Der ver­fehl­te Ver­kaufs­er­folg – und die frist­lo­se Kün­di­gung

Ein Arbeit­neh­mer schul­det grund­sätz­lich kei­nen bestimm­ten Erfolg. Eine ent­spre­chen­de Ver­pflich­tung kann im Arbeits­ver­hält­nis auch nicht ver­trag­lich begrün­det wer­den.

Der ver­fehl­te Ver­kaufs­er­folg – und die frist­lo­se Kün­di­gung

Die man­geln­de Errei­chung eines Umsatz­ziels ist daher als Kün­di­gungs­grund nicht geeig­net.

Die Arbeit­ge­be­rin hät­te inso­weit nicht nur die angeb­li­che Zusa­ge des Arbeit­neh­mers dar­le­gen müs­sen, son­dern dar­über hin­aus, dass das zuge­sag­te Ziel aus Grün­den im Ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers nicht erreicht wor­den ist.

Die Behaup­tung, der Arbeit­neh­mer sei sei­nen Leis­tungs­pflich­ten nicht nach­ge­kom­men und habe nicht aus­rei­chend Kun­den auf­ge­sucht, ist unsub­stan­ti­iert, wenn es an jeg­li­chem Vor­trag dazu fehlt, wie vie­le Kun­den der Arbeit­neh­mer auf­ge­sucht hat, wie vie­le er hät­te auf­su­chen müs­sen, um sei­ner Leis­tungs­pflicht zu genü­gen und dass ihm wegen einer etwai­gen Dif­fe­renz ein Vor­wurf gemacht wer­den kann.

Soweit die Arbeit­ge­be­rin dar­auf abstellt, sie habe auf Wunsch und im Ver­trau­en auf die Erklä­run­gen des Arbeit­neh­mers zwei zusätz­li­che Außen­dienst­mit­ar­bei­ter ein­ge­stellt, die sich letzt­lich nicht gerech­net hät­ten, kann damit die Kün­di­gung des Arbeit­neh­mers nicht begrün­det wer­den. Selbst wenn der Arbeit­neh­mer in erheb­li­chem Umfang wei­te­re Kennt­nis­se im Geträn­ke­ver­trieb hat als die ver­ant­wort­li­chen Mit­ar­bei­ter der Arbeit­ge­be­rin, ins­be­son­de­re der Kom­ple­men­tär­ge­schäfts­füh­rer, kann aus einer feh­ler­haf­ten Pro­gno­se über die Ren­ta­bi­li­tät der Ein­stel­lung zusätz­li­cher Mit­ar­bei­ter oder über den Absatz eines Pro­dukts nicht auf eine schuld­haf­te Pflicht­ver­let­zung geschlos­sen wer­den. Das unter­neh­me­ri­sche Risi­ko bei sol­chen Pro­gno­sen bleibt – eben­so wie der unter­neh­me­ri­sche Ertrag im Fall, dass die Pro­gno­se sich bestä­tigt oder gar über­trof­fen wird – bei der Arbeit­ge­be­rin.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Urteil vom 24. Mai 2016 – 1 Sa 503/​15