Die Alters­dis­kri­mi­nie­rung in der Stel­len­aus­schrei­bung – und der Fest­stel­lungs­an­trag wegen zukünf­ti­ger Schä­den

Für einen auf § 15 Abs. 1 AGG gestütz­ten, auf Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung zum Ersatz künf­ti­ger Schä­den gerich­te­ten Kla­ge­an­trag ist das nach § 256 Abs. 1 ZPO erfor­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se gege­ben. Dies gilt sowohl, soweit der Bewer­ber die Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung der Arbeit­ge­bers zum Ersatz künf­ti­ger als auch bereits ent­stan­de­ner Schä­den begehrt.

Die Alters­dis­kri­mi­nie­rung in der Stel­len­aus­schrei­bung – und der Fest­stel­lungs­an­trag wegen zukünf­ti­ger Schä­den

Wird Kla­ge auf Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung zum Ersatz künf­ti­ger Schä­den erho­ben, liegt ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se vor, wenn der Scha­dens­ein­tritt mög­lich ist, auch wenn Art und Umfang sowie Zeit­punkt des Ein­tritts noch unge­wiss sind. Es muss ledig­lich eine gewis­se Wahr­schein­lich­keit des Scha­dens­ein­tritts bestehen 1. Dies ist vor­lie­gend der Fall.

Soweit der Stel­len­be­wer­ber die Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung der Arbeit­ge­be­rin zum Ersatz bereits ent­stan­de­ner Schä­den begehrt, steht der grund­sätz­li­che Vor­rang der Leis­tungs­kla­ge der Zuläs­sig­keit des Fest­stel­lungs­an­trags auch dann nicht ent­ge­gen, wenn der Stel­len­be­wer­ber die Kla­ge wegen eines Teils des sich ent­wi­ckeln­den Scha­dens schon bei Kla­ge­er­he­bung hät­te bezif­fern kön­nen. Eine Par­tei ist nicht gehal­ten, ihre Kla­ge in eine Leis­tungs- und eine Fest­stel­lungs­kla­ge auf­zu­spal­ten, wenn ein Teil des Scha­dens schon ent­stan­den ist und – wie hier – mit der Ent­ste­hung eines wei­te­ren Scha­dens nach ihrem Vor­trag noch zu rech­nen ist 2.

Nach § 252 BGB gehört zu dem nach § 15 Abs. 1 AGG zu erset­zen­den Ver­mö­gens­scha­den auch ent­gan­ge­nes Arbeits­ent­gelt 3.

Strei­ten die Par­tei­en – wie hier – dar­über, ob der Arbeit­ge­ber nach § 15 Abs. 1 AGG zum Ersatz eines Ver­mö­gens­scha­dens in Form ent­gan­ge­nen Arbeits­ent­gelts ver­pflich­tet ist, hat der/​die Anspruchsteller/​in die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die haf­tungs­aus­fül­len­de Kau­sa­li­tät. Er/​Sie muss dem­nach dar­le­gen und gege­be­nen­falls bewei­sen, dass die Benach­tei­li­gung für die Ableh­nung der ent­spre­chen­den Bewer­bung ursäch­lich gewor­den ist, er/​sie also die Stel­le bei benach­tei­li­gungs­frei­er Aus­wahl erhal­ten hät­te 4. Dabei kön­nen dem/​der Anspruchsteller/​in aller­dings Beweis­erleich­te­run­gen nach den all­ge­mei­nen zivil­pro­zes­sua­len Grund­sät­zen und Vor­schrif­ten zugu­te­kom­men.

Dabei führt der Umstand, dass er als Anspruch­stel­ler im Rah­men des § 15 Abs. 1 AGG die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die haf­tungs­aus­fül­len­de Kau­sa­li­tät hat, auch nicht zu einem Wer­tungs­wi­der­spruch inner­halb des Geset­zes im Hin­blick auf die in § 15 Abs. 2 Satz 2 AGG zum Ent­schä­di­gungs­an­spruch getrof­fe­ne Bestim­mung. § 15 Abs. 2 Satz 2 AGG macht nur für den Ent­schä­di­gungs­an­spruch eine Aus­nah­me von dem Grund­satz, dass der Anspruch­stel­ler die Dar­le­gungs- und Beweis­last für sämt­li­che anspruchs­be­grün­den­den Tat­sa­chen hat, wäh­rend der Anspruchs­geg­ner die rechts­ver­nich­ten­den, rechts­hin­dern­den und rechts­hem­men­den Tat­be­stands­merk­ma­le dar­le­gen und ggf. bewei­sen muss. Die­se Rege­lung kann nicht auf den Fall des Ersat­zes von Ver­mö­gens­schä­den nach § 15 Abs. 1 AGG über­tra­gen wer­den 5. Für eine der­ar­ti­ge Über­tra­gung ist weder im natio­na­len Recht eine Rechts­grund­la­ge noch im Uni­ons­recht eine ent­spre­chen­de Ver­pflich­tung ent­hal­ten 6.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 11. August 2016 – 8 AZR 406/​14

  1. BAG 17.03.2016 – 8 AZR 677/​14, Rn.20; 12.04.2011 – 9 AZR 229/​10, Rn. 36; 19.08.2010 – 8 AZR 315/​09, Rn. 29; offen­las­send, ob "die blo­ße Mög­lich­keit" genügt: BGH 2.04.2014 – VIII ZR 19/​13, Rn. 18[]
  2. BAG 17.03.2016 – 8 AZR 677/​14, Rn.20; vgl. auch BGH 6.03.2012 – VI ZR 167/​11, Rn. 3; 8.07.2003 – VI ZR 304/​02, zu II 1 der Grün­de[]
  3. vgl. BAG 20.06.2013 – 8 AZR 482/​12, Rn. 25; 21.09.2011 – 7 AZR 150/​10, Rn. 26; 19.08.2010 – 8 AZR 530/​09, Rn. 75; BGH 23.04.2012 – II ZR 163/​10, Rn. 63, BGHZ 193, 110[]
  4. ua. BAG 19.08.2010 – 8 AZR 530/​09, Rn. 76; BGH 23.04.2012 – II ZR 163/​10, Rn. 63, BGHZ 193, 110[]
  5. vgl. etwa BAG 19.08.2010 – 8 AZR 530/​09, Rn. 77 ff.[]
  6. vgl. im Ergeb­nis auch BGH 23.04.2012 – II ZR 163/​10, Rn. 63, BGHZ 193, 110[]