Die dyna­mi­sche arbeits­ver­trag­li­che Bezug­nah­me­klau­sel – und der Betriebs­über­gang

Eine arbeits­ver­trag­li­che Bezug­nah­me­klau­sel wirkt auch bei einem Betriebs­über­gang gemäß § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB im Arbeits­ver­hält­nis mit der Betriebs­über­neh­me­rin dyna­misch wei­ter.

Die dyna­mi­sche arbeits­ver­trag­li­che Bezug­nah­me­klau­sel – und der Betriebs­über­gang

Der Über­gang des Betriebs führt mit­hin nicht dazu, dass die Arbeit­neh­me­rin fort­an nur noch die Anwen­dung des im Zeit­punkt des Betriebs­über­gangs gel­ten­den Ent­gelt­ta­rif­ver­trags ver­lan­gen konn­te.

Gemäß § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB tritt der Erwer­ber in die Rech­te und Pflich­ten des Ver­äu­ße­rers aus einem zum Zeit­punkt des Über­gangs bestehen­den Arbeits­ver­trag oder Arbeits­ver­hält­nis ein. Eine dyna­mi­sche Bezug­nah­me­klau­sel geht als ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Ver­äu­ße­rer und dem Arbeit­neh­mer regel­mä­ßig auf das nach dem Betriebs­über­gang bestehen­de Arbeits­ver­hält­nis mit dem Erwer­ber nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB unter Auf­recht­erhal­tung der Dyna­mik über1. Der Erwer­ber wird so gestellt, als hät­te er die dem Arbeits­ver­hält­nis zugrun­de lie­gen­den Wil­lens­er­klä­run­gen, also auch die, ein bestimm­tes Tarif­werk in sei­ner jewei­li­gen Fas­sung zum Inhalt des Arbeits­ver­trags zu machen, selbst gegen­über dem über­nom­me­nen Arbeit­neh­mer abge­ge­ben2.

Die­sem Ergeb­nis steht Uni­ons­recht nicht ent­ge­gen. Die Bin­dung des Erwer­bers eines Betriebs an die von des­sen Ver­äu­ße­rer mit dem Arbeit­neh­mer indi­vi­du­al­recht­lich ver­ein­bar­te dyna­mi­sche Bezug­nah­me auf einen Tarif­ver­trag ver­stößt nicht gegen uni­ons­recht­li­che Rege­lun­gen, nament­lich Art. 3 RL 2001/​23/​EG iVm. Art. 16 GRC.

Mit Urteil vom 27.04.20173 hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on auf Vor­la­ge des Bun­des­ar­beits­ge­richts4) ent­schie­den, dass die RL 2001/​23/​EG iVm. Art. 16 GRC der dyna­mi­schen Fort­gel­tung einer arbeits­ver­trag­li­chen Bezug­nah­me­klau­sel im Ver­hält­nis zwi­schen dem Arbeit­neh­mer und dem Betriebs­er­wer­ber nicht ent­ge­gen­steht, sofern das natio­na­le Recht sowohl ein­ver­nehm­li­che als auch ein­sei­ti­ge Anpas­sungs­mög­lich­kei­ten für den Erwer­ber vor­sieht.

Sol­che sowohl ein­ver­nehm­li­chen als auch ein­sei­ti­gen Anpas­sungs­mög­lich­kei­ten sieht die deut­sche Rechts­ord­nung vor. Dies hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­nem Urteil vom 30.08.2017 im Ein­zel­nen aus­ge­führt5. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hält an sei­ner Rechts­auf­fas­sung fest. Die Arbeit­ge­be­rin hat kei­ne neu­en Aspek­te vor­ge­bracht, die eine ande­re Beur­tei­lung der Fra­ge ver­an­las­sen könn­ten.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 27. März 2018 – 4 AZR 208/​17

  1. st. Rspr., ausf. BAG 23.09.2009 – 4 AZR 331/​08, Rn. 14 ff., BAGE 132, 169 []
  2. st. Rspr., vgl. nur BAG 30.08.2017 – 4 AZR 95/​14, Rn. 42 mwN []
  3. EuGH 27.04.2017 – C‑680/​15 und – C‑681/​15 – [Askle­pi­os Kli­ni­ken Lan­gen-Seli­gen­stadt] []
  4. BAG 17.06.2015 – 4 AZR 95/​14 (A []
  5. BAG 30.08.2017 – 4 AZR 95/​14, Rn. 46 ff. []