Der Streit­ge­gen­stand im arbeits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren

Nach § 308 Abs. 1 ZPO ist ein Gericht nicht befugt, einer Par­tei etwas zuzu­spre­chen, was nicht bean­tragt ist. Umge­kehrt darf die beklag­te Par­tei nicht zu etwas ande­rem ver­ur­teilt wer­den als zu dem, wor­auf sie ihre Ver­tei­di­gung ein­rich­ten muss­te 1. Ein Ver­stoß gegen § 308 Abs. 1 ZPO ist vom Revi­si­ons­ge­richt von Amts wegen zu beach­ten 2.

Der Streit­ge­gen­stand im arbeits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren

Der Gegen­stand des Ver­fah­rens bestimmt sich nach dem für das arbeits­ge­richt­li­che Urteils­ver­fah­ren gel­ten­den zwei­glied­ri­gen Streit­ge­gen­stands­be­griff durch den gestell­ten Antrag (Kla­ge­an­trag) und dem ihm zugrun­de lie­gen­den Lebens­sach­ver­halt (Kla­ge­grund).

Der Streit­ge­gen­stand erfasst alle Tat­sa­chen, die bei einer natür­li­chen; vom Stand­punkt der Par­tei­en aus­ge­hen­den, den Sach­ver­halt sei­nem Wesen nach erfas­sen­den Betrach­tungs­wei­se zu dem zur Ent­schei­dung gestell­ten Tat­sa­chen­kom­plex gehö­ren, den der Klä­ger zur Stüt­zung sei­nes Rechts­schutz­be­geh­rens dem Gericht unter­brei­tet hat 3.

Das Vor­brin­gen des Beklag­ten oder eige­nes Ver­tei­di­gungs­vor­brin­gen des Klä­gers gegen­über dem Beklag­ten­vor­trag ver­än­dern den mit Antrag und Kla­ge­vor­brin­gen fest­ge­leg­ten Streit­ge­gen­stand nicht 4.

Der Ver­stoß gegen § 308 Abs. 1 ZPO kann in der Revi­si­ons­in­stanz grund­sätz­lich nicht dadurch geheilt wer­den, dass die Zurück­wei­sung der Revi­si­on bean­tragt wird. Dies wür­de eine in der Revi­si­ons­in­stanz unzu­läs­si­ge Antrags­än­de­rung oder ‑erwei­te­rung ermög­li­chen 5.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Mai 2018 – 6 AZR 215/​17

  1. BAG 14.09.2016 – 4 AZR 456/​14, Rn.20[]
  2. vgl. BAG 28.09.2016 – 7 AZR 128/​14, Rn. 69 mwN, BAGE 157, 44[]
  3. BAG 20.02.2018 – 1 AZR 787/​16, Rn. 12[]
  4. BAG 20.02.2018 – 1 AZR 787/​16, Rn. 12; 18.11.2014 – 1 AZR 257/​13, Rn. 15 mwN, BAGE 150, 50[]
  5. BAG 24.10.2017 – 1 AZR 166/​16, Rn.19[]