Die ambu­lan­te Kur – und die Ent­gelt­fort­zah­lung

Gesetz­lich Ver­si­cher­te haben wäh­rend einer ambu­lan­ten Vor­sor­ge­kur gegen ihren Arbeit­ge­ber aus­schließ­lich dann Anspruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung, wenn die vom Sozi­al­leis­tungs­trä­ger (etwa der Kran­ken­kas­se) bewil­lig­te Maß­nah­me in einer Ein­rich­tung der medi­zi­ni­schen Vor­sor­ge oder Reha­bi­li­ta­ti­on im Sin­ne des § 107 Abs. 2 SGB V durch­ge­führt wird und kei­nen urlaubs­mä­ßi­gen Zuschnitt hat.

Die ambu­lan­te Kur – und die Ent­gelt­fort­zah­lung

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall ist die Arbeit­neh­me­rin seit 2002 beim beklag­ten Land Nie­der­sach­sen als Köchin beschäf­tigt. Vom 4. bis zum 24. Okto­ber 2013 unter­zog sie sich einer von der AOK Nie­der­sach­sen bezu­schuss­ten ambu­lan­ten Kur auf der Insel Lan­ge­oog. Im dor­ti­gen Kur- und Well­ness­cen­ter erhielt sie nach ihrem Vor­bin­gen ins­ge­samt 30 Anwen­dun­gen, näm­lich je sechs Meer­was­ser­warm­bä­der, Bewe­gungs­bä­der, Mas­sa­gen, Schlick­pa­ckun­gen und Lymph­drai­na­gen. Außer­dem soll­te sie täg­lich in der Bran­dungs­zo­ne inha­lie­ren. Das beklag­te Land wei­ger­te sich im Vor­feld, die Arbeit­neh­me­rin für die Dau­er der Kur unter Fort­zah­lung ihrer Ver­gü­tung frei­zu­stel­len. Dar­auf­hin bean­trag­te die Arbeit­neh­me­rin Urlaub, der ihr bewil­ligt wur­de.

Mit ihrer Kla­ge hat sie gel­tend gemacht, der genom­me­ne Urlaub dür­fe nicht auf den Urlaubs­an­spruch ange­rech­net wer­den. Das Arbeits­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen, das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen die Beru­fung der Arbeit­neh­me­rin zurück­ge­wie­sen 1. Und auch die Revi­si­on der Arbeit­neh­me­rin blieb jetzt vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ohne Erfolg:

Besteht – wie im Streit­fall – kei­ne Arbeits­un­fä­hig­keit infol­ge Krank­heit, dür­fen Maß­nah­men der medi­zi­ni­schen Vor­sor­ge oder Reha­bi­li­ta­ti­on nach § 10 BUr­lG nicht auf den Urlaub ange­rech­net wer­den, wenn ein Anspruch auf Fort­zah­lung des Arbeits­ent­gelts nach den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten über die Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall besteht. Ein sol­cher Anspruch setzt bei gesetz­lich Ver­si­cher­ten nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EFZG vor­aus, dass die vom Trä­ger der Sozi­al­ver­si­che­rung oder einem sons­ti­gen Sozi­al­leis­tungs­trä­ger bewil­lig­te ambu­lan­te Vor­sor­ge­kur in einer Ein­rich­tung der medi­zi­ni­schen Vor­sor­ge oder Reha­bi­li­ta­ti­on durch­ge­führt wird. Das sind nur Ein­rich­tun­gen, die den Anfor­de­run­gen des § 107 Abs. 2 SGB V genü­gen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 25. Mai 2016 – 5 AZR 298/​15

  1. LAG Nie­der­sach­sen, Urteil vom 27.03.2015 – 10 Sa 1005/​14[]