Die Betriebs­rats­wahl und der Gemein­schafts­be­trieb von Mut­ter- und Toch­ter­ge­sell­schaft

Aus­grün­dun­gen hel­fen nicht immer gegen Betriebs­rats­wah­len, wie jetzt die Fir­ma Schle­cker XL erfah­ren muss­te: Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm hat die Fir­ma Schle­cker XL GmbH ver­pflich­tet, dem Wahl­vor­stand für die Betriebs­rats­wahl bei der Ein­zel­fir­ma Anton Schle­cker zur Aus­kunft über die bei Schle­cker XL beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer ver­pflich­tet.

Die Betriebs­rats­wahl und der Gemein­schafts­be­trieb von Mut­ter- und Toch­ter­ge­sell­schaft

Antrag­stel­ler ist der bei der Ein­zel­fir­ma Anton Schle­cker für die tur­nus­mä­ßi­ge Durch­füh­rung der Betriebs­wah­len im Bezirk Sie­gen gewähl­te Wahl­vor­stand. Dem Bezirk Sie­gen sind nach den Zuord­nungs­ta­rif­ver­trag zumin­dest 27 Filia­len der Fir­ma Anton Schle­cker mit ins­ge­samt 107 Arbeit­neh­mern zuge­ord­net.

Im Dezem­ber 2008 wur­de die Fir­ma Schle­cker XL GmbH gegrün­det, deren Antei­le voll­stän­dig vom Inha­ber der Fir­ma Anton Schle­cker gehal­ten wer­den. Am 28.01.2009 schloss die Fir­ma Anton Schle­cker eine in Kreuz­tal betrie­be­ne Dro­ge­rie­fi­lia­le. Nach Räu­mung der Ver­kaufs­stel­le mie­te­te die Fir­ma Schle­cker XL die Räum­lich­kei­ten an und eröff­ne­te eine neue Filia­le.

Der Wahl­vor­stand für die Betriebs­rats­wahl ver­tritt die Auf­fas­sung, dass die XL-Filia­le in Kreuz­tal auch zum Bezirk Sie­gen der Fir­ma Anton Schle­cker gehö­re und ver­langt des­halb von der Fir­ma Schle­cker XL die Namen der Mit­ar­bei­ter die­ser Filia­le sowie deren kom­plet­ten Anschrif­ten und wei­te­re Per­so­nal­da­ten um sie an der Betriebs­rats­wahl zu betei­li­gen. Denn er ver­tritt die Auf­fas­sung, dass die Fir­ma Anton Schle­cker und die Fir­ma XL einen Gemein­schafts­be­trieb unter­hal­ten und des­halb die Ver­kaufs­stel­le der Schle­cker XL in Sie­gen auch dem Zustän­dig­keits­be­reich des Betriebs­ra­tes Sie­gen zuzu­ord­nen sei.

Das im Rah­men eines einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­rens erst­in­stanz­lich mit dem Aus­kunfts­ver­lan­gen befass­te Arbeits­ge­richt Sie­gen hat das Aus­kunfts­be­geh­ren des Wahl­vor­stan­des zurück­ge­wie­sen 1. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beschwer­de des Wahl­vor­stan­des war nun jedoch beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm erfolg­reich.

Die Fir­ma Schle­cker XL, so das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, ver­pflich­tet, Aus­kunft über die Per­so­nen­da­ten ihrer Mit­ar­bei­ter an den Wahl­vor­stand zu geben. Dabei konn­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm die Fra­ge offen­las­sen, ob die Fir­ma Anton Schle­cker und die Fir­ma Schle­cker XL in Kreuz­tal einen gemein­sa­men Betrieb füh­ren. Denn im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren des Einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ste­hen wahl­spe­zi­fi­sche Fra­ge­stel­lun­gen im Vor­der­grund.

Aus­gangs­punkt der Über­le­gun­gen war für das Lan­des­ar­beits­ge­richt dabei die Fra­ge, wie sich die Aus­kunfts­ver­wei­ge­rung auf die spä­te­re Wahl aus­wirkt. Im Rah­men der Abwä­gung der Inter­es­sen der Betei­lig­ten wären die Aus­wir­kun­gen auf die Wahl gra­vie­ren­der, wenn sie ohne die Arbeit­neh­mer der Filia­le der Fa. Schle­cker XL in Kreuz­tal statt­fin­den müß­te. Die Ver­ken­nung des Betriebs­be­grif­fes führt näm­lich nur zu einer anfecht­ba­ren, jedoch nicht zu einer nich­ti­gen Wahl. Des­we­gen muss die Klä­rung, ob ein Gemein­schafts­be­trieb vor­liegt oder nicht, einem Haupt­sa­che­ver­fah­ren vor­be­hal­ten blei­ben und kann im Wege des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes nicht geklärt wer­den.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Beschluss vom 30. März 2010 – 13 TaBV­Ga 8/​10 (rechts­kräf­tig)

  1. ArbG Sie­gen, Beschluss vom 04.03.2010 – 1 BVGa 2/​10[]