Die Beschwer­de­be­fug­nis des Wirt­schafts­rats im arbeits­ge­richt­li­chen Beschluss­ver­fah­ren

Auch in einem Beschluss­ver­fah­ren über die Berech­ti­gung des Betriebs­rats zur Errich­tung eines Wirt­schafts­aus­schus­ses, ist der Wirt­schafts­aus­schuss nicht (rechts-)beschwerdebefugt. Eine von ihm gleich­wohl ein­ge­leg­te (Rechts-)Beschwer­de ist daher unzu­läs­sig.

Die Beschwer­de­be­fug­nis des Wirt­schafts­rats im arbeits­ge­richt­li­chen Beschluss­ver­fah­ren

Die Rechts­mit­tel­be­fug­nis im Beschluss­ver­fah­ren folgt der Betei­li­gungs­be­fug­nis. Des­halb ist nur rechts­be­schwer­de­be­fugt, wer nach § 83 Abs. 3 ArbGG am Ver­fah­ren betei­ligt ist [1]. Das ist eine Per­son oder Stel­le, die durch die zu erwar­ten­de Ent­schei­dung in ihrer betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­stel­lung unmit­tel­bar betrof­fen wird. Eine feh­ler­haf­te Betei­li­gung kann eine Rechts­mit­tel­be­fug­nis nicht begrün­den [2]. Fehlt die Rechts­be­schwer­de­be­fug­nis, ist das Rechts­mit­tel als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen [3].

Danach ist der Wirt­schafts­aus­schuss auch in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall nicht rechts­be­schwer­de­be­fugt. Das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt hat ihn in der Vor­in­stanz [4] zu Unrecht am Ver­fah­ren betei­ligt:

Der Wirt­schafts­aus­schuss übt ledig­lich Hilfs­funk­tio­nen für den Betriebs­rat aus. Er hat kei­ne eige­nen Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se. Die­se sind dem Betriebs­rat vor­be­hal­ten. Auch Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten über die Aus­kunfts­pflich­ten des Unter­neh­mens gegen­über dem Wirt­schafts­aus­schuss sind nach § 109 Abs. 1 BetrVG nicht vom Wirt­schafts­aus­schuss, son­dern vom Betriebs­rat mit dem Unter­neh­mer aus­zu­tra­gen. Wegen die­ser Hilfs­funk­ti­on des Wirt­schafts­aus­schus­ses berührt die Ent­schei­dung dar­über, ob die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Bil­dung eines Wirt­schafts­aus­schus­ses gege­ben sind, nur die betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­stel­lung des Betriebs­rats, nicht jedoch eine betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­po­si­ti­on des Wirt­schafts­aus­schus­ses. Die­ser ist des­halb an einem Ver­fah­ren, in dem die Betriebs­part­ner über die Berech­ti­gung des Betriebs­rats zur Bestel­lung eines Wirt­schafts­aus­schus­ses strei­ten, nicht betei­ligt [5].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 26. Febru­ar 2020 – 7 ABR 20/​18

  1. BAG 20.06.2018 – 7 ABR 48/​16, Rn. 12; 17.04.2012 – 1 ABR 5/​11, Rn.19 mwN, BAGE 141, 110[]
  2. BAG 22.05.2012 – 1 ABR 7/​11, Rn. 14, BAGE 141, 367; 8.11.2011 – 1 ABR 42/​10, Rn. 11[]
  3. vgl. BAG 19.12.2018 – 7 ABR 79/​16, Rn. 17; 8.11.2011- 1 ABR 42/​10, Rn. 12[]
  4. Hess. LAG, Beschluss vom 10.101.2017 – 4 TaBV 20/​17[]
  5. BAG 15.03.2006 – 7 ABR 24/​05, Rn. 23; 8.03.1983 – 1 ABR 44/​81, zu B I der Grün­de, BAGE 42, 75[]