Der über­wie­gend von der öffent­li­chen Hand getra­ge­nen Arbeit­ge­ber­ver­band – und die Koali­ti­ons­frei­heit

Ein mehr­heit­lich von der öffent­li­chen Hand getra­ge­ner Arbeit­ge­ber­ver­band kann sich nicht auf das Grund­recht der Koali­ti­ons­frei­heit beru­fen.

Der über­wie­gend von der öffent­li­chen Hand getra­ge­nen Arbeit­ge­ber­ver­band – und die Koali­ti­ons­frei­heit

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall wen­det sich der kla­gen­de Arbeit­ge­ber­ver­band gegen die Tarif­treu­e­re­ge­lung des beklag­ten Lan­des Nord­rhein-West­fa­len für die Ver­ga­be öffent­li­cher Auf­trä­ge. Danach müs­sen Arbeit­ge­ber, die Mit­glied des kla­gen­den Arbeit­ge­ber­ver­ban­des sind, bei der Aus­füh­rung von öffent­li­chen Auf­trä­gen im Bereich des öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs wenigs­tens das Ent­gelt zah­len, das in Nord­rhein-West­fa­len für die­se Leis­tung in einem durch Ver­ord­nung für reprä­sen­ta­tiv erklär­ten Tarif­ver­trag vor­ge­se­hen ist. Die Tarif­ver­trä­ge des kla­gen­den Arbeit­ge­ber­ver­ban­des sind durch die Reprä­sen­ta­ti­ve Tarif­ver­trä­ge Ver­ord­nung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len von 2016 nicht für reprä­sen­ta­tiv erklärt wor­den.

Die Kla­ge auf Fest­stel­lung, dass die­se Ver­ord­nung das Grund­recht des Arbeit­ge­ber­ver­bands auf Koali­ti­ons­frei­heit aus Art. 9 Abs. 3 GG ver­letzt, haben sowohl das erst­in­stanz­lich täti­ge Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf [1] wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter [2] als unzu­läs­sig abge­wie­sen. Und auch die Revi­si­on des Arbeit­ge­bers­ver­ban­des blieb nun vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ohne Erfolg:

Der Arbeit­ge­bers­ver­band ist nicht kla­ge­be­fugt. Als juris­ti­sche Per­son des Pri­vat­rechts, deren Mit­glie­der mehr­heit­lich Kör­per­schaf­ten oder Anstal­ten des öffent­li­chen Rechts sind, ist er staat­lich beherrscht und kann des­halb nicht Trä­ger von Grund­rech­ten sein. Der Staat hat die Grund­rech­te der Bür­ger zu gewähr­leis­ten und kann sich nicht selbst auf sie beru­fen. Das gilt unab­hän­gig von der Wahl öffent­lich-recht­li­cher oder pri­vat­recht­li­cher Orga­ni­sa­ti­ons­for­men für alle staat­lich beherrsch­ten Zusam­men­schlüs­se.

Der kla­gen­de Arbeit­ge­ber­ver­band kann sich auf kei­ne der höchst­rich­ter­lich aner­kann­ten Aus­nah­men beru­fen, nach denen ein staat­li­cher Rechts­trä­ger grund­rechts­be­rech­tigt sein kann. Er dient weder der Ver­wirk­li­chung von Grund­rech­ten pri­va­ter Indi­vi­du­en, noch gerie­te er ohne Grund­rechts­schutz in eine Rechts­schutz­lü­cke. Für die Koali­ti­ons­frei­heit gel­ten kei­ne Beson­der­hei­ten, die den Grund­rechts­schutz auf öffent­lich beherrsch­te Arbeit­ge­ber­ver­ei­ni­gun­gen erwei­ter­ten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. Dezem­ber 2019 – 8 C 8.19

  1. VG Düs­sel­dorf, Urteil vom 30.04.2015 – 6 K 2894/​13[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 17.09.2018 – 13 A 1328/​15[]