­gungs­schut­zes – her­zu­stel­len zwi­schen dem von §§ 21, 17 Satz 1 TzB­fG geschütz­ten Inter­es­se an Rechts­klar­heit sowie Rechts­si­cher­heit und dem in §§ 92, 85 SGB IX, § 4 Satz 4 KSchG aus­ge­drück­ten beson­de­ren Schutz schwer­be­hin­der­ter Arbeit­neh­mer vor der Been­di­gung ihres Arbeits­ver­hält­nis­ses. Die­ser beson­de­re Schutz wird durch die vor­he­ri­ge behörd­li­che Zustim­mung gewähr­leis­tet. Der beson­de­re Been­di­gungs­schutz tritt im Fall der auf­lö­sen­den Bedin­gung zurück, wenn der Arbeit­ge­ber, der das Arbeits­ver­hält­nis mit einem Schwer­be­hin­der­ten been­den möch­te, die Schwer­be­hin­de­rung bei Zugang der Been­di­gungs­mit­tei­lung im Sin­ne von § 15 Abs. 2 TzB­fG nicht kennt. Weiß der Arbeit­ge­ber dage­gen um die Schwer­be­hin­de­rung, setzt sich der beson­de­re Been­di­gungs­schutz durch. Die Kla­ge­frist der §§ 21, 17 Satz 1 TzB­fG beginnt in Ana­lo­gie zu § 4 Satz 4 KSchG erst mit Bekannt­ga­be der zustim­men­den Behör­den­ent­schei­dung 14.

Die Anwen­dung des § 4 Satz 4 KSchG auf Fäl­le vor­he­ri­ger behörd­li­cher Zustim­mungs­er­for­der­nis­se schränkt die Anwen­dung des Bereichs der Kla­ge­frist des § 17 Satz 1 TzB­fG nicht in einem Umfang ein, der eine Ver­wirk­li­chung des Geset­zes­zwecks nicht erlaubt 15. Zwi­schen bekann­ten und unbe­kann­ten Umstän­den eines behörd­li­chen Been­di­gungs­schut­zes ist zu unter­schei­den. Kennt der Arbeit­ge­ber die Schwer­be­hin­de­rung, beginnt die Drei­wo­chen­frist erst mit Bekannt­ga­be der Zustim­mung des Inte­gra­ti­ons­amts beim Arbeit­neh­mer. Kennt der Arbeit­ge­ber den beson­de­ren Been­di­gungs­schutz der Schwer­be­hin­de­rung dage­gen nicht, wird die Kla­ge­frist der §§ 21, 17 Satz 1 TzB­fG in Lauf gesetzt 16.

Die Kla­ge­frist der §§ 21, 17 Satz 1 TzB­fG hat hier noch nicht begon­nen. Es kommt nicht dar­auf an, ob der Beklag­ten die Schwer­be­hin­de­rung des Klä­gers schon bei Zustel­lung des Ren­ten­be­scheids vom 10.11.2006 bekannt war. Der genaue Zustel­lungs­zeit­punkt ist nicht fest­ge­stellt. Nach den unan­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts wuss­te die Beklag­te jeden­falls seit Febru­ar 2007, dass der Klä­ger schwer­be­hin­dert ist.

Das Arbeits­ver­hält­nis konn­te nach gebo­te­ner geset­zes­kon­for­mer Aus­le­gung von § 21 Abs. 1 Spie­gel­strich 5 Unter­abs. 1 Satz 1 MTV Schie­ne nach §§ 21, 15 Abs. 2 TzB­fG erst zwei Wochen nach Zugang der Been­di­gungs­mit­tei­lung der Beklag­ten enden 17. Die­ser Zeit­punkt ist für die Kennt­nis des Arbeit­ge­bers von der Schwer­be­hin­de­rung ent­schei­dend, weil dem von §§ 92, 85 SGB IX und der Ana­lo­gie zu § 4 Satz 4 KSchG beab­sich­tig­ten beson­de­ren Been­di­gungs­schutz Rech­nung zu tra­gen ist.

Als Been­di­gungs­mit­tei­lung kommt im Streit­fall frü­hes­tens das Schrei­ben der Beklag­ten vom 20. Febru­ar 2008 in Betracht, das dem Klä­ger am 22. März 2008 zuging. Zu die­sem Zeit­punkt war der Beklag­ten die Schwer­be­hin­de­rung des Klä­gers bekannt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 9. Febru­ar 2011 – 7 AZR 221/​10

  1. BVerfG 26.01.1972 – 2 BvR 255/​67, BVerfGE 32, 305[]
  2. vgl. BAG 10.10.2007 – 7 AZR 487/​06, Rn. 10 mwN; 24.05.2006 – 7 AZR 365/​05, Rn. 20 mwN, EzA­ÜG AÜG § 10 Fik­ti­on Nr. 114[]
  3. vgl. schon zu der Rechts­la­ge vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes zu Refor­men am Arbeits­markt vom 24.12. 2003 [BGBl. I S. 3002] am 01.01.2004 BAG 03.07.2003 – 2 AZR 487/​02, BAGE 107, 50; für das neue Recht ent­ge­gen Tei­len des Schrift­tums fort­ge­führt von BAG 13.02.2008 – 2 AZR 864/​06, Rn. 38 mwN zu der Kon­tro­ver­se, BAGE 125, 345 mit zust. Anm. Hergenröder/​von Wicke­de AP SGB IX § 85 Nr. 5 und zust. Bespr. Jous­sen RdA 2009, 181 ff.; 19.02.2009 – 2 AZR 286/​07, Rn. 19 ff., AP MuSchG 1968 § 9 Nr. 38 = EzA KSchG § 4 nF Nr. 88[]
  4. vgl. BAG 13.02.2008 – 2 AZR 864/​06, Rn. 39, aaO[]
  5. BAG 19.02.2009 – 2 AZR 286/​07, Rn. 29, aaO; 13.02.2008 – 2 AZR 864/​06, Rn. 41 f., aaO[]
  6. vgl. BAG 19.02.2009 – 2 AZR 286/​07, Rn. 28, aaO[]
  7. vgl. BAG 13.02.2008 – 2 AZR 864/​06, Rn. 41 f., aaO[]
  8. vgl. BAG 19.02.2009 – 2 AZR 286/​07, Rn. 29, aaO[]
  9. vgl. Jous­sen RdA 2009, 181, 185[]
  10. BAG 18.10.2006 – 7 AZR 662/​05, Rn. 19 ff., EzT­öD 100 TVöD-AT § 33 Erwerbs­min­de­rungs­ren­te Nr. 2[]
  11. vgl. zu die­sem Ana­lo­gie­er­for­der­nis zB BAG 07.07.2010 – 4 AZR 549/​08, Rn. 28 ff., AP GG Art. 9 Nr. 140 = EzA TVG § 4 Tarif­kon­kur­renz Nr. 25[]
  12. BGBl. I S. 3002[]
  13. BGBl. I S. 1046[]
  14. vgl. für das Kün­di­gungs­schutz­recht Jous­sen RdA 2009, 181, 185 f.; für das Befris­tungs­kon­troll­recht im Ergeb­nis eben­so Düwell in LPK-SGB IX 03. Aufl. § 92 Rn. 14; Kreit­ner in juris­PK-SGB IX § 92 SGB IX Rn. 28.1[]
  15. vgl. für das Kün­di­gungs­schutz­recht Jous­sen RdA 2009, 181, 185[]
  16. vgl. für das Kün­di­gungs­schutz­recht BAG 13.02.2008 – 2 AZR 864/​06, Rn. 43 ff., BAGE 125, 345; Raab RdA 2004, 321, 330[]
  17. vgl. zu § 59 BAT BAG 15.03.2006 – 7 AZR 332/​05, Rn. 16 und 36, BAGE 117, 255; für § 21 Abs. 1 Spie­gel­strich 5 MTV Schie­ne offen­ge­las­sen von BAG 18.10.2006 – 7 AZR 662/​05, Rn. 15 und 23, EzT­öD 100 TVöD-AT § 33 Erwerbs­min­de­rungs­ren­te Nr. 2[]