Die Belei­di­gung einer Kol­le­gin

Eine vor­ge­täusch­te Arbeits­un­fä­hig­keit und die Bezeich­nung einer Arbeits­kol­le­gin als "rich­tig fet­te Schlam­pe" kann zur Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses füh­ren.

Die Belei­di­gung einer Kol­le­gin

Vor dem Arbeits­ge­richt Bonn hat ein sol­ches Ver­hal­ten in dem hier vor­lie­gen­den Fall zu einem Ver­gleich geführt: So ist das Arbeits­ver­hält­nis frist­ge­mäß gekün­digt wor­den und der Klä­ger hat eine Abfin­dung erhal­ten. Die­sem vom Gericht vor­ge­schla­ge­nen Ver­gleich haben bei­de Par­tei­en zuge­stimmt.

Der 44-jäh­ri­ge Klä­ger ist seit 2011 bei einer Bon­ner Pri­vat­kli­nik als Haus­meis­ter beschäf­tigt gewe­sen. Wäh­rend einer Ziga­ret­ten­pau­se mit einem Arbeits­kol­le­gen kam es im März 2017 zu einem Vor­fall: Es gesell­te sich eine Arbeits­kol­le­gin von der Rezep­ti­on dazu, die wäh­rend des Gesprächs von dem Haus­meis­ter gemus­tert wur­de. Schließ­lich sag­te er zu sei­ner Kol­le­gin: "Du bist ne rich­tig fet­te Schlam­pe gewor­den." Als er dar­auf­hin zur Rede gestellt wur­de, berief sich der Haus­meis­ter auf sei­nen bekannt flap­si­gen Ton. Dar­über hin­aus mel­de­te er sich krank. Die Kli­nik kün­dig­te dem Haus­meis­ter. Als ein Mit­ar­bei­ter der Kli­nik die frist­ge­mä­ße Kün­di­gung dem Haus­meis­ter zustel­len woll­te, sprang die­ser in vol­ler Arbeits­mon­tur von dem Gerüst an sei­nem Wohn­haus, was er gera­de neu ver­klin­ker­te. Die Kli­nik sprach dar­auf­hin die außer­or­dent­li­che Kün­di­gung wegen vor­ge­täusch­ter Arbeits­un­fä­hig­keit aus. Dage­gen hat sich der Haus­meis­ter vor dem Arbeits­ge­richt Bonn gewehrt und aus­ge­führt, er habe sich bei der Kol­le­gin für sei­nen locke­ren Umgangs­ton ent­schul­digt. Auch sei sei­ne Arbeits­un­fä­hig­keit nicht vor­ge­täuscht wor­den. Nach der ange­droh­ten Kün­di­gung habe sein Arzt ihn wegen psy­cho­so­ma­ti­scher Stö­run­gen krank­ge­schrie­ben. Außer­dem sol­le er nicht an die Kün­di­gung den­ken und sich durch ande­re Beschäf­ti­gun­gen ablen­ken.

Kün­di­gungs­schutz­kla­gen wie die­se füh­ren nicht in jedem Fall zum Ziel – der Wei­ter­be­schäf­ti­gung. In weit mehr als der Hälf­te der Fäl­le bleibt es bei der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses. Oft­mals hält der Arbeit­ge­ber auch bei einer unbe­rech­tig­ten Kün­di­gung an der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses fest. In die­sen Fäl­len wird dann häu­fig vom Arbeit­ge­ber eine Abfin­dung ange­bo­ten oder das Gericht macht einen sol­chen Vor­schlag. Damit der betref­fen­de Arbeit­neh­mer in die­ser Situa­ti­on nicht voll­kom­men unvor­be­rei­tet zum Gerichts­ter­min erscheint, kann es durch­aus sinn­voll sein, durch einen Abfin­dungs­rech­ner unge­fähr sei­ne mög­li­chen Ansprü­che ein­schät­zen zu kön­nen. Auch wenn die genaue Abfin­dungs­hö­he von vie­len Fak­to­ren abhän­gig ist (nicht zuletzt vom Ver­hand­lungs­ge­schick), kann ein Abfin­dungs­rech­ner zwar kei­nen kon­kre­ten Betrag nen­nen aber über durch­schnitt­li­che Wer­te und Anhalts­punk­te infor­mie­ren.

In dem hier vor­lie­gen­den Fall hat das Arbeits­ge­richt Bonn dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die frist­lo­se Kün­di­gung und das Vor­täu­schen der Arbeits­un­fä­hig­keit zu prü­fen sei­en und dies zu bewei­sen, sehr schwie­rig sei. Außer­dem müs­se der behan­deln­de Arzt bestä­ti­gen, ob der Klä­ger tat­säch­lich krank gewe­sen und das Klin­kern sei­nes Hau­ses damit ver­ein­bar gewe­sen sei. Nach die­sen Hin­wei­sen haben die Par­tei­en dem Ver­gleichs­vor­schlag des Arbeits­ge­richts zuge­stimmt: Das Arbeits­ver­hält­nis endet frist­ge­mäß und der Klä­ger erhält eine Abfin­dung.

Arbeits­ge­richt Bonn, Ver­gleich vom 27. Juli 2017 – 3 Ca 681/​17