Deut­scher Arbeit­ge­ber, indi­scher Arbeit­neh­mer – und die Zustän­dig­keit deut­scher Arbeits­ge­richt

Die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der deut­schen Arbeits­ge­rich­te bestimmt sich für seit dem 10.01.2015 ein­ge­lei­te­te Ver­fah­ren nach der Ver­ord­nung (EU) Nr. 1215/​2012 (im Fol­gen­den: Brüs­sel Ia-VO), die nach ihrem Art. 66 Abs. 1 für die ab die­sem Tag ein­ge­lei­te­ten Ver­fah­ren gilt.

Deut­scher Arbeit­ge­ber, indi­scher Arbeit­neh­mer – und die Zustän­dig­keit deut­scher Arbeits­ge­richt

Bei einem Arbeits­rechts­streit han­delt es sich um eine zivil­recht­li­che Strei­tig­keit iSv. Art. 1 Abs. 1 Satz 1 Brüs­sel Ia-VO [1].

Der für ihre Anwen­dung erfor­der­li­che Aus­lands­be­zug [2] ergibt sich dar­aus, dass der Arbeit­neh­mer sei­nen Wohn­sitz in einem Dritt­staat hat [3].

Nach Art.20 Abs. 1, Art. 21 Abs. 1 Buchst. a Brüs­sel Ia-VO kann ein Arbeit­ge­ber, der sei­nen Wohn­sitz in einem Mit­glied­staat hat, vor den Gerich­ten des Mit­glied­staats, in dem er sei­nen Wohn­sitz hat, ver­klagt wer­den. Juris­ti­sche Per­so­nen haben nach Art. 63 Abs. 1 Brüs­sel Ia-VO ihren Wohn­sitz an dem Ort, an dem sich ihr sat­zungs­mä­ßi­ger Sitz (Buchst. a) bzw. ihre Haupt­nie­der­las­sung (Buchst. c) befin­det. Für Kla­gen gegen die Arbeit­ge­be­rin mit Sitz in Köln und Haupt­nie­der­las­sung in Frank­furt am Main ist eine inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te damit gege­ben. Zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Repu­blik Indi­en bestehen kei­ne zwi­schen­staat­li­chen Über­ein­künf­te, die gemäß den Art. 71, 72 Brüs­sel Ia-VO vor­ran­gig zu beach­ten wären.

Die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te ist eine in der Revi­si­ons­in­stanz von Amts wegen zu prü­fen­de Sachur­teils­vor­aus­set­zung [4]. § 545 Abs. 2 ZPO steht dem nicht ent­ge­gen. Die­se Rege­lung bezieht sich – soweit man sie im arbeits­ge­richt­li­chen Revi­si­ons­ver­fah­ren über­haupt für anwend­bar hält [5] – unge­ach­tet ihres weit gefass­ten Wort­lauts nicht auf die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit [6].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 7. Mai 2020 – 2 AZR 692/​19

  1. vgl. BAG 22.10.2015 – 2 AZR 720/​14, Rn. 12, BAGE 153, 138 zur Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/​2001 (im Fol­gen­den: EuGV­VO), der inso­weit inhalts­glei­chen Vor­gän­ger­re­ge­lung zur Brüs­sel Ia-VO[]
  2. vgl. EuGH 17.11.2011 – C‑327/​10 – [Hypote?ní banka] Rn. 29; BAG 13.12.2012 – 6 AZR 752/​11, Rn. 21; jeweils zur EuGV­VO[]
  3. vgl. EuGH 1.03.2005 – C‑281/​02, Rn. 26, zum Über­ein­kom­men über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Voll­stre­ckung gericht­li­cher Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen vom 27.09.1968 – BGBl.1972 II S. 774; im Fol­gen­den: EuGVÜ, dem Vor­gän­ger­ver­trag zur EuGV­VO[]
  4. BAG 12.12.2017 – 3 AZR 305/​16, Rn. 22, BAGE 161, 142[]
  5. vgl. GMP/­Mül­ler-Glö­ge 9. Aufl. § 72 Rn. 53[]
  6. vgl. BGH 28.11.2002 – III ZR 102/​02, zu II 1 der Grün­de, BGHZ 153, 82[]